Vorsorge für Unternehmerfamilien Vermögen schützen, bevor der Ernstfall eintritt

Ferenc von Kacsóh, Gründer von Pariter Fortis, ist Stiftungsmanager und warnt mit Blick auf den Fall René Benko

Ferenc von Kacsóh, Gründer von Pariter Fortis: „Im Todesfall wird dann nur noch die Treuhänderschaft weitergereicht, nicht die Eigentümerschaft selbst." Bildquelle: Pariter Fortis

Eine vielleicht etwas provokante These vorneweg: Vermögende Familien müssen ihr Mindset ändern, wenn sie vermögend bleiben wollen.

In Zeiten des sogenannten „deutschen Wirtschaftswunders" der 1950er Jahre hatte ehrlicher Vermögensaufbau etwas mit Fleiß, Disziplin, Ehrlichkeit, Know-how – also Ingenieurskunst, Erfindergeist, Wissenschaft, Handwerk, Dienstleistung – und einem soliden kaufmännischen Verständnis zu tun. Das waren einst die klassischen deutschen Tugenden.

Unternehmer aus dieser Zeit hatten sich selbst als „Macher“ verstanden und ihr Lebenswerk an die nächste Generation weitergegeben, die es verantwortungsvoll weiterführte. Aktuell steht in vielen mittelständischen Betrieben der Wechsel von der zweiten zur dritten, gegebenenfalls auch schon zur vierten Generation an – doch viele Nachfolger wollen das nicht mehr. Zu groß wurde der regulatorische Druck, zu viele Hürden der Bürokratie, zu hoch die Belastung durch Substanzbesteuerung.

Diese Unternehmerfamilien der Wirtschaftswunderzeit haben sich weiterentwickelt. Viele von ihnen wurden sehr vermögend, einige sind sogar in die Riege der UHNWI aufgestiegen. Der Mittelstand jedoch – der noch immer über 90 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland stellt – steht vor einem ernsthaften Dilemma. Einerseits fällt es schwer, diesem Land gegenüber loyal zu bleiben, das immer neue Belastungen schafft.

Viele würden das Land lieber früher als später verlassen. Andererseits fühlen sie sich den Familien verpflichtet, die zum Teil noch heute in zweiter oder dritter Generation für sie arbeiten und ihren Beitrag zum Wohlstand der Familie geleistet haben. Daher ist der Verkauf des Unternehmens für sie derzeit keine Option.

 

Verschärfend kommt hinzu: Die aktuelle Trendstudie Jugend 2026 zeigt, dass quer durch alle Gesellschaftsschichten 21 Prozent der zukünftigen Leistungsträger Deutschland verlassen wollen. Dieser Brain Drain ist kein vorübergehender Trend – er ist ein strukturelles Warnsignal.

Das Selbstverständnis wandelt sich

Gerade in mittelständischen Familien mit einem Nettovermögen zwischen 15 und 80 Millionen Euro findet derzeit ein bemerkenswerter Prozess statt: Das Selbstverständnis der Prinzipale wandelt sich immer mehr zum Treuhänder des Familienvermögens. Dieses Mindset, das ursprünglich in Adelsfamilien verwurzelt war, verankert sich nunmehr verstärkt im Mittelstand.

Das bedeutet: Das Vermögen der Familie muss neu strukturiert werden. Eigentümerschaft wird neu definiert und von wirtschaftlicher Berechtigung getrennt. Im Todesfall wird dann nur noch die Treuhänderschaft weitergereicht, nicht die Eigentümerschaft selbst. Familien können so den Ausfall einer Generation viel leichter kompensieren.

Ganz nebenbei löst sich die Familie auch von der genealogischen Vermögensnachfolge – der Prinzipal kann frei denjenigen Nachkommen als Treuhänder bestimmen, der am besten für diese Aufgabe geeignet ist, oder gegebenenfalls auch einen Externen, auch zeitlich begrenzt.

Das ist Asset Protection in seiner ursprünglichsten Form: „Reich bleiben kommt von Geld behalten!"


Die vorstehenden Ausführungen geben die persönliche Einschätzung des Autors wieder. Ferenc von Kacsóh spricht zum Thema am 22. April 2026 auf dem private banking kongress in München: Im Panel „Nichts wie weg – Asset Protection in Zeiten von Brain Drain und Wegzugsbesteuerung" diskutiert er gemeinsam mit Dr. Götz Kempelmann (Flick Gocke Schaumburg) und Jörg Plesse (Unternehmerberater), moderiert von Herausgeber Malte Dreher.


Über den Autor:

Ferenc von Kacsóh ist Mitbegründer und Geschäftsführer des Family Office Pariter Fortis. Der Stiftungsmanager (EBS) und Unternehmerberater koordiniert die Projekte der Themenbereiche Kapitalvermittlung / M&A, Hotels, Immobilien, Stiftungen und Consulting. Zugleich ist er als Unternehmer-Coach tätig und war Beiratsmitglied einer privaten Hochschule.

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