Strukturierte Anleihen Asset-Backed Securities erleben Renaissance am europäischen Markt

Werner Kolitsch, Head of DACH Business Development bei M&G Investments.

Werner Kolitsch, Head of DACH Business Development bei M&G Investments. Bildquelle: Matthias Oertel

Für viele Investoren sind Asset-Backed Securities, kurz ABS, leider immer noch ein Begriff, der untrennbar mit der Finanzkrise von 2008 und den Verlusten aus Subprime-Hypotheken in den USA während dieser Zeit verbunden ist. Die Performance europäischer ABS im Jahr 2008 wird jedoch oft übersehen.

Insgesamt hat sich der europäische Markt in dieser Zeit viel besser geschlagen und war von den Turbulenzen weit weniger betroffen als die USA – vor allem aufgrund struktureller Unterschiede. Risikorückhaltungsvorschriften in Europa brachten die Interessen von Originatoren und Investoren in Einklang und führten dazu, dass das in den USA weit verbreitete „Originate-to-Distribute”-Modell nicht zum Tragen kam.

Trotzdem hindert das negative Image viele daran, zu erkennen, dass ABS ein Allrounder sind, der wieder in die Portfolios gehört. ABS bieten eine robuste, regulierte und renditestärkere Ergänzung zu traditionellen Anleiheinvestments. Sie sind ein attraktives Instrument für Investoren, die Diversifizierung und planbare Erträge suchen, insbesondere in einem Umfeld mit höheren Zinsen, volatilen Märkten und regulatorischen Umbrüchen.

Die Funktionsweise von ABS erklärt

ABS wurden vor etwa 30 Jahren in Europa erfunden. Dabei handelt es sich um strukturierte Anleihen, die durch einen Pool von Krediten oder Forderungen wie Hypothekendarlehen, Autokredite, Konsumentenkredite oder KMU-Kredite (Kredite an kleine und mittlere Unternehmen) besichert sind. ABS entstehen durch einen Prozess, der als Verbriefung bezeichnet wird. Die zugrunde liegenden Vermögenswerte werden in einer insolvenzgeschützten Zweckgesellschaft (SPV) zusammengefasst. Ein Sponsor, zum Beispiel eine Bank oder ein Hypothekengeber, gibt dann neue Anleihen aus, die durch den gemeinsamen Vermögenspool besichert sind, und verkauft sie an Investoren.

Die Anleihen werden in Tranchen aufgeteilt, die ihre Rangfolge in der Kapitalstruktur der Transaktion widerspiegeln und in der Regel als Senior-, Mezzanine-, Junior- und Resttranchen (Equity) kategorisiert werden. Eine Besonderheit von ABS ist die interne Hierarchie ihrer Tranchen. Sowohl vorrangige als auch Mezzanine-Tranchen sind durch eine hohe Bonitätsverbesserung abgesichert und daher in Stressphasen gut geschützt. Zudem bieten sie zusätzliche Renditen gegenüber gleichwertig bewerteten Unternehmensanleihen.

Mezzanine-Tranchen können zusätzlich von einer positiven Ratingmigration profitieren: Es ist nicht ungewöhnlich, dass ausgewählte Wertpapiere mit BBB-Rating im Laufe der Zeit durch Rückzahlungen und Amortisationen auf AA oder AAA heraufgestuft werden. Ein solches Verhalten ist bei Unternehmensanleihen selten zu beobachten.

Aus der Sicht von Investoren sind ABS kein Ersatz für bestehende Fixed-Income-Anlagen, sondern ergänzen diese. Sie können vor allem für Investoren, die auf geringe Volatilität, Stressresistenz und geringe Zinsempfindlichkeit setzen, eine wichtige Rolle spielen. Durch ihre geringe Korrelation mit Staats- und Unternehmensanleihen verbessern sie die Diversifizierung des Gesamtportfolios. Ihre geringe Volatilität macht sie außerdem zu einem stabilen Anker in turbulenten Märkten.

Das Marktumfeld und die Bewertungen sprechen für ABS

Aber warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um ABS wieder in die Anlageportfolios aufzunehmen? Dieses riesige Anlageuniversum hat Berichten zufolge einen Wert von über 540 Milliarden Euro (Stand: 31. Dezember 2024), während das Emissionsvolumen im Jahr 2024 insgesamt 143 Milliarden Euro erreichte, was einem starken Anstieg gegenüber den Vorjahren entspricht. Unserer Meinung nach signalisiert dies den Beginn eines mittelfristigen Trends für den Primärmarkt. Tatsächlich hat sich das Umfeld für Investoren in festverzinsliche Wertpapiere nach einem Jahrzehnt niedriger Zinsen und beispielloser Interventionen der Zentralbanken grundlegend verändert.

Mit dem Ende der Kaufprogramme der EZB haben sich die Marktmechanismen neu sortiert: Nachdem sie vorher durch die Käufe der Zentralbank künstlich niedrig gehalten wurden, ist die Renditeprämie von ABS gegenüber Staats- und Unternehmensanleihen deutlich gestiegen. Das sieht man besonders in Segmenten wie niederländischen Prime-RMBS und europäischen Auto-ABS, deren Spreads aktuell über dem 90. Perzentil der vergangenen zehn Jahre liegen. Für Investoren bedeutet das attraktive Einstiegsmöglichkeiten bei hoher Bonität – eine seltene Kombination aus Risikopuffer und Renditepotenzial.

Dazu kommt die variable Zinsstruktur vieler europäischer ABS, die sie im aktuellen Zinsumfeld besonders interessant macht. Selbst wenn die Zinsen ihren Höchststand erreicht haben, bieten ABS unserer Meinung nach im Vergleich zu Staats- oder Unternehmensanleihen weiterhin einen erheblichen Renditepuffer.

 

STS mit regulatorischem Rückenwind

Ein wichtiger Motor für den Aufschwung ist das 2019 eingeführte europäische STS-Regime, das für „Simple, Transparent and Standardised“ steht. Es legt klare Kriterien für hochwertige Verbriefungen fest, von der Transparenz bis zur Dokumentation.

Dieses Jahr kündigte die Europäische Kommission einen Maßnahmenvorschlag an, um bestimmte Anforderungen weiter zu vereinfachen und Kosten zu senken, um so die Verbriefungsaktivitäten anzukurbeln und gleichzeitig die Finanzstabilität zu sichern. Insgesamt soll die Reform den Regulierungsrahmen für den EU-Verbriefungsmarkt vereinfachen und zweckmäßiger gestalten, was sowohl Emittenten als auch Investoren von STS-Wertpapieren zugutekommen soll.

Dies könnte ein erhebliches Wachstumspotenzial für den Markt erschließen, zu einer Zunahme der Emissionen und einer breiteren Nachfragebasis führen und den Trend zu einem tieferen und diversifizierteren Anlageuniversum weiter vorantreiben, während den Investoren gleichzeitig reichlich Liquidität zur Verfügung steht.

Ein Comeback mit Substanz

Wer in den ABS-Markt einsteigen will, muss eines wissen: Man benötigt tiefgehendes Fachwissen, von den regulatorischen Rahmenbedingungen bis hin zu den strukturellen Besonderheiten einzelner Transaktionen. M&G ist seit über 25 Jahren aktiv im Bereich Verbriefungen tätig und hat rund 19 Milliarden Euro (Stand: 30. Juni 2025) des konzernweit verwalteten Vermögens für Investitionen in diesem Bereich vorgesehen, davon 9 Milliarden Euro in speziellen strukturierte Kreditportfolios.

Insgesamt sieht es so aus, als würden ABS wieder richtig durchstarten. Sie bieten eine tolle Mischung aus Stressresistenz, zuverlässigen und planbaren Erträgen, attraktiven Renditen und Diversifizierungsvorteilen für die Portfolios der Investoren – Vorteile, die im breiteren Anleihemarkt derzeit einzigartig sind.


Über den Autor:

Werner Kolitsch ist Leiter des DACH Business Development bei M&G Investments. Der Vertriebsleiter ist seit zehn Jahren für den Asset Manager tätig. 

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