Asset Allocation bei Niedrigzins „Versicherer neigen zu alternativen Anlagen“

Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers

Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers

Im Rahmen einer Studie ließ AXA Investment Managers Versicherer in Deutschland, Frankreich und Großbritannien befragen. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie?

Franz Wenzel: Es gibt vor allem zwei wichtige und auch etwas überraschende Erkenntnisse. Erstens ist das Niedrigzinsumfeld immer noch ein großes Thema für die Versicherer und wird es auch noch künftig bleiben. Das hat uns zwar nicht grundsätzlich überrascht, wir waren aber doch etwas erstaunt, dass in Deutschland über 80 Prozent der Befragten dieses Thema als entscheidend nannten. In den anderen Ländern war die Resonanz geringer, obwohl letztlich ja alle Anbieter in Europa das gleiche Schicksal teilen. Natürlich haben Bundesanleihen besonders stark „gelitten“.

Und was war die zweite Überraschung?

Wenzel: Dass die Regulierung immer noch ein ganz wichtiges Thema ist, obwohl Solvency II bereits ins Gesetz geschrieben ist und sich eigentlich alle hätten damit auseinander setzen müssen. Insbesondere kleinere Versicherer haben hier noch Nachholbedarf.

Wie reagieren die Versicherer auf die niedrigen Zinsen?

Wenzel: Es gibt einen Trend zu mehr Risiko innerhalb des Fixed-Income-Bereichs. Auch illiquide Papiere stehen auf den Kauflisten, zum Beispiel Commercial-Real-Estate- oder Infrastruktur-Debt. Im vergangenen Jahr haben wir zudem eine starke Bewegung hin zu Fremdwährungsanleihen gesehen. Versicherer haben in fünf-, sechs- oder siebenjährige ausländische Anleihen investiert. Nach Währungsabsicherung hatten sie immer noch einen Rendite-Pickup von 30 bis 40 Basispunkten im Vergleich zu europäischen Anleihen.

Und außerhalb des Anleihebereichs? Wie hat sich die gesamte Asset Allocation von Versicherern verschoben?

Wenzel: Versicherer tendieren verstärkt zu alternativen Anlagen. Vor zehn Jahren lag die Anleihequote noch bei 95 Prozent, heute sind es zwischen 85 und 90 Prozent. Dafür fließt mehr Geld in Infrastruktur-Fonds, Corporate Debt und Alternatives im weiteren Sinne. Die Nachfrage nach illiquiden Papieren ist nach der Euroland-Krise mit den sinkenden Renditen gestiegen. Hedgefondsähnliche Strategien verzeichnen noch eine relativ geringe Nachfrage, eher ist Private Equity gefragt. Allerdings sind Versicherer hier voll im Spannungsfeld zwischen Rendite und der nach Solvency II geforderten Eigenkapitalhinterlegung.

Das ist auch der Grund für das geringe Aktieninteresse?

Wenzel: Ja, und ebenso die regelmäßigen Stresstests. Versicherer können sich keine offenen Flanken leisten. Daher sind sie auf der Risikoseite bei Aktien sehr konservativ aufgestellt, die Quote liegt bei nur 5 bis 10 Prozent. Das ist im Niedrigzinsumfeld, das unserer Ansicht nach weiter Bestand haben wird, eine echte Herausforderung.