Asien-Anleihen „Knapp 3-prozentige Zusatzrenditen können Anleger binden, oder nicht?“

Alia Yousuf, leitende Portfoliomanagerin für Asien-Anleihen bei ING Investment Management

Alia Yousuf, leitende Portfoliomanagerin für Asien-Anleihen bei ING Investment Management

// //

Der systematische Ausbau der asiatischen Bond-Märkte setzte erst nach der asiatischen Finanzkrise Ende der 1990er Jahre ein. Statt der Wachstumsfinanzierung durch Banken mussten nach der Krise stabilere Finanzierungsquellen gefunden werden: Im Zuge der Wachstumsentwicklung bauten die Regierungen die heimischen Anleihemärkte aus. Dazu zählten auch Maßnahmen, die das exponentielle Wachstum der Märkte für Hard-Currency- und Lokalwährungsanleihen antrieben.

Treiber der asiatischen Anleihemärkte

Mit dem Angebot an Schuldtiteln stieg zudem die Nachfrage und rasches Wirtschaftswachstum führte zu wachsendem Vermögensaufbau in der gesamten Region. Das zeigt sich auch an der Zunahme und dem Umfang der von institutionellen Investoren, wie Versicherungsgesellschaften, Banken, öffentlichen und privaten Vorsorgeeinrichtungen, Zentralbanken und Staatsfonds, gehaltenen Vermögen.
 

Grafik 1: Zunahme des Pensionsfondsvermögens in Asien
Quelle: ADBI Working Paper Series, „Growth of Asian Pension Assets“, Autor: Yuwei Hu, Mai 2012

Pensionsvermögen kann die Nachfrage nicht decken

Trotz dieser rapiden Zunahme der Pensionsfondsvermögen besteht in Asien weiterhin eine massive Unterdeckung. Das bedeutet: Das Pensionsvermögen reicht nicht, um die Nachfrage zu decken. Das zeigt sich insbesondere, wenn man den Deckungsgrad asiatischer Länder mit dem von OECD-Staaten vergleicht. Das folgende Diagramm veranschaulicht die hohe positive Korrelation zwischen dem Pro-Kopf-Einkommen und dem Grad der Rentenabsicherung.
 

Grafik 2: Rentenabsicherung: Altersvorsorge im asiatisch-pazifischen Raum
Quelle: OECD, Oktober 2010

Das Wirtschaftswachstum in Asien soll das Wachstum in der übrigen Welt auf viele Jahre hinaus übertreffen. Grund ist der massive Nachfragestau, der von Faktoren wie hohe Bevölkerungszahlen, Verstädterung und technologischer Fortschritt angekurbelt wird.

Mit zunehmendem Wachstum und Fortschritt steigt auch der Bedarf an Altersvorsorge- und Versicherungsleistungen. Man kann also davon ausgehen, dass das institutionelle Vermögen in beschleunigtem Tempo weiterwächst. Pensionskassen setzen vorzugsweise auf festverzinsliche Anleihen, was für heimische Festzinsanlagen günstig ist.

Vielfältige Investorenbasis trägt Anleihemarkt auf lange Sicht

Das lässt sich auch an der Vielfalt der Investorenbasis bei Asien-Anleihen ablesen. Das Engagement ausländischer Investoren an den lokalen Anleihemärkten Asiens wird regelmäßig als Risiko hervorgehoben. Tatsächlich ist es jedoch so, dass die meisten Länder Asiens über eine tief verwurzelte und sich ausweitende Investorenbasis vor Ort verfügen, die den heimischen Anleihemarkt auf lange Sicht stützt.
 

Grafik 3: Breit gefächerte Investorenbasis für Asien-Anleihen in Lokalwährung
Quelle: Asian Development Bank, Asianbondonline (Mai 2014)

Marktstrukturen verbessern sich

Asiatische Regierungen bemühen sich zudem aktiv um den strukturellen Ausbau der heimischen Anleihe- und Devisenmärkte. So hat die indonesische Zentralbank erst kürzlich eine effizienz- und transparenzsteigernde Maßnahme umgesetzt, indem sie den Handel der Rupie über den Referenzkurs JISDOR (Jakarta Interbank Spot Dollar Reference Rate) zugelassen hat.

Die Märkte begrüßten diesen Schritt, wie sich am lebhafteren Handel mit indonesischen Anleihen und Devisen ablesen ließ. Und das ist nur ein Beispiel für die vielfältigen Verbesserungen, die sich in jüngster Zeit in der Region abzeichnen.
 

Grafik 4: Marktstruktur verbessert sich : 2013 im Vergleich zu 2009.
Quelle: Asian Development Bank

Chancen durch kräftiges Wachstum, gute Bewertungen und positiveres politisches Umfeld

Der Kern des Lokalwährungsuniversums in Asien besteht aus elf Märkten. Diese bieten ein breites Spektrum von Anlagemöglichkeiten, die unter anderem nach Land, Zinskurve, Währung, Sektor und Instrument ausgewählt werden können.

Auch im kommenden Jahr sollen Asien-Anleihen attraktive Ergebnisse abwerfen.

Begünstigend wirken Faktoren wie kräftiges Wachstum, gute Bewertungen, ein positiveres politisches Umfeld, rückläufige volkswirtschaftliche Extremrisiken und bessere Konjunkturaussichten.

Renditevorteile binden internationale Anleger

Angesichts des Renditevorteils asiatischer Lokalwährungsanleihen gegenüber globalen Anleihen werden internationale Anleger diesen Märkten wohl treu bleiben. Im Durchschnitt werfen asiatische Lokalwährungsanleihen im Vergleich zu Anleihen von den entwickelten Märkten eine knapp 3-prozentige Zusatzrendite ab (siehe nachfolgende Grafik).
 

Grafik 5: Renditevergleich: Asiatische Lokalwährungsanleihen und Anleihen von entwickelten Märkten
Quelle: Bloomberg Finance LP

Die Volatilität ist niedriger als viele denken…

Nicht abgesicherte Lokalwährungsstrategien stehen im Ruf, übermäßige Währungsvolatilität hervorzurufen. Die Vielfalt der Währungssysteme in der Region – ob über ein Currency Board an die Währung eines anderen Landes gekoppelt, ein administriertes Wechselkurssystem oder freie Wechselkurse – sowie der die Volatilität dämpfende Effekt des Portfoliomix aus mittelfristigen Anleihen und Währungen zügelt die Volatilität auf einem Niveau, das niedriger ist, als meistens erwartet.

Allerdings agieren die Märkte nicht homogen. Daher lassen sich durch kluge Wahl attraktive Risiko-/Ertragsstrukturen erzielen.

… auch bei den asiatischen Währungen

Die Zentralbanken Asiens haben aus der asiatischen Finanzkrise von 1997/98 gelernt. Seitdem haben sie immense Devisenreserven angehäuft, die oftmals zum Abmildern von Währungsschwankungen eingesetzt werden.

Die implizite Volatilität asiatischer Währungen über einen 1-Monatszeitraum war in der Vergangenheit nicht nur deutlich niedriger als die ihrer Emerging-Markets-Pendants (EM), sondern auch als die der Währungen von den entwickelten Märkten (DM). 
 

Grafik 6: Implizite Volatilität globaler Foreign Exchange (FX) über einen 1-Monatszeitraum. (DM = GBP, CAD, EUR, JPY, CHF, AUD; EM = MXN, COP, BRL, RUB, TRY, ZAR, HUF; Asien = CNY, SGD, PHP, THB, MYR, KRW, IDR, INR und HKD)
Quelle: Bloomberg Finance LP.

Warum die Nachfrage nach Bonds steigen wird

Asien ist und bleibt die am schnellsten wachsende Region der Welt. Daher wächst auch das institutionelle und das private Vermögen, je schneller Mittelschicht und Wohlstand in Asien zunehmen.

Und je aktiver die Regierungen der Region die weitere Entwicklung und den Deregulierungsprozess vorantreiben, desto stärker werden die lokalen Anleihemärkte von mehr Offenheit, höherer Liquidität und wachsendem Anlegerinteresse profitieren. Hinzu kommt die alternde Weltbevölkerung. All das spricht für eine steigende Nachfrage nach Bonds.

2014 ist nicht nur in vielen Ländern Asiens ein Wahljahr, sondern auch in einigen anderen EM-Staaten in anderen Teilen der Welt. Nach den Kursstürzen, die die Währungen Indiens und Indonesiens 2013 erlebten, sorgte man sich zu Recht, dass die diesjährigen Parlamentswahlen in diesen Ländern die Situation noch verschärfen könnten.

Glücklicherweise hat sich das bisher nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Die positiven Ergebnisse aus beiden Wahlen dürften die Investitionstätigkeit an den betreffenden lokalen Märkten noch verstärken. Auch in Thailand ist in Kürze mit – außerplanmäßigen – Wahlen zu rechnen. Die anhaltenden politischen Turbulenzen belasten zwar das Wachstum, sind für den Anleihemarkt jedoch günstig. Die thailändische Währung hat sich bisher als ausgesprochen widerstandsfähig erwiesen. Letztlich wird die Unsicherheit vergehen und die Wirtschaft wieder auf den Wachstumskurs zurückfinden. Im Ergebnis könnten die Anleiherenditen steigen.

Nicht zuletzt ist der Konjunkturoptimismus in den USA, Japan und Europa gestiegen und damit auch die Zuversicht der Investoren. Es bleibt indes bei Zweifeln über die weitere Entwicklung in China. Doch Chinas Bedürfnis, seine Volkswirtschaft neu auszubalancieren und sich so ein zwar langsameres, aber nachhaltigeres Wachstum zu sichern, ist nachvollziehbar.

Negative Haltung des Marktes nutzen

Insofern machen uns die Schlagzeilen zu Pleiten, schwächeren Konjunkturdaten und dergleichen weniger Sorge. Wir nutzen die aus unserer Sicht übermäßig negative Haltung des Marktes und die daraus resultierende Volatilität als günstige Kaufgelegenheiten.