
Die asiatischen Schwellenländer ohne Japan präsentieren sich 2026 als Markt der Gegensätze: Während Südkorea vom globalen KI- und Halbleiterzyklus getragen wird, ringt China weiterhin mit Belastungsfaktoren – eröffnet aber selektive Chancen. Für aktive Investoren entsteht ein Umfeld, das agile Ansätze belohnt.
Das Jahr 2025 war für Schwellenländeraktien insgesamt erfolgreich – allerdings mit erheblichen Unterschieden zwischen einzelnen Regionen und Ländern. Kapital floss verstärkt in jene Märkte, die unmittelbar vom Boom rund um künstliche Intelligenz und Hardware-Infrastruktur profitieren. Länder mit entsprechender industrieller Basis konnten sich deutlich absetzen.
Südkorea: Profiteur des KI- und Halbleiter-Superzyklus
Südkorea hat sich als klarer Gewinner dieser Entwicklung positioniert. Nach einer Dekade relativer Schwäche – oft als „Korea Discount“ bezeichnet – legte der Aktienmarkt 2025 um beeindruckende 76 Prozent zu und konnte diese Dynamik Anfang 2026 weiter fortsetzen.
Die Treiber dieser Entwicklung? Zum einen sind hier die Bewertungen zu nennen: Trotz der Rally bleibt der Markt attraktiv. Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,8 und einem erwarteten KGV von etwa 9 notieren koreanische Aktien weiterhin unter dem Bewertungsniveau vieler globaler Vergleichsmärkte – trotz eines kräftigen Gewinnwachstums.
Zum anderen ist die Rolle des Landes im globalen Technologiesystem zentral. Südkorea steht im Zentrum des Halbleiterzyklus, insbesondere im Bereich Speicherchips, deren Exporte zuletzt um 44 Prozent im Jahresvergleich zulegten. Die Dynamik strahlt zunehmend in angrenzende Industrien aus – von Automobil über Verteidigung bis hin zu Materialien und Schiffbau.
Das Hauptrisiko besteht darin, dass die Gewinndynamik nachlassen könnte, da sie stark von der Dauer des Halbleiterzyklus abhängt. Head of Wholesale bei Federated Hermes
Doch gleichzeitig entsteht hier auch Verwundbarkeit: Das Hauptrisiko besteht darin, dass die Gewinndynamik nachlassen könnte, da sie stark von der Dauer des Halbleiterzyklus abhängt. Südkorea bleibt ein hoch zyklischer Markt – mit entsprechendem Abhängigkeitspotenzial vom globalen Technologiesektor.
China: Zwischen kurzfristigen Belastungen und langfristiger Transformation
Im Kontrast dazu steht China, dessen Aktienmarkt 2025 und zu Beginn von 2026 deutlich hinter den regionalen Wettbewerbern zurückblieb. Die Gründe sind vielfältig: schwache Konsumnachfrage, ein weiterhin angespannter Immobiliensektor, nur moderater politischer Stimulus und eine verhaltene Exportdynamik.
Doch kurzfristige Unsicherheiten überlagern eine tiefgreifende strukturelle Transformation. Die chinesische Wirtschaft bewegt sich weg vom kreditgetriebenen Immobilienmodell hin zu technologiegetriebenem, produktivitätsorientiertem Wachstum.
Im Zentrum stehen dabei strategische Zukunftsfelder: Künstliche Intelligenz und Halbleiter, digitale Infrastruktur, Erneuerbare Energien, hochwertige Fertigung, Automatisierung und Robotik.
Diese Neuausrichtung ist im aktuellen Fünfjahresplan verankert und markiert den Übergang von „Wachstum um jeden Preis“ hin zu Qualität, Resilienz und Effizienz.
Doch trotz der strukturellen Fortschritte bleibt das Marktumfeld herausfordernd. Immerhin erscheint die Bewertung inzwischen vergleichsweise moderat: Der MSCI China notiert bei rund dem 12,6-Fachen der erwarteten Gewinne, während internationale Investoren in China deutlich untergewichtet sind. Dabei markiert oft gerade diese Kombination aus niedrigen Erwartungen bei gleichzeitig moderaten Bewertungen den Beginn besonders überzeugender Investmentgeschichten. Aber vorerst gilt: In China entstehen Chancen weniger auf breiter Indexebene, sondern vor allem über selektive Investments in unterbewertete Qualitätsunternehmen.
Geopolitik und Makro: Der unterschätzte Risikofaktor
Neben den länderspezifischen Entwicklungen bleibt das geopolitische Umfeld ein zentraler Unsicherheitsfaktor für die Region. Energiepreise, Währungsbewegungen und potenzielle Störungen globaler Lieferketten wirken sich direkt auf exportorientierte Volkswirtschaften in Asien aus.
Insbesondere China zeigt dabei eine gewisse Resilienz durch eine diversifizierte Energieversorgung und strategische Reserven. Dennoch gilt: Eine längere Phase erhöhter Energiepreise könnte Margen belasten und die globale Nachfrage dämpfen.
Aktives Management im Vorteil: Ineffizienzen als Chance
Ein wesentliches Merkmal der Region ist ihre strukturelle Ineffizienz. Asiatische Märkte sind breit, heterogen und in vielen Segmenten unteranalysiert. Genau hier setzen aktive Strategien an.
Der Investmentansatz von Federated Hermes basiert auf einem Bottom-up-orientierten, konträren Value-Stil. Im Fokus stehen Unternehmen, deren Bewertung nicht die fundamentale Qualität widerspiegelt – häufig aufgrund von geringem Analysten-Coverage, negativem Ländersentiment und temporärer Vernachlässigung durch Markttrends.
Auffällig ist dabei die Fähigkeit solcher Strategien, insbesondere in schwächeren Marktphasen relativ besser abzuschneiden. Geringe Korrelationen innerhalb des Portfolios und ein hoher aktiver Anteil tragen dazu bei.
Länderallokation: Selektivität entscheidet
Ein differenzierter Blick auf die Region zeigt klare Präferenzen:
- Übergewicht Südkorea: Trotz der starken Performance bleibt Potenzial vorhanden, auch wenn Positionen zuletzt reduziert wurden
- Selektive Chancen in China: Fokus auf unterbewertete Sektoren wie Versorger, Zykliker und dividendenstarke Titel
- Untergewicht Indien: Hohe Bewertungen begrenzen das Chance-Risiko-Profil
- Konträre Ansätze in Thailand: Niedrige Bewertungen und schwaches Sentiment eröffnen punktuelle Einstiegsmöglichkeiten
Fazit: Asia ex Japan bleibt ein Markt für aktive Investoren
Die asiatischen Schwellenländer ohne Japan stehen 2026 an einem Wendepunkt. Während einzelne Märkte vom globalen Technologieschub profitieren, befinden sich andere in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel.
Gerade diese Heterogenität macht die Region attraktiv – allerdings nicht für passive Ansätze. Wer die Unterschiede zwischen Ländern, Sektoren und Geschäftsmodellen gezielt nutzt, kann Ineffizienzen in Alpha verwandeln.
Oder anders formuliert: Asia ex Japan ist kein homogener Markt – sondern ein Umfeld, in dem gezielte, fundierte Selektion über Rendite entscheidet.
- Weitere Informationen zur Asien-Anlagen ex Japan finden Sie hier.
Marketingkommunikation. Nur für professionelle Investoren. Kapitalanlagerisiko.
Der Wert von Anlagen sowie die daraus erzielten Erträge können steigen oder fallen, und es ist möglich, dass Anleger den ursprünglich investierten Betrag nicht zurückerhalten. Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen denen des Autors und stimmen nicht zwangsläufig mit den in anderen Mitteilungen vertretenen Ansichten überein. Diese Informationen stellen weder eine Aufforderung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Finanzinstrumenten dar.
Herausgegeben und genehmigt von Hermes Fund Managers Ireland Limited („HFMIL“), die von der Central Bank of Ireland zugelassen ist und beaufsichtigt wird.
Eingetragene Geschäftsadresse: 7/8 Upper Mount Street, Dublin 2, Ireland, D02 FT59.