Arne Scheehl von Amundi Synthetische ETFs: Der Renditehebel, über den kaum jemand spricht

Arne Scheehl erklärt im Podcast die Hintergründe von synthetischen ETFs

Arne Scheehl erklärt im Podcast die Hintergründe von synthetischen ETFs Bildquelle: Amundi / Edelstoff Media mit KI

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Ein ETF verkauft sich als das einfachste Produkt der Finanzwelt: ein Index, ein Kürzel, eine Kostenquote. Die meisten Anleger vergleichen die TER und sind fertig. Darunter steckt allerdings erstaunlich viel Technik, und mitunter ein Stück US-Steuerrecht, das über fast ein halbes Prozent Rendite im Jahr entscheiden kann.

Arne Scheehl baut bei Amundi ETFs, physische wie synthetische. Er rechnet im Podcast „For Professional Investors Only“ vor, wohin die 100 Euro eines Anlegers in einem synthetischen S&P-500-ETF wandern: nicht nur in US-Aktien, sondern in ein Trägerportfolio aus großen, liquiden Titeln. Auf dem Etikett mag dann S&P 500 stehen, im Fonds können aber auch europäische oder japanische Papiere liegen. Parallel schließt der Fonds ein Tauschgeschäft mit einer Bank. Die liefert die Wertentwicklung des Index, der Fonds gibt die Entwicklung seines Trägerportfolios ab. Beide Seiten rechnen täglich ab.

Ist das eine Mogelpackung? Nein, sagt Scheehl, für ihn ist es der Kern der Konstruktion. Denn wirtschaftlich hängt der Anleger am Index und nicht an den Papieren im Fonds. Stimmrechte bei Apple oder Microsoft bekommt er deshalb nicht. Und steht im Trägerportfolio eine Dividende an, werden die Titel vorher ausgetauscht, damit im Fonds keine Quellensteuer anfällt.

Ein physischer ETF dagegen verliert auf US-Dividenden Quellensteuer. In Luxemburg, Deutschland oder Frankreich aufgelegt, kommen 70 Prozent im Fonds an, in Irland dank einer ETF-Sonderregel 85. Der Swap gilt den US-Behörden als Derivat. Erfüllt der Index die Kriterien – Dividendenrendite, US-Anteil, börsengehandelte Futures –, fällt darauf so gut wie keine Quellensteuer an. Bei drei Prozent Dividendenrendite macht das bis zu 45 Basispunkte im Jahr. Fast ein halbes Prozent, mehr als viele breite Index-ETFs an laufenden Gebühren kosten.

Und was ist mit dem Gegenparteienrisiko, was immer wieder erwähnt wird? Was passiert, wenn die Bank auf der anderen Seite ausfällt? Scheehl spielt den ungemütlichen Montagmorgen live im Podcast durch. Um die Zuverlässigkeit zu erhöhen, arbeitet Amundi mit sieben Gegenparteien, allesamt internationale Großbanken: „Du nimmst jetzt nicht jede Hinz-und-Kunz-Bank dafür“, so Scheehl. Die Ucits-Regeln erlauben zehn Prozent offenes Kontrahentenrisiko je Partner, Amundi setze den Wert jeden Abend auf null. 

Die Gleichung physisch gleich sicher, synthetisch gleich riskant hält Scheehl deshalb für zu bequem. Auch bei Themen wie Wertpapierleihe oder Währungsabsicherung sitzt am anderen Ende ein Kontrahent. „Der Unterschied zwischen einem physischen Fonds, der Leihe macht, und dem swapbasierten, wenn du ihn ordentlich managst, ist nicht sehr groß.“

Ohne Swap geht vieles ohnehin nicht: Rohstoffe, gehebelte und inverse Produkte, geldmarktnahe ETFs, Zinsstrukturkurven. Je exotischer der Markt, desto eher greift Amundi zum Tauschgeschäft – China, Vietnam, Emerging Markets. Beim Standardindex gilt die Regel umgekehrt: Physisch ist die Voreinstellung, für den Swap braucht es gute Gründe.

Ein Haken bleibt. Der ganze Steuervorteil hängt an einer Regelung aus Washington, die morgen anders aussehen kann. „Woher wissen wir schon, was der Steuergesetzgeber morgen tut“, sagt Scheehl. Wie genau das funktioniert, was an einem schlechten Montagmorgen wirklich passiert und worauf Arne Scheehl bei der Konstruktion achtet, darüber spricht er im Podcast „For Professional Investors Only“. 

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