Kontakt bis 2019 Edmond de Rothschild zahlte Jeffrey Epstein Millionen für Beratung

Ariane de Rothschild, seit 2023 Geschäftsführerin (CEO) von Edmond de Rothschild

Ariane de Rothschild ist seit 2023 Geschäftsführerin (CEO) von Edmond de Rothschild. Sie hatte viel Kontakt mit Jeffrey Epstein. Bildquelle: Imago/opale.photo

Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Organisation, ein Mitglied eines Königshauses oder ein Konzern neu aufploppt in den Millionen Akten, die das US-Justizministerium bislang von Jeffrey Epstein veröffentlicht hat. Nun kam heraus, dass der 2008 zum ersten Mal wegen Prostitution Minderjähriger verurteilte Finanzier ab 2013 Edmond de Rothschild beriet.

Es ging um einen Streit mit dem US-Justizministerium, der beigelegt werden sollte. Das bestätigt die Bankengruppe gegenüber dem private banking magazin. Ariane de Rothschild, die Geschäftsführerin (CEO) der Schweizer Bank, schloss am 5. Oktober 2015 einen Beratungsvertrag mit Epstein über 25 Millionen US-Dollar ab – umgerechnet rund 21,4 Millionen Euro. Der Vertrag ist in jenen drei Millionen Akten einzusehen, die das US-Justizministerium im Februar 2026 freigab.

Vertragspartner war Epsteins Firma Southern Trust Company Inc., registriert auf den Britischen Jungferninseln, deren Präsident Epstein war. Der Vertrag sah Leistungen im Bereich "Risikoanalyse und Anwendung bestimmter Algorithmen" vor. Eine Klausel verknüpfte die Zahlung mit dem Ausgang des DOJ-Verfahrens: Bliebe die Strafe unter 75 Millionen Dollar, sollte Epstein 25 Millionen erhalten. Läge sie zwischen 75 und 150 Millionen, würden nur 10 Millionen fällig. Die Zahlung sollte binnen drei Tagen nach Abschluss des Settlements erfolgen.

Die Bankengruppe bestätigt dieser Redaktion, dass Ariane de Rothschild von 2013 bis 2019 Geschäftskontakt zu Jeffrey Epstein hatte. De Rothschild war 2006 in den Verwaltungsrat eingetreten, ab 2008 Vizepräsidentin des Verwaltungsrats, und übernahm im Januar 2015 als Präsidentin des Executive Committee die operative Leitung. 2019 wurde sie Verwaltungsratspräsidentin, seit März 2023 ist sie CEO der Gruppe.

 

„Herr Epstein erhielt 25 Millionen Dollar für die Durchführung strategischer Beratungsaufträge und die Unterstützung der allgemeinen Geschäftsentwicklung der Bank“, teilt ein Sprecher von Edmond de Rothschild mit.

Weiter heißt es: „Das Unternehmen von Herrn Epstein leistete insbesondere strategische Beratung bei der Bewältigung des Streitbeilegungsprozesses zwischen der Bank und dem US-Justizministerium.“ Epstein machte demnach die Bank unter anderem mit entsprechenden US-Kanzleien bekannt, darunter Latham & Watkins mit der ehemaligen Rechtsberaterin des Weißen Hauses, Kathryn Ruemmler.

Stellungnahme der Bank lässt de Rothschild naiv erscheinen

Am 18. Dezember 2015 zahlt Edmond de Rothschild (Suisse) zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft in Lugano exakt 45,245 Millionen Dollar – umgerechnet rund 40 Millionen Euro – in einem außergerichtlichen Verfahren an die US-Regierung. Die Bank gab im Rahmen des DOJ Swiss Bank Program zu, 950 deklarierte oder undeklarierte Konten von US-Kunden betreut zu haben, auf denen maximal 2,16 Milliarden Dollar verwaltet wurden. Von diesen Konten wurden Vermögen auf Konten außerhalb der USA, beispielsweise in Singapur, Panama und Liechtenstein, transferiert. Der relevante Zeitraum begann im August 2008.

Laut mehreren Quellen flossen am 17. und 21. Dezember 2015 – zeitgleich mit der Bekanntgabe des Settlements – insgesamt 25 Millionen Dollar auf Epsteins Konten.

Edmond de Rothschild kam relativ glimpflich davon. Pictet musste über 120 Millionen Dollar zahlen. Die Privatbank Julius Bär wurde in einem ähnlichen Fall vom US-Justizministerium zu einer Strafe von 547 Millionen Dollar verurteilt – mehr als das Zwölffache. Die Bank musste zugeben, US-Kunden beim Verbergen von bis zu 4,7 Milliarden Dollar in rund 2.589 undeklarierten Konten geholfen zu haben. 

„Frau Rothschild war sich den schweren Anschuldigungen der amerikanischen Medien gegenüber Herrn Epstein nicht bewusst", heißt es von Edmond de Rothschild. „Sie erfuhr erst von den Kriminalfällen, als der Epstein-Skandal vollständig ans Licht kam."

Dabei wurde Jeffrey Epstein bereits am 30. Juni 2008 wegen Anstiftung zur Prostitution und Anwerbung einer Minderjährigen zur Ausübung der Prostitution verurteilt. Rund fünf Jahre vor dem ersten dokumentierten Geschäftskontakt mit de Rothschild im Jahr 2013 hatte Epstein bereits seine erste Haftstrafe abgesessen. Er wurde zu 18 Monaten verurteilt, verbüßte davon etwa 13 Monate in einer Haftanstalt in Palm Beach County mit großzügigen Work-Release-Privilegien. Den Finanzier umgab ein Zirkel einflussreicher Persönlichkeiten wie die US-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump sowie Prinz Andrew.

 

Vertrag zwischen Jeffrey Epstein und Ariane de Rothschild über ein Beratungsentgelt in Höhe von umgerechnet 20 Millionen Euro. | Bildquelle: Department of Justice (DoJ)

Die 2023 vom Wall Street Journal veröffentlichten Recherchen zeigen, dass de Rothschild mehr als ein Dutzend Treffen mit Epstein hatte. Die Bank bestritt zunächst jegliche Kontakte, musste später aber einräumen, dass Rothschild Epstein "im Rahmen ihrer normalen Tätigkeit bei der Bank zwischen 2013 und 2019" getroffen habe. Die nun freigegebenen E-Mails offenbaren eine deutlich engere Beziehung: De Rothschild und Epstein tauschten sich über Personalentscheidungen, Familienangelegenheiten und strategische Fragen aus. Nach Recherchen des Tagesanzeiger beriet Epstein die Bankchefin auch in höchst privaten Angelegenheiten – unter anderem bei Fragen zur Vormundschaft ihres Mannes Benjamin de Rothschild, der 2021 verstarb. Wie es im Tagesanzeiger heißt, enthielt die Korrespondenz zudem „private Elemente, darunter Ferienfotos sowie Hinweise auf persönliche Geschenke“. Epstein lud sie in seine Residenzen in New York und Paris ein und plante gemeinsame Besuche von Broadway-Stücken.

Doch auch im Bankenwesen war Epstein gut vernetzt. Jes Staley leitete von 2001 bis 2009 die Vermögensverwaltung von J.P. Morgan und war ein enger Vertrauter von ihm. Im Jahr 2009 überbrachte Epstein über Staley ein Kaufangebot an die Eigentümerfamilie Oppenheim.

„Niemand bei klarem Verstand will, dass eine US-Bank sich in die intimsten Details der eigenen Geschäfte einmischen kann", schrieb Epstein damals in einer Mail an J.P.-Morgan-Mitarbeitende im Zuge der Kaufpläne. Doch die Familie Oppenheim hatte bereits eine Exklusivvereinbarung mit der Deutschen Bank unterschrieben, welche die Geschäfte der Privatbank im Jahr 2018 integrierte.

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