Architekt Wolfgang Frey über nachhaltiges Bauen „Moderne Übersetzung des Schwarzwaldhauses“

Architekt Wolfgang Frey über nachhaltiges Bauen: „Moderne Übersetzung des Schwarzwaldhauses“

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DIE IMMOBILIE: Herr Frey, auf einer Konferenz haben Sie einen 50-Euro-Schein verbrannt, um auf den überflüssigen Verbrauch von Ressourcen aufmerksam zu machen – und um Ihre Zuhörer wachzurütteln. Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten die Branche ähnlich drastisch auf das nachhaltige Bauen aufmerksam machen?
Wolfgang Frey: Ja, der berühmte „Tritt in den Hintern“ ist auf jeden Fall nötig, auch wenn eine gewisse Einsicht da ist. Die jüngsten Unwetter haben es wieder eindrucksvoll bewiesen: Der Klimawandel existiert. Wir alle wissen, was zu tun ist – tun es aber nicht. Ich war diese Woche beispielsweise in Russland. Dort werden immer noch Heizungen eingebaut, die nicht regulierbar sind. Ende August macht das Fernwärmenetz die Heizung an, Mitte Juni wieder aus. Und wenn dazwischen mal die Sonne scheint, muss ich das Fenster aufmachen, sonst ist die Bude überhitzt.

DIE IMMOBILIE: In China hingegen, wo Sie auch bauen, scheint man mit dem Thema Nachhaltigkeit bewusster umzugehen.
Frey: China erlebt seit Jahren einen Bauboom mit zweistelligen Zuwachsraten. Der Verbrauch pro Quadratmeter an Heizungs- und Kühlungsenergie ist weitaus höher als der europäische Standard. Angesichts des rasanten Wachstums und der knappen inländischen Energiereserven besteht akuter Handlungsbedarf. Das Bewusstsein für effiziente und umweltschonende Energie haben die Chinesen und auch die chinesischen Behörden inzwischen entwickelt und sind sehr lernfähig gegenüber Expertise aus dem Westen, u.a. aus Deutschland.

DIE IMMOBILIE: Wie will China das lösen?
Frey: Ich bin dem chinesischen Bauminister sehr verbunden. Der hält unseren ressourcenschonenden Ansatz für einen schlauen Wirtschafts-Schachzug: Er sagte mir, es sei doch idiotisch, für eine Ressource – in diesem Fall Öl – Geld zu zahlen und diese dann einfach nur zu verbrennen. Da haben wir ihn übrigens wieder, den brennenden Geldschein. Mit diesem Geld sollte man lieber nachhaltig bauen, um sich vom Öl unabhängig zu machen. Denn China hat wie Deutschland keine Erdölreserven. Aber starkes Wirtschaftswachstum und damit gleichzeitig ein hohes Energiewachstum. Mit den Investitionen in ressourcenschonendes Bauen bleibt das Geld im heimischen Wirtschaftskreislauf.