Nachfolger von Warren Buffett Greg Abel schreibt erstmals an die Berkshire-Aktionäre

Greg Abel, Nachfolger von Warren Buffett bei Berkshire Hathaway

Greg Abel, Nachfolger von Warren Buffett bei Berkshire Hathaway: „Wenn wir scheitern, werden wir es sagen." Bildquelle: Bildquelle: Screenshot Youtube / DAS INVESTMENT

Gregory Abel hat seinen ersten Brief als Geschäftsführer (Chief Executive Officer) von Berkshire Hathaway an die Aktionäre gerichtet – und er beginnt mit einem Eingeständnis: Buffett nachzufolgen sei offensichtlich keine leichte Aufgabe. Abel, der Buffett im vergangenen Jahr an der Unternehmensspitze ablöste, würdigt seinen Vorgänger als wohl größten Investor aller Zeiten. Buffett habe aus Berkshire ein dauerhaftes Unternehmen geformt, das den Übergang von der Gründerführung zur nächsten Generation bestens vorbereitet habe. Buffett selbst ist weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender und kommt nach Abels Angaben fünf Tage pro Woche ins Büro.

Doch Abel lässt keinen Zweifel daran, dass er das Unternehmen versteht und gestalten will – und zwar für die nächsten Jahrzehnte. „In 20 Jahren, wenn ich erst einen Bruchteil von Warrens Amtszeit absolviert habe, ist meine Absicht, dass Sie – oder Ihre Nachkommen – stolz darauf sein werden, dass Ihr Unternehmen noch stärker ist", schreibt er.

Strategie: Kultur als Fundament, Dezentralisierung als Vorteil

Abels Strategie ist kein Bruch, sondern eine Fortschreibung – mit klarer eigener Handschrift. Im Zentrum steht die Überzeugung, dass Berkshires Kultur das wertvollste Gut des Unternehmens ist. Charlie Mungers Satz aus dem Jahr 2021 – „Greg wird die Kultur bewahren" – habe ihn nie losgelassen, schreibt Abel.

Die 6 stärksten Zitate aus dem Brief:

  1. „Wenn wir scheitern, werden wir es sagen."
  2. „Unsere Unternehmenskultur ist unser wertvollstes Gut."
  3. „Bei Berkshires Größenordnung arbeitet die Mathematik des Zinseszinses gegen uns."
  4. „In 20 Jahren ist es meine Absicht, dass Sie – oder Ihre Nachkommen – stolz darauf sein werden, dass Ihr Unternehmen noch stärker ist."
  5. „Wir haben 2017 erstmals in Pilot investiert, unsere Möglichkeit, das Unternehmen zu führen, wurde jedoch vertraglich bis 2023 verzögert. Dieser Fehler wird sich nicht wiederholen."
  6. „Der CEO ist dafür verantwortlich, als oberster Risikomanager zu fungieren – es gibt keine wichtigere Aufgabe." 
 

Cash-Reserven sind "strategische Munition" 

Konkret bedeutet das:

  • Dezentralisierung: Die rund 400.000 Mitarbeiter in 51 operativen Tochterunternehmen agieren mit maximaler Autonomie. Kein CEO muss Bürokratie durchlaufen oder kurzfristige Gewinnziele erfüllen, die langfristige Wertschöpfung gefährden würden.
  • Kapitalallokation: Investiert wird nur in Geschäfte, die man versteht, mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen und integren Führungskräften. Abel will schnell entscheiden – und ebenso schnell Nein sagen, wenn ein Angebot nicht passt.
  • Finanzkraft: Cash- und US-Treasuries-Bestände belaufen sich auf mehr als 370 Milliarden US-Dollar. Abel betont: Das ist kein Rückzug vom Investieren, sondern strategische Munition.
  • Keine Dividende: Die Dividendenpolitik bleibt unverändert – solange ein einbehaltener Dollar mehr als einen Dollar Marktwert schafft, wird nichts ausgeschüttet.
  • Aktienrückkäufe: Berkshire kauft eigene Aktien zurück, wenn sie unter dem konservativ geschätzten inneren Wert handeln.

Das operative Jahr 2025 in Zahlen

  • Operativer Gewinn: 44,5 Milliarden US-Dollar (2024: 47,4 Milliarden; Fünfjahresschnitt: 37,5 Milliarden)
  • Operativer Cashflow: 46 Milliarden US-Dollar (Fünfjahresschnitt: über 40 Milliarden)
  • Insurance Float: 176 Milliarden US-Dollar (Ende 2024: 171 Mrd.; Ende 2015: 88 Milliarden)
  • Combined Ratio Schaden-/Unfallversicherung: 87,1 % (Zehnjahresschnitt: 93,0  Prozent)
  • BNSF (Burlington Northern Santa Fe – eine der größten Gütereisenbahnen Nordamerikas, 2010 von Berkshire übernommen): 8,1 Milliarden US-Dollar operativer Cashflow; Operating Margin verbessert auf 34,5 Prozent (2024: 32,0 Prozent)
  • BHE (Berkshire Hathaway Energy – der Energieversorger/Stromkonzern von Berkshire, unter anderem mit der Tochter Pacificorp) : 8,4 Milliarden US-Dollar operativer Cashflow
  • Precision Castparts (weltweit führender, diversifizierter Hersteller von komplexen Metallkomponenten, Produkten und Strukturteilen): 2,4 Milliarden US-Dollar Cashflow (2021/22-Schnitt: 0,9 Milliarden; zum Vergleich: 1,7 Milliarden im letzten vollen Geschäftsjahr vor der Berkshire-Übernahme 2015)
  • Pilot (Tankstellen- und Raststättenkette für den Lkw-Verkehr in Nordamerika): 1,7 Milliarden US-Dollar operativer Cashflow

Zwei neue Akquisitionen

Abel kündigt zwei Zukäufe an, die exemplarisch für Berkshires Investitionsphilosophie stehen: Oxychem, das Chemikaliengeschäft von Occidental Petroleum, das stabile Cashflows aus dem Grundstoffbereich liefert. Und Bell Laboratories, ein familiengeführter Hersteller von Schädlingsbekämpfungsmitteln mit hohen Margen und verlässlichem Wachstum. Abel über letzteren: „Wir wünschen nur, er wäre zehnmal so groß."

Das Aktienportfolio

Die größten Aktienpositionen per 31. Dezember 2025:

Unternehmen Anteil Marktwert
Apple 1,6  Prozent 61,96 Milliarde US-Dollar
American Express 22,1 Prozent 56,09 Milliarden US-Dollar
Coca-Cola 9,3 Prozent 27,96 Milliarden US-Dollar
Moody's 13,9 Prozent 12,60 Milliarden US-DollarD

Dazu kommen die fünf japanischen Handelshäuser (Mitsubishi, Itochu, Mitsui, Marubeni, Sumitomo) mit einem Gesamtmarktwert von 35,4 Milliarden US-Dollar. Die Japan-Positionen wurden über Yen-Anleihen mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 1,2 Prozent finanziert.

 

Insgesamt repräsentieren diese Kernbeteiligungen knapp zwei Drittel des gesamten Aktienportfolios von 297,8 Milliarden US-Dollar und rentieren auf Basis der ursprünglichen Anschaffungskosten mit zehn Prozent.

Langfristige Performance

Seit 1965 erzielte Berkshire einen kumulierten Kursgewinn von 6.099.294 Prozent – gegenüber 46.061 Prozent für den S&P 500 inklusive Dividenden. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate lag bei 19,7 Prozent, verglichen mit 10,5 Prozent für den Index. Im Jahr 2025 blieb Berkshire mit einem Kursplus von 10,9 Prozent hinter dem S&P 500 zurück, der 17,9 Prozent zulegte.

Personelle Änderungen

Finanzchef (CFO) Marc Hamburg wird zum 1. Juni 2026 seine Aufgaben an Chuck Chang übergeben und zum 1. Juni 2027 in den Ruhestand treten. Neu im Unternehmen ist Mike O'Sullivan als erster General Counsel in der Geschichte von Berkshire Hathaway. Der nächste Aktionärstag findet am 2. Mai 2026 in Omaha statt.

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