Das US-Unternehmen Anthropic hat sich bereit erklärt, Mitglieder des Financial Stability Board (FSB) über Sicherheitslücken zu informieren, die sein KI-Modell Claude Mythos identifiziert hat. Das berichtet die „Financial Times“ (Bezahlschranke). Auslöser war eine Anfrage von Andrew Bailey, dem Gouverneur der Bank of England und derzeitigen FSB-Vorsitzenden. Im FSB sitzen Vertreter von Finanzministerien, Zentralbanken und Wertpapieraufsichtsbehörden der G20-Staaten — darunter Deutschland, die USA und Großbritannien.
Tausende Schwachstellen in Betriebssystemen und Browsern
Anthropic erklärte, Mythos habe „tausende schwerwiegende Schwachstellen“ aufgedeckt. Darunter Lücken in jedem großen Betriebssystem und Webbrowser. Was Hacker früher Monate kostete, erledigt das Modell in einem Bruchteil der Zeit. Besonders betroffen sind Banken mit veralteten IT-Systemen — sogenannten Altsystemen (Legacy-Systeme) — aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Für diese gibt es häufig keine Sicherheitsupdates mehr. Sie wurden gebaut, bevor Cyberangriffe ein Thema waren.
Ungleicher Schutz zwischen USA und Europa
Der Zugang zu Mythos ist auf rund 40 Organisationen beschränkt — hauptsächlich in den USA, darunter Amazon, Microsoft und JPMorgan Chase. Außerhalb der USA wächst die Sorge über ungleiche Schutzstandards. Anthropic hat zugestimmt, einigen nicht-amerikanischen Institutionen Briefings zu geben, darunter der Europäischen Kommission. Weder Anthropic noch das FSB kommentierten den Sachverhalt gegenüber der „Financial Times“.
Bereits Anfang Mai hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) gewarnt: KI-Systeme erhöhten Cyberrisiken zu einem „potenziellen makrofinanziellen Schock“. Die internationale Zusammenarbeit müsse dringend gestärkt werden.