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Bluebay-CIO im Interview „Anleihen können sich dem ESG-Mainstream nicht mehr entziehen“

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Sie haben sich auf Anleihen spezialisiert, eine Anlageklasse, die anders als früher vor Herausforderungen stellt. Wie sieht Ihr Investmentansatz aus?

Dowding: Um die aktuelle Marktsituation effektiv einschätzen zu können, verfügen wir über eine einheitliche Investmentplattform. Darin wird unser eigenes Makro-, Kredit- und ESG-Research zusammengeführt. So können wir sowohl Long- als auch Short-Chancen aus einem Universum von Alpha-Quellen herausfiltern. Unsere gebündelten Erkenntnisse sind die Grundlage für eine ganzheitliche und genaue Analyse. Infolgedessen sind unsere Investmenteinschätzungen gut begründet. Sehr wichtig ist uns auch unser Teamansatz, den wir unseren Anlageentscheidungen zugrunde legen. Die Effektivität unseres Vorgehens spiegelt sich in unserer Performance wider: 93 Prozent unserer Fonds liegen auf Basis des gewichteten verwalteten Vermögens über dem Median der Vergleichsgruppe und 97 Prozent unserer Strategien haben ihre Benchmarks im Jahr 2020 übertroffen.

Wo sehen Sie in den kommenden Monaten besonders interessante Anlagemöglichkeiten am Anleihemarkt?

Dowding: Makroökonomisch betrachtet erwarten wir, dass nur Hochzinsanleihen, nachrangige Bankanleihen und Schwellenländeranleihen – sowohl in Hart- als auch in Lokalwährung – im Jahr 2021 Renditen von mehr als 3 Prozent liefern werden. Investment-Grade-Anleiheindizes könnten in diesem Jahr Schwierigkeiten haben, Barmittel zu übertreffen. Wir sind aber der Ansicht, dass es auch in diesem Sektor immer noch viele Möglichkeiten gibt, Renditen oberhalb der Benchmarks zu erzielen – bedingt durch den Anstieg negativ verzinslicher Schuldtitel hauptsächlich aus Europa und Japan auf etwa 17 Billionen US-Dollar. Natürlich bleibt das Investment-Grade-Segment für uns ein Schlüsselbereich in Bezug auf mögliche Chancen – insbesondere, wenn man bedenkt, dass es in jedem Portfolio eine wesentliche Rolle spielt.

Im Bereich der nachhaltigen Anlagen konzentrieren sich die Marktteilnehmer eher auf Aktien. Welche Rolle spielen ESG-Faktoren für Sie als Anleiheinvestor?

Dowding: Wenn man etwas bewirken will, muss man über Aktien hinausblicken. Das zeigt schon alleine die Tatsache, dass die absolute Größe des weltweiten Anleihemarktes die des Aktienmarktes übertrifft.

Für uns bei BlueBay Asset Management spielen ESG-Faktoren eine wichtige Rolle. Sie sind vollständig in unseren Investmentansatz integriert und werden in sämtlichen Strategien berücksichtigt. Dies geschieht sowohl durch eigenes als auch durch externes Research.

Aktionäre haben Stimmrechte, Anleiheinhaber nicht. Wie können diese dennoch Einfluss ausüben?

Dowding: Ein Ansatz, der zunehmend an Dynamik gewinnt, ist die „Schuldenverweigerung“. Dabei geht es im Wesentlichen darum, Unternehmen oder Staaten, die in Bezug auf bestimmte ESG-Aspekte grundsätzlich versagen, keine Kapitalfinanzierung zu gewähren.

Ebenfalls von Bedeutung ist die Frage, wer die Mehrheit der fossilen Brennstoffreserven besitzt, die aus Gründen des Klimaschutzes im Boden bleiben sollten. Das sind oft Staaten oder staatliche Unternehmen, bei denen die Fremdfinanzierung durch Anleihen größer ist als jegliche Eigenkapitalfinanzierung mittels Aktien. In einigen Fällen werden sogar ausschließlich Schuldtitel ausgegeben. Hier ist der Einfluss von Aktionären begrenzt – Anleiheinhaber können jedoch ihr Gewicht in die Waagschale werfen.

Letzte Frage: Was stehen Sie zu grünen Anleihen?

Dowding: In den vergangenen Jahren ist der Markt für diese Papiere massiv gewachsen. Ich bin der festen Überzeugung, dass grüne Anleihen nur dann einen Platz haben, wenn ihre Emission zur Finanzierung von Projekten führt, die es sonst nicht geben würde. Andernfalls führt die Emission von grünen Anleihen unter Umständen nur dazu, dass Schuldner ihre Bilanz heller färben. Doch trotz aller Herausforderungen tut sich etwas: Festverzinsliche Wertpapiere können sich dem ESG-Mainstream zunehmend nicht mehr entziehen.