Anleihen-ETFs haben weltweit die Drei-Billionen-US-Dollar-Grenze überschritten. Allein 2025 flossen 669 Milliarden US-Dollar in diese Produkte – mehr als in den Jahren 2022 und 2023 zusammen. Anfang 2026 lagen die Zuflüsse bereits 30 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Das zeigt ein aktuelles Marktpapier von Blackrock.
Gestiegene Renditen verändern die Rolle von Anleihen im Portfolio
Das veränderte Zinsumfeld dürfte das Wachstum begünstigen. Rund 60 Prozent aller globalen Anleihen rentieren inzwischen über 4 Prozent – 2019 waren es weniger als 20 Prozent. Anleihen liefern damit wieder einen messbaren Ertragsbeitrag und nicht nur einen Puffer gegen Kursverluste bei Aktien. Für Portfoliomanager bedeutet das: Festverzinsliche Wertpapiere übernehmen mehrere Aufgaben gleichzeitig. Sie sichern Liquidität, liefern laufende Erträge und stabilisieren das Portfolio in volatilen Marktphasen.
Billionen parken auf Geldmarktkonten – mit wachsenden Opportunitätskosten
Gleichzeitig erreichten globale Geldmarktbestände Ende 2025 fast 12 Billionen US-Dollar. Kein anderes Anlageinstrument zog in den vergangenen drei Jahren mehr Nettozuflüsse an. Die Gründe sind nachvollziehbar: Hohe Leitzinsen und Marktunsicherheiten trieben Anleger in defensive Positionen. Doch je länger Kapital auf Geldmarktkonten verharrt, desto spürbarer werden die Opportunitätskosten. Kurzlaufende Anleihen-ETFs können ähnliche Renditen erzielen wie Geldmarktprodukte – bei gleichzeitig mehr Flexibilität entlang der Zinskurve.
Aktive Strategien gewinnen an Gewicht
Innerhalb des Anleihen-ETF-Marktes verschiebt sich das Bild. Aktiv gemanagte Anleihen-ETFs wuchsen 2025 um 215 Milliarden US-Dollar und fingen 32 Prozent aller Zuflüsse in diesem Segment ab – obwohl sie nur 20 Prozent der Bestände ausmachen. Aktive Manager können Duration und Kreditrisiko flexibel steuern. Im europäischen Anleihebereich erzielten aktiv gemanagte Fonds bei kürzerer Duration eine höhere Rendite als der breite Marktindex – ein Vorteil, der in einem Umfeld mit erhöhter Zinsunsicherheit an Bedeutung gewinnt.
Anleihen-ETFs als Liquiditätspuffer neben illiquiden Anlagen
Die Studie beschreibt einen strukturellen Wandel in der Portfoliokonstruktion. Portfolios werden komplexer: Private-Markets-Anlagen, Sachwerte und alternative Strategien gewinnen an Gewicht. Das investierbare Volumen in Private Equity, Private Credit sowie privat gehaltene Infrastruktur und Immobilien soll bis 2030 von heute 19 auf 32 Billionen US-Dollar wachsen.
Je illiquider Teile des Portfolios werden, desto wichtiger wird ein liquider Kern. Eine Rolle, die Anleihen-ETFs übernehmen können: Ihr tägliches Handelsvolumen stieg von 20 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf durchschnittlich 67 Milliarden US-Dollar im laufenden Jahr. In Stressphasen – etwa während der US-Zollankündigungen im April 2025 – stiegen die Volumina auf bis zu 84 Milliarden US-Dollar täglich.