Anleihen aus Fernost „Asiatische Unternehmen müssen den starken US-Dollar nicht fürchten“

Eine US-Zinserhöhung und die Dollar-Stärke dürften sich auch in Indien nur minimal auf Unternehmen und Banken auswirken | © NNIP

Eine US-Zinserhöhung und die Dollar-Stärke dürften sich auch in Indien nur minimal auf Unternehmen und Banken auswirken Foto: NNIP

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Seit dem Ende der locken Geldpolitik (Quantitative Easing, QE) in den USA haben sich die Märkte auf behutsam stei-gende Zinsen eingestellt. Die Folgen für Asien dürften sich allerdings im Vergleich zu anderen Regionen in Grenzen halten.

Was spricht gegen eine drastische Zinserhöhung der US-Notenbank Fed? Unter anderem, dass das Handelsdefizit der USA in Q4 2014 infolge rückläufiger Exporte weiter gestiegen ist. Eine aggressive Zinserhöhung würde den Dollar weiter stärken und die Ausfuhren belasten. Wir gehen folglich davon aus, dass die Fed mit der gebotenen Vorsicht vorgehen wird, um die zaghafte Erholung der Wirtschaft nicht abzuwürgen.

Asiens Unternehmen finanzieren sich weniger abhängig vom US-Dollar

Außerdem hängen die Finanzierungskosten in den Ländern Asiens mittlerweile stärker von der Politik der eigenen Zentralbanken ab als von der US-Zinsentwicklung. Bis 2008 verlief die Zinspolitik der wichtigsten Notenbanken weitge-hend im Gleichschritt mit der Fed, doch seither öffnet sich die Zinsschere immer weiter und Asiens Zentralbanken ge-hen erst jetzt auf Lockerungskurs. Wir rechnen mit weiteren Zinssenkungen in diesem Jahr. Gleichzeitig richten sich die Schuldenkosten asiatischer Unternehmen nach den regionalen Zinssätzen, nicht nach den US-Leitzinsen – und diese sind nicht – wie in den USA – auf null gefallen sind.

Grafik 1: Schuldenkosten asiatischer Unternehmen richten sich nach regionalen Zinssätzen, nicht US-Leitzinsen


Asiatische Unternehmen sollten den steigenden Dollar gut verkraften können. Zwar sind die Dollar-Schulden in Asien in den letzten beiden Jahren auf zwei Billionen US-Dollar (USD) gestiegen, doch das entspricht nur 28 Prozent der gesamten Verschuldung. Außerdem entsprechen die Fremdwährungskredite weitgehend den Fremdwährungsverbind-lichkeiten. Asiatische Firmen nehmen 21 Prozent ihrer EBITDA in USD ein, das ist mit der prozentualen Verschuldung in USD vergleichbar.

Grafik 2: Asiatische Unternehmen finanzieren sich vorzugsweise über Lokalwährungsanleihen


Positiv für asiatische Unternehmen ist auch, dass kurzfristige Verbindlichkeiten überwiegend (65 Prozent) auf lokale Währung lauten. Das setzt die Firmen einem geringeren Refinanzierungsrisiko in US-Dollar aus. Unternehmen gehen für ihre langfristige Finanzierung eher an die globalen US-Dollar-Märkte. Indonesiens Situation ist insofern etwas prekärer, da der Anteil unbesicherter Anleihen in US-Dollar hier größer ist.

Die Probleme indischer Unternehmen sind hausgemacht

Eine US-Zinserhöhung und die USD-Stärke dürften sich auch in Indien nur minimal auf Unternehmen und Banken auswirken. Zwar ist die Unternehmensverschuldung in bestimmten Sektoren erheblich, doch indische Firmen greifen eher auf inländische Geldquellen zurück. Hinzu kommen gesetzliche Beschränkungen der Finanzierung in US-Dollar. Bei den Unternehmen, die USD-Kredite aufnehmen, handelt es sich um jene ausländischen Großunternehmen, die ihre Erlöse in derselben Währung erzielen. Dadurch liegt der Anteil von USD-Finanzierungen in Indien sogar unter dem asiatischen Durchschnitt.

Die eigentlichen Probleme indischer Unternehmen sind hausgemacht. So erschwert der mangelnde Zugang zu kriti-schen Ressourcen wie Kohle den Erfolg neuer Projekte in Bereichen wie Versorger und Metallindustrie. Die Regierung plant indes Reformen, die diese Hindernisse ausräumen sollen, wie z.B. verbesserter Zugang zu Treibstoffressourcen für Versorger und mehr Transparenz bei der Versteigerung von Kohleblöcken.

Grafik 3: Hohe Unternehmensverschuldung wg. Infrastrukturproblemen vor Ort betrifft vor allem Versorger / Infrastruktur sowie Metalle / Bergbau


Asien könnte 2015 die höchsten Wachstumsraten weltweit zeigen

Die Wachstumsentwicklung ist in Asien zwar rückläufig und zweistellige Wachstumsraten wie einst in China gehören der Vergangenheit an. Dennoch gibt es kaum Grund zur Sorge und trotz lustloser Konjunktur ist nicht mit einem Einbruch zu rechnen.

Laut Chinas Premier Li Keqiang soll die Wirtschaft in diesem Jahr um sieben Prozent wachsen. Damit hätte die Regie-rung den nötigen Spielraum, um Reformen voranzutreiben. Japan ließ die Rezession Mitte 2014 hinter sich, und auch Korea expandiert, wenn auch die Exporte des Landes unter dem schwachen Yen leiden. Die Konjunktur in Südostasien kühlt ab, doch es gibt kaum Anzeichen für Finanzstress. Vor dem Hintergrund fallender Energiepreise sowie der QE-Maßnahmen der europäischen und japanischen Zentralbank könnte Asien sich 2015 erneut als die Region mit den weltweit höchsten Wachstumsraten erweisen.

Asiens Geldpolitikern stehen zahlreiche Instrumente zur Verfügung, um das Wachstum zu fördern. So haben zahlreiche Zentralbanken in den letzten Monaten angesichts sinkender Ölpreise die Zinsen gesenkt. Dazu trägt auch die weltweite Geldpolitik bei, die insgesamt locker bleiben dürfte. Sollte dies nicht ausreichen, um das Wachstum in Asien zu befeuern, können die Regierungen die Nachfrage auch durch zusätzliche Staatsausgaben anheizen.

Indien und Indonesien beispielsweise haben in jüngster Zeit die wenig durchdachten Treibstoffzuschüsse abgeschafft. Nach Angaben des indischen Ölministeriums sinkt die staatliche Zuschusslast mit jedem Dollar, um den der Ölpreis sinkt, um eine Milliarde US-Dollar. Staatsausgaben für Infrastruktur oder soziale Dienstleistungen könnten asiatischen Volkswirtschaften die nötige Dynamik verleihen, falls das Wachstum unter die angepeilten Zielwerte fällt.

Emerging Asia: Liberalisierung der Finanzmärkte schreitet voran

Asiens Lokalwährungsanleihemärkte sind von 1,5 im Jahr 2000 auf über 8 Billionen USD bis Ende 2014 gewachsen. Der chinesische Anleihemarkt hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt und ist heute nach dem japanischen der größte Asiens. Die rasche Wachstumsentwicklung sollte sich fortsetzen, da die Regierung sich lieber über die Kapital-märkte anstatt über Bankkredite finanzieren will.

In Asien sind die Kapitalkontrollen in Indien und China am strengsten. Das liegt vor allem an der Beschränkung aus-ländischen Eigentums an den Finanzmärkten. So beträgt die Verschuldung im Zusammenhang mit ausländischen Investitionen in Indien nur 81 Milliarden USD (die Kapitalisierung des gesamten indischen Kapitalmarkts liegt bei 1,2 Billionen USD). Positiv ist indes, dass die Regierung sich tatsächlich um einen leichteren Zugang zu den Kapitalmärk-ten des Landes bemüht. 2015 führte Indien das Foreign Portfolio Investor Programm ein, das Anlegern einen schnelle-ren Zugang zu den Märkten ermöglicht. Dennoch gelten für ausländische Investoren immer noch zahlreiche Beschrän-kungen für den Anleihemarkt.

Auch China beschränkt ausländisches Eigentum an seinen Finanzmärkten. Doch im Zuge der Liberalisierung der chi-nesischen Wirtschaft hat die Regierung die Notwendigkeit erkannt, die Kapitalmärkte des Landes zu öffnen. Daher können regionale Behörden jetzt ihre kurzfristigen Bankkredite in längerfristige Anleihen tauschen, um Zinskosten und Refinanzierungsrisiken zu senken. Wir gehen davon aus, dass die chinesische Regierung ihren Reformkurs weiterver-folgen wird.

Asien bleibt trotz USD-Stärke und möglicher Zinserhöhung in den USA eine Investmentoption

Zusammengefasst gilt folglich: Die zu erwartenden sachten Zinserhöhungen in den USA dürften die asiatischen Volkswirtschaften wenig belasten. Denn: Asiens Finanzierungskosten hängen nicht mehr so stark von der US-Zinsentwicklung ab wie früher, mit weiteren Zinssenkungen der Notenbanken in Asien ist zu rechnen und überdies sollten asiatische Unternehmen den steigenden Dollar gut verkraften können. Hinzu kommt, dass trotz lustloser Kon-junktur nicht mit einem Einbruch zu rechnen. Vielmehr könnte sich Asien 2015 sogar erneut als wachstumsstärkste Region weltweit zeigen – und dass mit einer im Vergleich zu den meisten Volkswirtschaften überschaubaren Staats-verschuldung.