Anleihen aus dem Golf-Kooperationsrat Anhaltende Strukturreformen tragen Früchte

Staatsbesuch von Chinas Staatschef Xi Jinping (r.) bei Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi (VAE), Ende Juli 2019: Die wirtschaftliche Integration des Nahen Ostens kommt gut voran. | © Getty Images

Staatsbesuch von Chinas Staatschef Xi Jinping (r.) bei Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi (VAE), Ende Juli 2019: Die wirtschaftliche Integration des Nahen Ostens kommt gut voran. Foto: Getty Images

Mit Blick auf Anleihen-Investments verdienen die Märkte im Golf-Kooperationsrat (GCC) viel mehr Aufmerksamkeit der Anleger, als sie bisher erhalten. Die sechs Länder des Nahen Ostens, die sich im GCC zu einer Allianz zusammengeschlossen haben – Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – haben mutige Schritte unternommen, um Steuerreformen umzusetzen und sich aus ihrer Abhängigkeit vom Öl zu lösen. Gleichzeitig signalisiert die seit Jahresbeginn 2019 erfolgende schrittweise Aufnahme der GCC-Länder in den J.P. Morgan Emerging Market Bond Index (EMBI), der Index bildet Schwellenländer-Anleihen ab, dass mit einem erheblichen Anstieg des Anlegerinteresses und der Nachfrage nach GCC-Anleihen zu rechnen ist.

Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass die Emission von GCC-Schuldtiteln, zu denen traditionelle Anleihen und Sukuk (schariakonforme Anleihen) gehören, zunimmt. Vier Aspekte sollten die aus unserer Sicht unterbewertete Anlageklasse der GCC-Schuldtitel im weiteren Jahresverlauf beeinflussen.

1. Strukturreformen

Eines der wichtigsten aktuellen Themen in der MENA-Region sind die von der Politik angeschobenen Reformen in den GCC-Ländern. Hierzu gehören die Öffnung der Kapitalmärkte und die Mobilisierung des Privatsektors. Zwei Themen, die aktuell zum richtigen Zeitpunkt auf den Tisch kommen, weil das Wachstum in den GCC-Ländern in den vergangenen Jahren verhältnismäßig schwach war.

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Nach unserer Auffassung verfügen die Politikverantwortlichen im GCC jedoch über die Instrumente, mit denen das Wirtschaftswachstum über das von der Weltbank für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2019 bis 2021 prognostizierte Plus von 1,5 Prozent bis 3,5 Prozent hinaus gesteigert werden kann. Hierzu zählen der Abbau von Handelsschranken innerhalb des GCC-Verbunds, eine breitere Verfügbarkeit von Finanzdienstleistungen und die Entwicklung der Schuldtitelmärkte. Wir werden genau im Auge behalten, wie die Politik Änderungen umsetzen kann, ohne dringliche Ziele der Haushaltskonsolidierung zu gefährden. Hierzu zählen insbesondere Fortschritte bei der Diversifizierung der Volkswirtschaften weg vom Öl und hin zu ölfremden Sektoren wie etwa Tourismus und Finanzdienstleistungen.

Länder wie beispielsweise Saudi-Arabien treiben ihre wirtschaftspolitische Integration auf globaler Ebene weiter voran. Das Land hat vor kurzem ein staatliches Programm für industrielle Entwicklung und Logistik aufgelegt, um bis zum Jahr 2030 rund 426 Milliarden US-Dollar an Investitionen anzulocken. So soll das „Vision 2030“-Ziel der Integration der saudi-arabischen Wirtschaft auf internationaler Ebene erreicht werden.