Anleihedepots in Zeiten der Zinswende, Teil 2 Wie man den Zinsvorteil in Fremdwährung absichert

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Lutz Röhmeyer von Capitulum Asset Management Foto: Capitulum AM

Im vorangegangenen Beitrag zum Thema Anleihedepots in Zeiten der Zinswende haben wir Wege aufgezeigt, wie man auch im jetzigen Umfeld mit zinsgesicherten Rentendepots noch die Chance auf absolute Erträge wahrt. Da dabei aber ausschließlich die Währung US-Dollar behandelt wurde, möchten wir nun die Reihe um den Blickwinkel des Euroanlegers erweitern.

Die Probleme, die das aktuelle Niedrigzinsumfeld mit sich bringt, sind bekannt und werden auch auf mittlere Sicht weiter bestehen. Während in den USA der Zinserhöhungspfad bereits etabliert ist, wird die Zinswende der EZB voraussichtlich erst im nächsten Jahr einsetzen. Und dies auch nur dann, wenn es die Konjunktur und politische Lage in der Eurozone zulassen. Die Zinsen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind jedoch bereits über die aus hiesiger Sicht atemberaubende Marke von drei Prozent gestiegen. Damit scheint eine Lösung für Anleger aus dem Euroraum auf dem Tisch zu liegen.

Bei der Suche nach Anlagealternativen mit größerer Risikotragfähigkeit sollten neben US-Treasuries als Investitionsmöglichkeit auch wieder die im Jahr 2018 sehr interessant gewordenen Schwellenländeranleihen in Frage kommen, die in US-Dollar denominiert sind. Setzt sich doch deren Rendite auf dem gestiegenen US-Zinsniveau als risikofreie Basis plus dem Bonitätsaufschlag für das Ausfallrisiko, dem Spread, zusammen. Hier erwirbt man nun einfach, so könnte man denken, diese sich am US-Zinsniveau orientierten Papiere und sichert das Währungsrisiko des US-Dollars zum Euro ab. Eine positive Rendite scheint so recht simpel wieder möglich.

Warum dies leider nicht der Fall ist, wollen wir im Folgenden darlegen: Mit dem Erwerb von zehnjährigen US-Staatsanleihen mit etwas über drei Prozent Rendite investiert man in den US-Dollar, der gegen den Euro schwankt. Das Währungspaar Euro zum US-Dollar ist das am meisten beobachtete Währungspaar der Welt und somit sehr effizient gepreist. Voraussagen über den zukünftigen Verlauf erwiesen sich trotz vieler bekannter Faktoren als nahezu unmöglich.

Es bleibt also die Unsicherheit, ob nicht ein Währungsverlust den Renditevorsprung der Anleihe wieder aufzehrt. Vor allem aber hat die Volatilität der täglichen Währungsschwankungen nichts mit einer risikolosen Geldanlage zu tun. Daher bleibt vielfach nur die dauerhafte Absicherung des Währungsrisikos. Die gängigste Methode hierzu ist, den US-Dollar-Gegenwert der gehaltenen US-Dollar-Anleihen über einen Dreimonatszeitraum auf Termin zu verkaufen und dieses sogenannte Devisentermingeschäft am Ende der Laufzeit entsprechend zu erneuern. Hier spricht man vom Rollen der Absicherung.

Der Devisenkurs, zu dem die US-Dollar in drei Monaten gegen Euro verkauft werden, heißt Forward-Preis. Der Forward-Preis wird dabei durch die Zinsdifferenz der jeweiligen Währungsmärkte, hier US-Dollar und Euro, und die sogenannte Währungsbasis bestimmt. Zunächst zur Zinsdifferenz: In der folgenden Grafik ist die Entwicklung der Zinsen für einen Anlagehorizont von drei Monaten in den Währungen US-Dollar und Euro dargestellt.

Zu sehen ist eine starke Divergenz der Zinssätze in den vergangenen drei Jahren. Aktuell sind die Werte bei über zwei Prozent im US-Dollar und weiterhin negativ im Euro. Die Zinsdifferenz ist mit aktuell 2,8 Prozent überdurchschnittlich hoch. In reibungsfreien und effizienten Märkten wäre genau dieser Wert ausreichend um den Forward-Preis und somit die Kosten einer Währungsabsicherung zu bestimmen. Es würde also auf ein Jahr gerechnet aktuell 2,8 Prozent kosten, eine bestimmte Menge US-Dollar zum Euro abzusichern.