Anlagewelt aus den Fugen Welche Renditen noch realistisch sind

Einkaufswagen vor einem Supermarkt in den USA: Nicht zuletzt durch die Konkurrenz im Online-Handel sind die Inflationsraten deutlich gesunken.  | © Getty Images

Einkaufswagen vor einem Supermarkt in den USA: Nicht zuletzt durch die Konkurrenz im Online-Handel sind die Inflationsraten deutlich gesunken. Foto: Getty Images

Im Fernsehen gibt es den schönen Begriff der werberelevanten Zielgruppe. Sie umfasst alle 14- bis 49-jährigen Zuschauer und stammt aus dem Jahr 1984, als der Sender RTL sie willkürlich erfand. Bis 1996 wuchs sie – mit kleinen Hängern – auf ihr Maximum von 41,5 Millionen Menschen. Die Fernsehwelt war in Ordnung, die Wirtschaft brummte. Doch das änderte sich, denn seitdem schrumpft die Zielgruppe. Ende 2018 lag sie bei 35,6 Millionen Zuschauern. Inzwischen weicht RTL das Konzept auf.

So wie es eine werberelevante Zielgruppe gibt, so gibt es auch eine wirtschaftsrelevante. Grob umrissen könnte das die arbeitende Bevölkerung der 20- bis 67-Jährigen sein. Die Gruppe wird zwar noch nicht kleiner, aber sie stagniert. Und wenn die Babyboomer in Rente gehen, wird sie auch schrumpfen.

Und das ist in allen Industrienationen ähnlich. Frauen mit Selbstbewusstsein, moderne Verhütungsmethoden und staatliche Nachlässigkeiten in der Familienpolitik haben die Geburtenraten einbrechen lassen. Forscher erwarten, dass auch der weltweite Bevölkerungsboom bald nachlässt und sich sogar umkehrt.

Das hinterlässt Spuren in so ziemlich allem, was mit Geldanlage, Investitionen und Wirtschaft zusammenhängt. Reinhard Pfingsten kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als auf Aktien noch eine Renditeprognose von 8 bis 12 Prozent stand. „Das war vor vielleicht 20 Jahren, heute gehen wir für die kommenden zehn Jahre von knapp 7 Prozent aus“, so der Investmentchef der Bethmann Bank. Ein klarer Tribut an die neue Renditewelt, in der die Brötchen ein gutes Stück kleiner sind als früher. Pensionsfonds, Vermögensverwalter und nicht zuletzt Anleger selbst senken die Renditen, die sie sich von Geldanlagen erhoffen. Und wenn nicht, dann sollten sie das schleunigst tun.

So befragte die Fondsgesellschaft Amundi Pensionsfonds mit festem Auszahlprofil (Defined Benefit) danach, wie gut sie mit Geld ausgestattet seien und welche Renditen sie veranschlagen (siehe Kasten). Immerhin jeder zweite ist fast komplett mit Guthaben unterfüttert, und 64 Prozent haben ihre Renditehoffnungen unter 5 Prozent geschraubt. Da lässt sich schon ein gewisser Anflug von Realismus erkennen. Was ist aber mit jenen 5 Prozent der Pensionsfonds, die weiterhin Renditen von über 8 Prozent anpeilen? Wie soll das denn gehen?