Anlagestrategie Feste Erträge trotz Zinsflaute

Peter Scharl, Head of iShares Sales Germany, Austria, Eastern Europe

Peter Scharl, Head of iShares Sales Germany, Austria, Eastern Europe

Kein Ende in Sicht: Das niedrige Zinsniveau belastet einkommensorientierte Anleger schon seit längerem und wird es wohl auch noch eine ganze Weile tun. Die niedrigen Zinsen sorgen dafür, dass Investments in klassische Anleihen wenig lukrativ sind. Um dennoch ein bestimmtes Ertragsziel zu erreichen, müssen höhere Risiken eingegangen werden. Abseits der traditionellen festverzinslichen Anlagen wie Staatsanleihen, finden ertragsorientierte Investoren bessere Chancen bei Anleihen aus den Emerging Markets, Dividendenaktien, Infrastruktur oder Immobilien, die über Real Estate Investment Trusts, so genannten REITs, erschlossen werden können.

Was sich in der Theorie leicht anhört, stellt Anleger und Berater in der Praxis jedoch vor große Herausforderungen. Die Balance zwischen den Anlagezielen und dem akzeptierten Risikoniveau zu finden, ist die wohl schwierigste Aufgabe bei der Zusammenstellung eines Portfolios mit regelmäßigen Erträgen. So kann ein Anleger zwar ein Portfolio mit ambitionierten Renditezielen konstruieren, dabei muss er aber mit erheblichen Verlust- und Ertragsrisiken rechnen.

Andere Risiken beachten

Denn viele der Anlagen beinhalten andere Risiken als Bankeinlagen oder Bundesanleihen. Bei höher verzinsten Anleihen von Firmen oder aus den Emerging Markets zum Beispiel spielen Bonitäts- oder Wechselkursrisiken eine größere Rolle. So führt die Verschlechterung der Kreditwürdigkeit eines Emittenten zu Kursverlusten bei dessen Schuldverschreibungen. Dazu kommt, wie bei Bundesanleihen, das Zinsänderungsrisiko. Steigen die Zinsen, was angesichts der möglichen Zinswende in den USA nicht auszuschließen ist, dann führt das bei Anleihen zu Kursverlusten. Aktien wiederum haben eine viel höhere Volatilität, das heißt, deren Kurse schwanken in der Regel stärker.

Alternativ kann ein weniger riskanter Ansatz gewählt werden. In vielen Fällen müssen dann jedoch Einbußen bei der Rendite hingenommen werden. Die untenstehende Grafik zeigt beispielsweise, dass die Dividenden von Aktien relativ stabil geblieben, die Renditen von festverzinslichen Wertpapieren in den vergangenen fünf Jahren aber stark gesunken sind.
 


Diversifizierung als Schlüssel zum Erfolg

Für erfolgreiche Portfolios, die regelmäßige Erträge im gewünschten Ausmaß erzielen, müssen Anleger Risiko, Rendite, Erträge und Ertragswachstum eng aufeinander abstimmen.  Der Schlüssel dazu ist eine breite Streuung: Wegen der Diversifizierung ist das Gesamtrisiko eines Portfolios geringer als die Summe der Risiken der einzelnen Komponenten.

Für den Aufbau von Portfolios mit regelmäßigen Erträgen, die festverzinsliche Wertpapiere, Aktien und alternative Anlagen beinhalten, haben sich ETFs als effektive Bausteine erwiesen. Sie sind kostengünstige Anlageinstrumente, die zudem Vorteile wie Diversifizierung, Transparenz und Liquidität bieten. Mittlerweile steht ein breites Spektrum an geeigneten ETFs zur Verfügung. Die Mehrheit der Produkte ist den zwei bedeutenden Anlageklassen, Anleihen und Aktien, zuzuordnen. Zu den Aktien-ETFs gehören auch zahlreiche alternative Einkommensquellen, wie zum Beispiel Immobilien und Infrastruktur. In diese wird über börsennotierte Unternehmen aus den jeweiligen Branchen investiert.
Mit ETFs lassen sich unterschiedliche Anlageklassen leicht mischen und spezielle Strategien, zum Beispiel mit Dividenden-ETFs oder ETFs auf Anleihen mit sehr kurzer Restlaufzeit, umsetzen. Durch die entsprechende Auswahl und Gewichtung der einzelnen Anlageklassen, kann der Berater dann ein Portfolio bauen, dass den individuellen Ertragszielen und der individuellen Risikoneigung des Anlegers Rechnung trägt.

Auswahlprozess in vier Stufen

Um das Ziel, attraktive, laufende Erträge zu erreichen, ist ein vierstufiger Prozess nötig. Dieser besteht aus der Definition von Anlagezielen, der Festlegung auf ein Anlageuniversum, der Gewichtung der verschiedenen Indizes und der Überprüfung und regelmäßigen Anpassung des Portfolios. Gerade der letzte Punkt ist mitentscheidend: Denn nur abwarten, reicht nicht mehr. Um über die vergangenen fünf Jahre ein bestimmtes Renditeziel zu erreichen, hätten Anleger ihr Anlagespektrum erweitern und ein höheres Risiko eingehen müssen.

Klar ist aber auch: Festverzinsliche Anlagen werden auch weiterhin einen wichtigen Bestandteil eines langfristigen und auf laufende Erträge ausgerichteten Portfolios ausmachen. Sie sind die traditionellen Anlagevehikel, um regelmäßige Erträge aus einem Anlageportfolio zu erzielen.

>>Wie Anleihen-ETFs den Kern eines diversifizierten Ertragsportfolios bilden können?