Anlagemöglichkeiten Investoren sollten die Auswirkungen des Klimawandels verstehen

Trockenes Flussbett am Rhein: Unternehmen, die ihre Abhängigkeit von klimawandelgefährdeten Ressourcen reduzieren, sind besser positioniert als Mitbewerber. | © Getty Images

Trockenes Flussbett am Rhein: Unternehmen, die ihre Abhängigkeit von klimawandelgefährdeten Ressourcen reduzieren, sind besser positioniert als Mitbewerber. Foto: Getty Images

Obwohl das Tempo, mit der der Klimawandel voranschreitet, Gegenstand einiger Debatten ist, scheint die Richtung klar: Wir steuern auf eine heißere, trockenere Welt zu, mit häufigeren extremen Wetterereignissen. Das wird Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche haben, und auch in der Vermögensverwaltung wird man sich auf Veränderungen einstellen müssen.

Als Investor ist es unsere Aufgabe, die Zukunft vorherzusagen. Das bedeutet auch, dass wir gezwungen sind, ein tieferes Verständnis für den wachsenden Forschungsumfang zu entwickeln, der die Schnittstelle zwischen Finanzinformationen aus den Unternehmen und den Klimawissenschaften bildet. Nur so bekommen wir ein solides Bild der zukünftigen Risiken und Chancen von Unternehmen.

Unternehmen beteiligen sich bereits an Umweltinitiativen

Die Herausforderung besteht darin, Unternehmen zu finden, die sich für die Zukunft mit dem Klimawandel am besten aufgestellt haben. Die gute Nachricht lautet, dass viele Unternehmen bei Umweltinitiativen die Führung übernehmen – nicht, weil sie dazu aufgefordert werden, sondern weil sie davon ausgehen, dass dies der beste Weg ist, ihr Unternehmen erfolgreich zu positionieren.

So kann die proaktive Bewältigung klimabedingter Herausforderungen dazu beitragen, dass Kosten in Zukunft gesenkt und neue Kunden hinzugewonnen werden – alles mit dem klaren Ziel, die Erträge zu steigern. Wichtig ist aber, dass die Unternehmen sich dafür entscheiden, sich weiter zu entwickeln, bevor eventuelle Änderungen von Vorschriften oder Technologien die Firmen möglicherweise in die Enge treiben.

Eine ressourcenschonende Produktion senkt auch Betriebskosten

Ein Beispiel ist Wasser: Erhöhtes Risiko von Wasserstress, steigende Wassertemperaturen, Salzwasserkontamination, Überschwemmungen und Dürren sind nur einige der Folgen des Klimawandels. Unternehmen, die neue Technologien zur Wassereinsparung, Filtration, Abwasserbehandlung, Entsalzung und Wasserrückgewinnung entwickeln, haben allen Grund zu der Annahme, dass die Nachfrage nach ihren Produkten mit der Zeit steigen wird.

So sind Unternehmen mit einem stark wasserabhängigen Geschäftsbetrieb, die heute aktive Schritte zur Reduzierung ihrer Wasserabhängigkeit unternehmen, besser positioniert als langsamer agierende Mitbewerber. Darüber hinaus dürften diese Firmen auch die Nachfrage nach „grünen“ Produkten und Dienstleistungen erhöhen, da sie eventuell selbst Kunden dieser Unternehmen werden. Eine effizientere Wassernutzung sollte zudem zu niedrigeren Betriebskosten führen und diesen Unternehmen einen wichtigen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Doch auch Risiken in Gebieten, die von schweren Wasserproblemen betroffen sind, spielen eine wichtige Rolle. Wenn ein Lieferant an einem Ort ansässig ist, der zunehmend von schweren Überschwemmungen heimgesucht wird, die zu Produktionsunterbrechungen führen, kann das Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette haben. Auch Dürren können für höhere Kosten sorgen, zum Beispiel bei Unternehmen, die Agrarrohstoffe als Produktionsmittel verwenden. Diese physischen Risiken führen also direkt zu höheren Kosten für Unternehmen und letztlich für die Verbraucher.

Die genauen Folgen des Klimawandels sind noch nicht absehbar

Indem man Unternehmen unter dem Blickwinkel des Klimaschutzes betrachtet, kann man die traditionelle, auf der Bilanzanalyse basierende Investmentansicht ergänzen und die proaktiven Schritte der Firmen berücksichtigen: So erhält man eine differenziertere Bewertung des fairen Wertes und des zukünftigen Ertragspotenzials einer Firma. Da jede Branche in irgendeiner Weise vom Klimawandel betroffen sein wird, ist es wichtiger denn je, dass Investoren die jeweiligen Auswirkungen durchdenken und verstehen, wo die zukünftige Nachfrage nach Produkten liegen wird und wie sich Risiken auf das Ökosystem globaler Unternehmen auswirken.

Wie wir am besten alle gemeinsam gegen den Klimawandel vorgehen, sowie Ausmaß, Zeitpunkt und Ausformung seiner Auswirkungen auf die Umwelt, bleibt abzuwarten. Wir wissen jedoch: Es wird Unternehmen geben, die als Gewinner hervorgehen. Und andere, die verlieren werden. Wer diese Realität ignoriert, übersieht eine der wichtigsten Anlagefragen unserer Zeit.