Anlageklasse Wald Investoren sollten bei der Standortwahl flexibel sein

Jasper Renk (li.) und Nils von Schmidt: Die Spezialisten für Investitionen in die Anlageklasse Wald zeigen in ihrem Beitrag auf, worauf Investoren besonders achten sollten.   | © Aquila, Colliers International

Jasper Renk (li.) und Nils von Schmidt: Die Spezialisten für Investitionen in die Anlageklasse Wald zeigen in ihrem Beitrag auf, worauf Investoren besonders achten sollten. Foto: Aquila, Colliers International

Dem Klimawandel kann auf mehreren Wegen begegnet werden: In erster Linie wird das Klimarisiko durch den Standort beeinflusst, in zweiter Linie durch Art und Form der Bewirtschaftung. Ein deutscher Forstbetrieb hat keine Möglichkeiten, seinen Standort zu verändern, muss also mit positiven wie negativen Gegebenheiten arbeiten und wird in der Regel versuchen, das Produktionsrisiko zu senken.

Das kann zum Beispiel über eine größere Naturnähe des waldbaulichen Konzeptes (oft ist aber bereits ein relativ hohes Maß vorhanden), kürzere Produktionszeiträume mit schneller wachsenden Baumarten und durch einen Wechsel der Baumarten hin zu stresstoleranteren, zum Teil auch fremdländischen Baumarten erreicht werden. Diese Maßnahmen werden in Deutschland seit langem diskutiert und im staatlichen wie privaten Wald auch teilweise angewendet, eine vollständige Umstellung des Waldbauregimes, also der Produktionsform, kann dennoch mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Für Waldbesitzer und Investoren besteht daneben jedoch die Möglichkeit, einen Teil des Betriebes ins Ausland zu verlegen beziehungsweise im Ausland zu investieren. Bei einer Verlagerung des Betriebs in einen EU-Mitgliedstaat lassen sich meist auch die steuerlichen Vorteile der Betriebsnachfolge oder der Reinvestition erhalten. 

Der Klimawandel hat auch positive Auswirkungen 

Unter Beachtung des Klimarisikos gibt es einige Länder, die voraussichtlich weniger von klimabedingten Waldschäden bedroht sind oder in denen der Klimawandel sogar positive Auswirkungen haben kann. Im europäischen Ausland fallen in dieser Hinsicht zum Beispiel Finnland und Schottland auf. In beiden Ländern verlängert sich die durchschnittliche jährliche Vegetationsperiode durch den Klimawandel, wodurch der sogenannte Holzzuwachs pro Jahr und Flächeneinheit, also der wesentliche Renditefaktor, zunimmt. 

Zwar bestehen auch in diesen Ländern Produktionsrisiken, jedoch in weit geringerem Maße als in Deutschland. Nachdem also ein ausländischer Investitionsstandort auf Basis wissenschaftlich fundierter Klimawandelprognosen ausgewählt wurde, muss dem Mikrostandort einer Waldfläche Beachtung geschenkt werden. Es ist beispielsweise wenig sinnvoll, eine Waldfläche an einem exponierten Standort der schottischen Westküste zu erwerben, weil die Fläche hohen Windgeschwindigkeiten und einem entsprechend hohen Windwurfrisiko ausgesetzt ist. 

Stattdessen sollte man ein Objekt auswählen, das weiter landeinwärts und vorzugsweise in einem Tal liegt, wo auch Wasser- und Nährstoffversorgung in der Regel besser sind. Durch diese Flexibilität in der Standortwahl lassen sich bereits vor der Investition viele wichtige Risikoaspekte effektiv verringern.

Im europäischen Ausland bieten sich drei Regionen an

Die jährlichen Renditen der deutschen Forstwirtschaft liegen zu normalen Zeiten zwischen 0,5 und 2,0 Prozent. In der aktuellen Situation, die geprägt ist von massiven Waldschäden und extrem niedrigen Holzpreisen, ist in Deutschland keine operative Rendite mehr möglich – sie wird zu einem sehr langfristigen Ziel.  Im europäischen Ausland bieten sich vor allem drei Regionen an: Skandinavien, Osteuropa und die britisch-irischen Inseln. Alle drei Regionen haben gemeinsam, dass die durchschnittliche Bevölkerungsdichte im ländlichen Raum sehr viel niedriger ist als in Deutschland. Dies wirkt sich auf die Preise für Waldflächen aus, die in Deutschland um den Faktor drei bis fünf höher liegen.