Anlagechancen in Europa „Unternehmen müssen ihr eigenes Schicksal steuern können“

Henrik Husted Knudsen, Chefportfolioberater bei Danske Invest

Henrik Husted Knudsen, Chefportfolioberater bei Danske Invest

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2016 war für Aktienanleger bisher ein schwieriges Jahr. Seit dem Einbruch im Januar und Februar haben sich die Märkte zwar wieder erholt, aber für Anleger war die Entwicklung seither immer noch kein Zuckerschlecken. Betrachtet man den europäischen Referenzindex Eurostoxx 50, haben Aktien aus der Eurozone insgesamt 8,5 Prozent verloren. 
Die Berichtssaison für das erste Quartal ist vorüber und die Geschäftsberichte der großen europäischen Unternehmen bieten keinen angenehmen Lesestoff.

Im Vergleich zum Vorjahr fielen die Erträge der großen börsennotierten Unternehmen aus der Eurozone durchschnittlich 19 Prozent niedriger aus. Wir registrierten jedoch starke Unterschiede auf der Branchenebene. So legten vor allem Konsumgüterproduzenten solide Ergebnisse vor, während das Resümee für die Energie- und Finanzbranchen schlecht ausfiel.

Positive Aussichten für europäischen Konsum

Wir sind der Ansicht, dass es den Verbrauchern grundsätzlich gut geht – und das gilt für ganz Europa.

Wenn man Deutschland betrachtet, hatten noch nie so viele Menschen einen Job und die Zinsen waren noch nie so niedrig wie jetzt. Die Energiepreise sind ebenfalls günstig, wodurch die Verbraucher mehr Geld zur Verfügung haben. Es ist also wahrscheinlich, dass sich konsumorientierte Unternehmen auch künftig gut entwickeln werden – insbesondere diejenigen, die sich auf den europäischen Binnenkonsum konzentrieren.

Deshalb haben wir im europäischen Aktienteam schon lange einige der Unternehmen mit Schwerpunkt auf die Konsumgüterbranche in den Portfolios, jedoch nicht so viele rohstoffbezogene Firmen.

Bestimmte Unternehmenstypen im Fokus

Insgesamt konzentrieren wir uns momentan auf eine besondere Kategorie europäischer Unternehmen. In den kommenden Jahren wird das Marktumfeld für ein Gewinnwachstum für Gesellschaften aus der Eurozone höchstwahrscheinlich nicht sonderlich förderlich sein. Deshalb muss man Firmen aufspüren, die ihre Ergebnisse unabhängig vom europäischen und globalen Marktumfeld steigern – und somit ihr eigenes Schicksal steuern können.

Durch die Schaffung von Synergieeffekten können Unternehmen von innen heraus Verbesserungen erzielen und somit ihre Erträge auch ohne einen Ausbau der Umsätze steigern. Das sind oft solche Firmen, die eine Plattform aufgebaut haben und über den Erwerb anderer Unternehmen wachsen oder mithilfe von Umstrukturierungen Kosten einsparen und damit die Gewinne erhöhen.

Unternehmen mit optimierter Lieferkette

Ein Beispiel für ein Unternehmen, das auf diese Weise sein eigenes Schicksal in die Hand genommen hat, ist die deutsche Firma Henkel, die Produkte im Bereich Schönheitspflege und Reinigungsmittel herstellt.

Die Herstellung der verschiedenen Produkte innerhalb des Unternehmens basiert großenteils auf den gleichen Rohstoffen. Aus diesem Grund hat Henkel in den letzten Jahren in die Optimierung seiner Lieferkette investiert und viel Aufwand betrieben, um über die verschiedenen Geschäftsbereiche Synergien im Einkauf zu schaffen. Diese Strategie geht nun auf, und Henkel beginnt die Früchte seiner Arbeit zu ernten.

Auch wenn wir in den kommenden Jahren keine hohe Umsatzsteigerung erwarten, rechnen wir doch mit einem ansehnlichen Gewinnwachstum. Denn größere Synergien innerhalb der Firma können die Kosten senken und damit den Gesamtgewinn erhöhen.

Attraktiver Brillenmarkt

Die niederländische Optikerkette Grandvision ist ebenfalls ein Unternehmen, das über Umstrukturierungen seine Gewinne steigern kann. Grandvision hat in den letzten 10 bis 15 Jahren weltweit Optikerketten aufgekauft, darunter den Anbieter Synoptik. In den letzten drei bis vier Jahren hat der Brillenhersteller daran gearbeitet, eine homogene Plattform über alle Ladengeschäfte in den verschiedenen Ländern zu schaffen.

Grandvision ist gut positioniert, da die homogene Plattform einen kollektiven Kaufvertrag mit Brillenglasherstellern über die verschiedenen Optikermarken des Konzerns hinweg ermöglicht. Zudem hat das Unternehmen noch einige andere Initiativen ergriffen, um das Geschäft zu rationalisieren.

Grandvision kauft nach wie vor andere Unternehmen auf. Das Potenzial, das durch die Integration der neuen Übernahmekandidaten in die globale Plattform und Wertschöpfungskette entsteht, ist so groß, dass die Gewinne stärker wachsen können als der Umsatz. Wir bewerten den Brillenmarkt grundsätzlich als attraktiv, da die Bevölkerung in Europa und anderen Teilen der Welt aufgrund des demographischen Wandels immer älter wird.