Goldman Sachs im Zwiespalt Analysten senken Wachstumsprognose für Russland

Russlands Umgang mit der Krim hat den Job von Goldman Sachs Group, das Image des Landes bei Investoren zu verbessern, recht knifflig gemacht. Die eigenen Analysten der Bank senkten am Donnerstag die Wachstumsprognose für Russland - unter dem Hinweis, dass die Krise Unternehmen dazu veranlassen wird, Investitionen zu verschieben.

Goldman Sachs hatte vor einem Jahr eine Vereinbarung mit einer Laufzeit von drei Jahren unterschrieben, der zufolge die Bank beim Anlocken ausländischen Kapitals beraten soll. Konkret wurde der Vertrag mit dem russischen Wirtschaftsministerium und dem Russian Direct Investment Fund geschlossen. Die Bank soll demnach helfen, Entscheidungen der Regierung zu kommunizieren und Treffen mit Investoren anzusetzen. Das sagte seinerzeit Sergej Arsenjew, Managing Director für Investmentbanking bei Goldman in Moskau.

„Wir glauben, die Bewertungen in Russland bleiben sehr attraktiv. Und es gibt interessante Chancen für Investoren auf der öffentlichen und auf der privaten Seite”, erklärte Arsenjew noch im vergangenen Jahr.

Am Donnerstag nun entschieden sich die Analysten im eigenen Haus dazu, die Wachstumsprognose für Russland für 2014 auf 1 Prozent nach unten zu korrigieren - nach zuvor 3 Prozent. Sie folgten damit auf ähnliche Entscheidungen von Citigroup und Bank of America Corp.

Die Volkswirte von Goldman Sachs erklärten bei ihrer Entscheidung, dass die „direkten Auswirkungen” der Ukraine- Krise auf die russische Wirtschaft wahrscheinlich begrenzt sein würden. Doch die Auseinandersetzung dürfte das Wachstum aufgrund eines verlorengegangenen Vertrauens unter Wirtschaftsmanagern abwürgen, hieß es.

Die Prognose trug mit zu einem Ausverkauf russischer Aktien bei. Dieser begann, als der Kreml vor rund zwei Wochen Soldaten auf die Krim schickte, um die Kontrolle über diesen Teil der Ukraine zu übernehmen.

„Diese Ereignisse werden das wirtschaftliche Wachstum von Russland verlangsamen”, sagte Walter „Bucky” Hellwig, der bei der Verwaltung von 17 Milliarden Dollar bei BB&T Wealth Management in Alabama hilft, in einem Interview mit Bloomberg News. „Der Markt wird getrieben von der Angst vor einer weiteren Eskalation in diesem Konflikt und Angst vor Sanktionen”, welche die USA und Europa gegen Russland einführen könnten.

Tom Blackwell, ein Sprecher von Goldman Sachs in Moskau, wollte keinen Kommentar abgegeben, als Bloomberg News ihn per Telefon erreichte.

„Auf der einen Seite, bewerben sie Russland. Und auf der anderen Seite, senken sie die Wachstumsprognose ab. Aber es gibt eben eine Art chinesische Mauer zwischen den verschiedenen Abteilungen einer Investmentbank wie Goldman Sachs”, sagte Timothy Ghriskey, Investmentchef bei Solaris Asset Management in New York. Die Firma verwaltet rund 1,5 Milliarden Dollar. „Unterschiedliche Teile innerhalb desselben Unternehmens haben unterschiedliche Meinungen. Davon profitieren Investoren, da sie eine unvoreingenommene Meinung wollen.”

Der russische Leitindex Micex ist in diesem Jahr bislang um etwa 15 Prozent gefallen.

„Die Investoren verkaufen wie verrückt”, sagte Analyst Boris Vilidnitsky von Barclays Ende vergangener Woche in einem Interview mit Bloomberg News. „Die politischen Risiken im Zusammenspiel mit Prognosen zu einem langsameren Wachstum der Wirtschaft und Sorgen über Sanktionen gegen Russland überschatten derzeit alles andere.”

In 2013 war die 2 Billionen Dollar schwere Volkswirtschaft weniger als halb so schnell gewachsen wie im Vorjahr - es war das geringste Tempo seit der Rezession von 2009.

Bank of America senkte in diesem Monat die Prognose für den Anstieg des russischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in 2014 von 1,7 Prozent auf 1,4 Prozent. Parallel korrigierte Citigroup die Erwartungen von 2,6 Prozent auf 1 Prozent nach unten.