Ob Fluggesellschaft, Chemiekonzern oder Portfoliomanager: Der Ölpreis in zwölf Monaten ist für viele Akteure eine strategisch relevante Größe. Als Orientierung dienen häufig die Terminmärkte. Doch wie gut bilden Öl-Futures die tatsächliche Preisentwicklung ab? Dieser Frage ist Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege beim Multi Family Office HQ Trust, empirisch nachgegangen.
Kielkopf untersuchte das Verhältnis zwischen dem Preis eines WTI-Öl-Futures mit zwölf Monaten Laufzeit und dem jeweils aktuellen Kassapreis. Liegt der Future über dem Kassapreis, erwartet der Markt tendenziell steigende Ölpreise – liegt er darunter, sinkende. Im zweiten Schritt verglich er diese Markterwartung mit der tatsächlichen Ölpreisentwicklung zwölf Monate später. Die Analyse umfasst Daten von Dezember 1983 bis Juni 2026.
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Terminmärkte unterschätzen den Ölpreisanstieg systematisch
„Am Terminmarkt wird im Durchschnitt mit leicht fallenden Ölpreisen gerechnet“, erklärt Kielkopf. Über den gesamten Untersuchungszeitraum lag der Preis des Zwölf-Monats-Futures im Mittel 2,1 Prozent unter dem Kassapreis. Die Realität war aber eine andere: Der Ölpreis stieg zwölf Monate später im Schnitt um 7,8 Prozent. Die künftige Preisentwicklung wurde vom Markt also meist unterschätzt.
Gleichzeitig ist die Streuung der Ergebnisse erheblich. Bei ähnlichen Markterwartungen fielen die tatsächlichen Preisbewegungen in der Vergangenheit teils völlig unterschiedlich aus. Eine präzise Prognose liefern die Futures demnach nicht.
Richtungssignal ja – Punktlandung nein
Dennoch hält Kielkopf die Terminmärkte nicht für wertlos. „Die Futures-Märkte sind keine Kristallkugel, aber sie liefern durchaus Hinweise auf die zukünftige Richtung des Ölpreises“, fasst er zusammen. In der Tendenz geben die Terminmärkte die Richtung also vor – nur eben nicht den genauen Wert.
Besonders aufschlussreich sind die Preisunterschiede an Extrempunkten: In Ölpreisschocks liegen Futures häufig deutlich unter dem Kassapreis. In Rezessionsphasen mit stark gefallenen Kassapreisen hingegen darüber, was laut Kielkopf oft ein Signal für baldige Wendepunkte ist.
Konsequenzen für Unternehmen und Investoren
Für Unternehmen mit hohem Ölverbrauch – etwa Fluggesellschaften – sind Futures ein zentrales Instrument zur Preisplanung und ein wesentlicher Bestandteil der Geschäftsstrategie. Rückblickend hätte es sich ausgezahlt, den Ölpreis frühzeitig über den Terminmarkt zu sichern: Da die tatsächliche Preisentwicklung die Erwartungen im Mittel deutlich übertraf, wäre eine frühe Absicherung im Schnitt günstiger gewesen als das Abwarten.
Für Investoren gilt: Die Preisunterschiede zwischen Future und Kassapreis sind vor allem an Extrempunkten informativ. Als verlässliches Instrument für genaue Kursziele taugen die Terminmärkte jedoch nicht.