Die USA stellen rund zwei Drittel der weltweiten Börsenkapitalisierung. Dieser hohe Anteil ist jedoch kein historisches Novum, wie eine Analyse von HQ Trust zeigt. Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst des Multi Family Office, untersuchte die Entwicklung der Börsenwerte der wichtigsten Anlageregionen über mehr als 70 Jahre – von Januar 1950 bis Juli 2025.
Das Ergebnis: Zwischen 1950 und 1970 lag der US-Anteil über weite Strecken auf ähnlich hohem, teilweise sogar höherem Niveau. In der Spitze erreichte er 71,7 Prozent. „Die Dominanz der USA am globalen Aktienmarkt ist kein neues Phänomen – sie reicht weit zurück“, betont Kielkopf.
Japan überholte die USA nur kurzzeitig
Sieht man von einer kurzen Phase Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre ab, in der japanische Aktien den höchsten Börsenwert hatten, rangierten US-Unternehmen immer an der Spitze der Länder und Regionen. Diese Dominanz sei auch durch die Unternehmensgewinne gerechtfertigt: Im untersuchten Zeitraum lagen US-Firmen stets auf Platz eins. Aktuell beträgt ihr Anteil an den globalen Unternehmensgewinnen rund 52,5 Prozent.
Europa und Japan verlieren massiv an Bedeutung
Die anderen Regionen entwickelten sich dagegen weniger positiv. Besonders drastisch fiel der Bedeutungsverlust Europas aus: Um die Jahrtausendwende lag der Anteil europäischer Aktien am globalen Börsenwert noch oberhalb von 30 Prozent. Heute sind es weniger als 15 Prozent.
Japan traf es noch härter: Aus den 43,8 Prozent von 1988 wurden nur noch 4,9 Prozent. Die Schwellenländer konnten trotz deutlichen Anstiegs ihren Anteil an der globalen Marktkapitalisierung im Verhältnis zu ihrem Anteil am Welt-BIP nicht entsprechend steigern – vor allem wegen höherer politischer Risiken, so die Analyse.
Taktische Untergewichtung sollte nur von kurzer Dauer sein
Wie bewertet HQ Trust die aktuelle Situation? Investmentchef Christian Subbe sieht die USA kurzfristig kritisch: „Protektionistische Tendenzen, fiskalische Risiken und hohe Bewertung sprechen für eine taktische Untergewichtung der USA.“ Eine solche Positionierung reduziere gleichzeitig das direkte Währungsrisiko gegenüber dem US-Dollar.
Langfristig rät HQ Trust jedoch weiterhin zu einer substanziellen US-Allokation. „Eine dauerhafte Untergewichtung birgt ein strukturelles Performance-Risiko“, warnt Subbe. Die USA verfügten über strukturelle Vorteile wie Technologieführerschaft, Investitionsstärke und global aufgestellte Unternehmen. Zudem trieben US-Firmen zentrale Megatrends voran – unverzichtbar für langfristig orientierte Investoren.