Geopolitische Krisen, Zollschocks, Rezessionsangst – die vergangenen zehn Jahre haben Anlegernerven strapaziert. Wer sich von den Schlagzeilen treiben ließ, hat womöglich das Wesentliche verpasst: Der weltweite Aktienmarkt hat sich seit 2016 trotz aller Verwerfungen verdreifacht. Das zeigt eine Auswertung von Timo Klett und Martin Möller, Co-Heads des Bereichs Institutional beim Multi Family Office HQ Trust.
Mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig
Die aktuelle Lage sei alles andere als entspannt. „Wir befinden uns in einer Phase, in der mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig wirken: Geopolitische Risiken, Unsicherheiten rund um Inflation und Zinsen sowie gestiegene Finanzierungskosten“, sagt Möller. Jeder dieser Faktoren für sich genommen könne schon dazu führen, dass Investoren ihre Positionen hinterfragten.
Das Problem dabei: Wer täglich auf Schlagzeilen reagiert, verliere schnell den Blick für langfristige Trends. Der MSCI ACWI habe sich zwischen Anfang 2016 und Mai 2026 trotz Brexit, Corona-Crash und Ukraine-Krieg verdreifacht. Auch andere Anlageklassen hätten in diesem Zeitraum deutlich zulegen können.
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Geopolitik einplanen, nicht fürchten
Die Lehre daraus sei nicht, Risiken zu ignorieren – sondern sie in die Portfolio-Struktur einzupreisen. Möller zufolge kommt es darauf an, das Portfolio so aufzustellen, dass kein einzelnes Szenario existenzielle Schäden anrichten kann. Diversifikation wirke dabei wie ein Stoßdämpfer: Wenn Allokation und Risikomanagement stimmten, verlören einzelne Fehlentscheidungen an Gewicht.
Die richtigen Fragen stellen
Was konkret zu tun ist, erklärt Klett: „Von großer Bedeutung ist, dass die Kapitalanlagestruktur, die Prozesse, die Diversifikationspotenziale und die Risikotreiber eines Portfolios regelmäßig analysiert werden.“ Dabei seien die richtigen Fragen entscheidend – Klett benennt sie konkret: „Passt die strategische Asset-Allokation zu meiner Risikotragfähigkeit? Ist die Gesamtallokation breit diversifiziert? Sind meine Anlage- und Risikomanagementprozesse klar strukturiert? Gibt es Klumpenrisiken? Das sind die Stellschrauben, an denen man drehen kann und sollte.“
Wenn die Prozesse stimmten und das Portfolio breit aufgestellt sei, verlören auch einzelne Investitionen, die sich im Nachhinein als falsch erwiesen, an Bedeutung – ohne das Gesamtergebnis entscheidend zu gefährden. Die Prüfung einzelner Investments bleibe gleichwohl wichtig. Sie sollte aber Teil eines strukturierten Investitions- und Risikomanagementprozesses sein – und nicht die Reaktion auf den nächsten Nachrichtenticker.