Analyse von HQ Trust Was taugt das Vorjahr als Indikator für die Börse?

Pascal Kielkopf von HQ Trust.

Pascal Kielkopf von HQ Trust: „Die Performance des Vorjahres ist kein verlässlicher Indikator für das kommende Jahr.“ Bildquelle: HQ Trust

Viele Anleger suchen im vergangenen Börsenjahr nach Hinweisen für das kommende. War das letzte Jahr stark, erwarten sie eine Fortsetzung. War es schwach, hoffen sie auf Erholung. Doch ein Blick auf ein Jahrhundert Börsengeschichte zeigt: Die Märkte kümmern sich wenig um ihre eigene Vergangenheit.

Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst des Multi Family Office HQ Trust, untersuchte die Wertentwicklung des US-Aktienindex S&P 500 über einen Zeitraum von 100 Jahren. Gemessen wurde die Gesamtrendite in US-Dollar, also inklusive Dividenden – von 1925 bis 2025.

HQ-Trust-Analyse zu Performance des S&P 500
Bildquelle: HQ Trust

Mittelmäßige Vorjahre bringen die besten Folgejahre

Um mögliche Muster zu erkennen, teilte Kielkopf die Anlagejahre nach ihrer Vorjahresrendite in fünf gleich große Gruppen ein: von besonders schwachen Börsenjahren bis hin zu außergewöhnlich starken. Anschließend analysierte der Experte, wie sich der Markt jeweils im Folgejahr entwickelt hat.

Das Ergebnis überrascht: Die höchste durchschnittliche Rendite im Folgejahr lag bei 17,1 Prozent – und zwar nach mittelmäßigen Vorjahren mit leicht negativem bis leicht positivem Verlauf. „Die Performance des Vorjahres ist kein verlässlicher Indikator für das kommende Jahr“, fasst Kielkopf zusammen.

 

Besonders deutlich wird das nach starken Börsenjahren. Denn nach diesen lag die Rendite des Folgejahres im Schnitt bei nur 7,3 Prozent. Starke Vorjahre sind demnach kein Garant für neue Höhenflüge.

Schwache Jahre führen nicht zu starken Gegenbewegungen

Auch deutliche Gegenbewegungen gab es nicht: Nach sehr schwachen Jahren lag die Folgejahresrendite im Schnitt bei nur 6,3 Prozent – das schlechteste Ergebnis aller fünf Gruppen.

Zwar unterscheiden sich die Mittelwerte der einzelnen Gruppen, doch die Streuung innerhalb jeder Kategorie ist enorm. In allen fünf Gruppen reicht die Spannbreite von deutlichen Verlusten bis hin zu kräftigen Gewinnen. Vor allem nach besonders guten und schlechten Jahren bleibt die Schwankungsbreite auch im Jahr darauf oft erhöht.

Was Anleger beachten sollten

Kielkopf weist darauf hin, dass die 100-Jahres-Analyse auf US-Dollar-Werten basiert. Für Euro-Anleger kann die tatsächliche Rendite wegen der Wechselkurse durchaus abweichen.

Seine Einschätzung für Anleger: „Wer auf kurzfristige Muster setzt und seine Strategie vom Vorjahr abhängig macht, handelt eher emotional als rational.“ Die breite Streuung der Renditen zeige, dass die Börse sich nicht an einfache Regeln hält.

Statt auf Rückblicke zu setzen, lohnt sich laut Kielkopf ein langfristiger Blick – und eine robuste Strategie, die auch ohne Kristallkugel funktioniert.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen