Viele Anleger glauben, durch geschicktes Timing den Markt schlagen zu können. Die einen kaufen nach Kursanstiegen, weil sie auf das Momentum setzen. Die anderen kaufen nach Verlusten, um von einer Gegenbewegung zu profitieren. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch: Es gibt keinen messbaren Zusammenhang zwischen der Rendite zweier aufeinanderfolgender Börsentage.
Das Multi Family Office HQ Trust hat dennoch durchgerechnet, was passiert wäre, wenn Anleger solche Muster auf Tagesbasis umgesetzt hätten. Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, simulierte dafür zwei Strategien über mehr als 30 Jahre: von Anfang 1993 bis Ende November 2025.
Trendfolger gegen Contrarian
Anleger A, der Trendfolger, investiert immer dann in den marktbreiten US-Aktienindex S&P 500, wenn die Kurse am Vortag gestiegen sind. Anleger B, der Contrarian, macht das Gegenteil: Er kauft jedes Mal, wenn der Index am Vortag im Minus schloss. Als Vergleich diente eine klassische Buy-and-Hold-Strategie, bei der Investoren dauerhaft investiert bleiben.
Das Ergebnis: Der Contrarian schnitt in der Rückrechnung deutlich besser ab als der Trendfolger. Wer immer nach negativen Vortagen investierte, erzielte eine Wertentwicklung von rund 8,3 Prozent pro Jahr. Die Momentum-Strategie brachte dagegen nur 2,1 Prozent jährlich.
Kaufen und Halten schlägt beide Taktiken
Doch beide Taktiker verloren klar gegen die einfachste Strategie: kaufen und halten. Denn der S&P 500 legte im selben Zeitraum um 10,6 Prozent pro Jahr zu. Wer investiert blieb, machte aus seinem Vermögen das 27-Fache – trotz aller Krisen, Crashs und geopolitischen Schocks.
Kielkopf erklärt die Gründe für die Unterschiede: „Der Großteil der unterschiedlichen Wertentwicklung lässt sich vor allem dadurch erklären, dass es nach Tagen mit besonders starken Ausschlägen oft einen Rebound in die andere Richtung gibt.“ Die Schwäche der Momentum-Strategie zeige sich besonders in Krisenzeiten. Während der Finanzkrise verpasste der Trendfolger viele Erholungstage, da diese oft auf Verlusttage folgten.
Warum Timing-Strategien scheitern
„Geduld schlägt Taktik – und das mit großem Abstand“, fasst Kielkopf zusammen. Das Problem der Timing-Strategien seien die vielen Tage, an denen man nicht investiert ist. Gerade an besonders schwachen Tagen sollten Anleger nicht das Handtuch werfen, sondern dabeibleiben. Denn dann komme es überdurchschnittlich oft zu einer starken Erholung am Folgetag.
Sein Fazit für Anleger: „Wer langfristig am Aktienmarkt investieren möchte, ist mit einer breit gestreuten Strategie ohne Timing-Versuche am besten beraten.“
Ein wichtiger Hinweis: Die Analyse berücksichtigt weder Steuern noch Handelsgebühren. In der Realität würden beide Timing-Strategien noch deutlich schlechter abschneiden.