Der S&P 500 gilt als Maßstab für den US-Aktienmarkt – und hat in den vergangenen 36 Jahren durchschnittlich 10,6 Prozent pro Jahr erzielt. Doch wer glaubt, die Stars des Index seien jene Aktien mit den höchsten Kursgewinnen, irrt. Entscheidend für die Performance sind die Schwergewichte: Unternehmen mit hohem Börsenwert. Eine Analyse zeigt, wie stark Rendite und Einfluss auseinanderklaffen.
Sebastian Dörr, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, hat die monatlichen Renditen aller S&P-500-Titel seit Dezember 1989 untersucht. In jedem Monat teilte er die Aktien nach ihrem Indexgewicht in vier gleich große Gruppen ein – von den leichtesten bis zu den Schwergewichten.
Anschließend analysierte Dörr sowohl die Streuung der Einzelrenditen als auch die tatsächlichen Performancebeiträge zum Index, berechnet als Gewicht mal Rendite. Um Ausreißer nicht zu überbetonen, begrenzte er die Ergebnisse auf den Bereich zwischen dem 5. und 95. Perzentil. Alle 500 Aktien flossen in die Auswertung ein.
Kleine Aktien erzielen höhere Renditen
Über den Gesamtzeitraum erzielten die kleinsten Aktien mit durchschnittlich 1,17 Prozent pro Monat die höchsten Renditen im S&P 500. Die Schwergewichte kamen im selben Zeitraum lediglich auf 0,93 Prozent pro Monat – ein klarer Renditevorsprung zugunsten der gering gewichteten Titel.
Allerdings gingen die höheren Durchschnittsrenditen der kleineren Aktien mit einer deutlich größeren Schwankungsbreite einher. Die Verteilung der Monatsrenditen zeigt: Wer in gering gewichtete S&P-Aktien investiert, muss mit deutlich volatileren Kursen rechnen als bei den Schwergewichten.
Hohe Renditen, aber geringe Auswirkung
„Dass tendenziell die größten Aktien den Index treiben, ist für viele Investoren vermutlich keine Überraschung. Wie groß der Unterschied ist, vielleicht schon“, sagt Dörr. Hoch gewichtete Titel steuerten im Mittel 0,0055 Prozent pro Monat zur Indexperformance bei. Das ist ein Vielfaches des Beitrags kleinerer Titel.
Eine gering gewichtete Aktie trug im Mittel lediglich 0,0003 Prozent pro Monat zur Entwicklung des S&P 500 bei – trotz teils höherer Renditen.
Warum die Beiträge so klein wirken
Der Wert von 0,0003 Prozent wirkt zunächst vernachlässigbar. Tatsächlich verteilt sich der Beitrag einer einzelnen Aktie jedoch auf einen breit diversifizierten Index mit 500 Titeln – und wird zudem auf Monatsbasis gemessen.
„Die Analyse verdeutlicht: Indexperformance ist in erster Linie eine Frage der Gewichtung, nicht der höchsten Einzelrenditen“, betont Dörr. Selbst sehr erfolgreiche Aktien bewegen den Index kaum, wenn ihr Anteil gering ist. Umgekehrt können bereits moderate Kursgewinne bei Schwergewichten die Gesamtentwicklung spürbar beeinflussen.
Was Anleger beachten sollten
„Wer einen kapitalgewichteten Index verstehen oder schlagen will, sollte nicht nur auf Renditen schauen, sondern immer auch auf das zugrunde liegende Gewicht der einzelnen Titel“, rät Dörr.
Der Experte weist zudem darauf hin, dass passives Investieren auch eine aktive Entscheidung sei. Langfristig könne eine bewusste Aktienauswahl einen positiven Effekt haben – vorausgesetzt, Anleger verstehen die Mechanik dahinter.
