Analyse von HQ Trust Wandelanleihen im Langzeit-Check: Das Versprechen hält nicht

Pascal Kielkopf von HQ Trust.

Pascal Kielkopf von HQ Trust: „Gold ist kein Ersatz für Aktien oder Anleihen – und schon gar keine Garantie für stets höhere Renditen.“ Bildquelle: HQ Trust

Wandelanleihen erleben gerade einen Boom, und das nicht ohne Anlass: Im vergangenen Jahr legte der FTSE Global Convertible Index, der die Asset-Klasse abbildet, um mehr als 20 Prozent zu - und übertraf damit viele Aktienindizes. Doch lohnen sich Wandelanleihen als sehr speziell strukturierte Anlageklasse langfristig wirklich? Eine neue Analyse von HQ Trust gibt Anlass zur Skepsis.

Das macht Wandelanleihen besonders

Wandelanleihen sind Unternehmensanleihen mit einem besonderen Merkmal. Der Inhaber kann die Anleihe unter bestimmten Bedingungen in Aktien des Emittenten umwandeln. Steigt der Aktienkurs über den vorab festgelegten Wandlungspreis, kann sich diese Option lohnen. Bleibt der Aktienkurs unter der Schwelle, zahlt die Anleihe trotzdem weiter regelmäßige Kupons und wird am Ende zurückgezahlt.

Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege bei dem Multi Family Office HQ Trust, hat sich das Thema angesehen und dabei exemplarisch die Wertentwicklung des FTSE Qualified Global Convertible Index (EUR-hedged) über gut 15 Jahre zugrunde gelegt. Untersuchungszeitraum war Januar 2011 bis April 2026. Als Vergleichsmaßstab diente ein klassisches 60/40-Mischportfolio aus Aktien und Anleihen auf Basis des MSCI ACWI und des Bloomberg Global Aggregate.

 

Ergebnis: Wer auf die vermeintlich clevere Hybrid-Lösung gesetzt hat, landete am Ende genau dort, wo ein schlichtes Standardportfolio ihn auch hingebracht hätte – nur mit holprigerer Fahrt.

Gleiche Rendite, schlechteres Risikoprofil

„Bei der Rendite und dem Schwankungsrisiko gab es auf lange Sicht keinen Unterschied: In den vergangenen gut 15 Jahren erzielten globale Wandelanleihen und das 60/40-Portfolio bei einer Volatilität von 8,4 Prozent per annum eine annualisierte Rendite von 7,4 Prozent“, stellt Kielkopf fest.

Das klingt zunächst nach einer Patt-Situation. Doch beim genaueren Blick zeigen sich relative Schwächen der Wandelanleihen: „In Krisenphasen waren die Wandelanleihen anfälliger: Der maximale Verlust lag bei Wandelanleihen bei 25,9 Prozent. Das klassische 60/40-Portfolio verlor im stärksten Einbruch dagegen ‚nur‘ 21,1 Prozent“, so Kielkopf. Wer sich also von Wandelanleihen einen Schutzschild erhofft hatte, wurde eines Besseren belehrt.

Zusätzlich stellte Kielkopf fest: „Da die Korrelation zum klassischen Aktien-Renten-Portfolio bei knapp 80 Prozent liegt, ist der Diversifikationseffekt zudem relativ gering.“

Charts Wandelanleihen
Bildquelle: HQ Trust Research

Zyklisch, nicht strukturell überlegen

Die Analyse zeigt zudem ein Muster, das sich über unterschiedliche Marktzyklen wiederholt. „Schaut man auf die relative Renditeentwicklung, zeigt sich: Wandelanleihen entwickelten sich besonders stark in wachstumsgetriebenen Börsenphasen“, erklärt Kielkopf. Das galt sowohl für die Post-Covid-Rally 2020/2021 als auch für den jüngsten KI-Boom 2025/2026, der Wandelanleihen zuletzt wieder in die Schlagzeilen gebracht hat.

Doch auf Überfliegerphasen folgten regelmäßig auch Durststrecken, „längere Perioden deutlicher Underperformance, beispielsweise im Umfeld des Zinsanstiegs 2022“, wie Kielkopf beobachtet. Wer als Anleger also nicht zum richtigen Zeitpunkt ein- und wieder ausgestiegen ist, hat diese Phasen relativer Schwäche mitgemacht.

Was viele Investoren überraschen dürfte

Jenseits der Renditezahlen lenkt Kielkopf den Blick zudem auf die Zusammensetzung typischer Wandelanleihe-Portfolios. Hier ist ihm aufgefallen: „Bei Wandelanleihen sind überdurchschnittlich oft spekulativere Unternehmen vertreten. Weit mehr als die Hälfte der Emittenten haben ein Rating von BBB oder schlechter.“ Hinzu komme eine sektorale Schieflage: „Zudem dominieren viele Technologie- und Wachstumstitel. Zu den größten Emittenten zählen unter anderem SK Hynix, Western Digital, Echostar, Alibaba oder Lumentum.“

Anleger, die glauben, mit Wandelanleihen in ein breiter gestreutes Portfolio zu investieren, könnten sich irren. Häufig dürften sie eher eine konzentrierte Wette auf Wachstumssektoren eingehen, verpackt in eine Anleihenstruktur.

Kielkopfs Fazit: Komplexität ohne Mehrwert

Der Charme von Wandelanleihen könnte für viele Anleger in erster Linie in der guten Story liegen, mit denen Wandelanleihen beworben werden, schlussfolgert der HQ-Trust-Stratege ein Fazit: „Der Reiz von Wandelanleihen liegt vor allem in ihrer Geschichte: Kuponzahlungen plus Aktienchance klingt auf den ersten Blick sehr attraktiv.“

Dieser vermeintliche Vorteil sei jedoch oft teuer erkauft: „In der Praxis zeigt sich, dass Anleger dafür häufig höhere laufende Produktkosten, eine stärkere Konzentration auf einzelne Wachstumsunternehmen und ein komplexeres Produkt in Kauf nehmen – ohne langfristig ein besseres Risiko-Rendite-Profil zu erhalten.“

Kielkopfs Rat an Investoren, die nicht aktiv auf Markt-Timing setzen wollen oder können: „Wer die Phasen relativer Stärke von Wandelanleihen nicht aktiv timen kann, fährt mit einem breit diversifizierten 60/40-Portfolio besser.“

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