Analyse von HQ Trust Private Debt – warum der Sekundärmarkt für Investoren attraktiver wird

Nedelina Lazarova von HQ Trust.

Nedelina Lazarova von HQ Trust. Bildquelle: HQ Trust

Private Debt hat sich als widerstandsfähige Anlageklasse etabliert. Trotz geopolitischer Spannungen, Inflation und gestiegener Zinsen blieben die Ausfallraten niedrig bis moderat. Diese robuste Entwicklung hat in den vergangenen Jahren einen Sekundärmarkt für Private-Debt-Investments entstehen lassen, der Investoren neue Liquiditätsoptionen und erweiterte Portfoliosteuerungsmöglichkeiten eröffnet. Nedelina Lazarova, die bei HQ Trust vor allem die Anlageklassen Private Equity und Private Debt betreut, hat sich mit der Entwicklung dieses noch jungen Marktes befasst.

Die ersten dedizierten Produkte wurden erst zwischen 2018 und 2020 lanciert, erklärt Lazarova. Der Kreditsekundärmarkt ist – verglichen mit dem Private-Equity-Sekundärmarkt – noch relativ klein, wächst aber seit fünf Jahren signifikant. Aktuell übersteigt die geschätzte Nachfrage das Angebot an Kapital, obwohl immer mehr Anbieter Sekundärmarktstrategien im Bereich Private Debt anbieten.

Analyse von HQ Trust zu Private Debt
Bildquelle: HQ Trust

USA und Europa dominieren den Handel

Nordamerika und Europa dominieren laut der HQ-Trust-Expertin als größte Private-Debt-Märkte. Der Markt für Private Debt in Asien ist noch unreif und unterentwickelt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass im Rahmen der Sekundärtransaktionen meistens US-amerikanische oder europäische Portfolios ge- und verkauft werden.

Sekundärmarkttransaktionen ermöglichen es Investoren, ihre Portfolios und auch das Engagement in älteren Fonds-Jahrgängen auf- oder abzubauen, erläutert Lazarova. Weiter bieten sie Investoren die Möglichkeit, ein diversifiziertes Engagement über unterschiedliche Kreditstrategien und Manager hinweg aufzubauen und die Flexibilität innerhalb ihrer strategischen Asset Allocation zu erhöhen. Der initiale Aufbau eines Private-Debt-Portfolios gelingt durch den gezielten Einsatz von Sekundärmarktstrategien auch schneller.

Zwei Arten von Transaktionen

Es wird unterschieden zwischen vom Asset Manager initiierten und vom Investor initiierten Transaktionen, so Lazarova. Bei Asset-Manager-geführten Sekundärmarkttransaktionen, die zuletzt den Großteil des Transaktionsvolumens ausmachten, erwerben Investoren Beteiligungen an vom Fondsmanager neu strukturierten oder fortgeführten Portfolios. Bei Investoren-geführten Transaktionen erwerben Investoren bestehende Fondsbeteiligungen von anderen Investoren.

Investoren, die mittlerweile ihre Private-Debt-Portfolios aufgebaut haben, können sich aus verschiedenen Gründen für die Initiierung einer Sekundärmarkttransaktion entscheiden. Zum Beispiel möchten oder müssen sie die eigenen Portfolios umpositionieren oder brauchen mehr Liquidität. Lazarova weist darauf hin, dass in letzter Zeit auch Asset Manager unter Druck stehen, mehr Liquidität für ihre Investoren zu generieren, was durch den Verkauf von ganzen oder Teilportfolios möglich sei.

Bilateral oder per Auktion

Transaktionen können bilateral zwischen den Parteien organisiert, strukturiert und verhandelt werden. Es ist weiterhin möglich, dass weitere Marktakteure – wie zum Beispiel Boutique-Investmentbanken und Broker – Auktionen organisieren, erklärt die Expertin. Im Rahmen von Auktionsprozessen haben mehrere potenzielle Käufer die Möglichkeit, ein verbindliches Angebot abzugeben.

 

Für potenzielle Investoren sei es sehr wichtig, das Rendite-Risiko-Profil der Sekundärmarkttransaktion zu verstehen und dieses auch entsprechend zu bepreisen, betont Lazarova. Insbesondere im Falle von Senior-Debt-Strategien ist das Verständnis über die dargelegten Aspekte zudem kritisch, da Investments in der Regel kein oder nur bedingt Wertsteigerungspotenzial anbieten. Schlechtere Deals bleiben zudem in Kreditportfolios häufig länger unrealisiert als jene, die sich insgesamt positiv entwickelt haben.

Kaufabschläge als zentraler Faktor

Die fach- und marktgerechte Bepreisung der Portfolios sei sehr wichtig, so die HQ-Trust-Expertin. Im Rahmen von Sekundärmarkttransaktionen werden Portfolios meistens zu einem Kaufabschlag zur Bewertung am jeweiligen Stichtag erworben. Der effektive Kaufabschlag besteht laut Lazarova aus mehreren Komponenten. Er kann eventuelle Verluste im Kreditportfolio, die zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden, mindern oder sogar aus Sicht des Käufers weiteres Wertsteigerungspotenzial bieten.

Die Höhe des Abschlags hänge von der Qualität des Portfolios sowie vom aktuellen Marktumfeld ab, fasst Lazarova zusammen.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen