Der MSCI World gilt vielen als ideales Basisinvestment – global, diversifiziert, solide. Doch der Name täuscht: Der Index bildet ausschließlich Industrieländer ab. Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien fehlen komplett. Dass diese Lücke mehr ist als ein Detail, zeigt eine langfristige Analyse.
Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, vergleicht die Wertentwicklung des MSCI World mit jener des MSCI Emerging Markets seit dessen Auflegung Anfang 1988. Die Analyse basiert auf Total-Return-Daten in DM/Euro und umfasst damit nahezu vier Jahrzehnte Börsengeschichte.
Schwellenländer erzielen höhere Rendite
Seit 1988 erzielte der MSCI Emerging Markets rund 10,0 Prozent pro Jahr, der MSCI World dagegen 8,5 Prozent. Das gilt trotz der starken Dominanz der US-Technologiewerte in den vergangenen 15 Jahren. Allerdings zum Preis deutlich stärkerer Kursschwankungen: Die Volatilität lag historisch im Schnitt bei 22 Prozent jährlich gegenüber 15 Prozent beim MSCI World. In den letzten Jahren fiel diese Differenz allerdings immer geringer aus.
Der MSCI World enthalte 0 Prozent Schwellenländer, dafür aber rund 70 Prozent USA. „Wer ihn als alleinige Basis nutzt, bekommt faktisch ein Portfolio, in dem US-Technologiewerte den dominantesten Anteil ausmachen“, betont Kielkopf.
Wertentwicklung verläuft in langen Zyklen
Die Wertentwicklung beider Regionen verläuft in ausgeprägten Zyklen: Mal liegen die Industrieländer vorn, mal die Schwellenländer. Diese Zyklen dauern oft mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte. „Wer sein gesamtes Aktienportfolio allein über den MSCI World abbildet, verzichtet bewusst oder unbewusst auf rund die Hälfte der Weltwirtschaft“, sagt Kielkopf.
Beide Regionen hätten langfristig ihre Berechtigung im Portfolio. „Es ist weder optimal ausschließlich auf Schwellenländer noch allein auf Industrieländer zu setzen“, so der Experte. Die Wachstumsdynamik in den meisten Schwellenländern dürfte auch in den kommenden Jahren über jener der Industrieländer liegen. Ein schwächerer Dollar könnte zusätzlichen Rückenwind liefern.
Timing der Zyklen kaum möglich
Die Zyklen der Über- und Unterperformance seien kaum präzise zu timen. „Daher ist es besser, dauerhaft in beiden Segmenten investiert zu bleiben, statt auf den perfekten Wechselzeitpunkt zu spekulieren“, rät Kielkopf. HQ Trust empfiehlt, über breit gestreute Fonds einen substanziellen, strategischen Anteil von rund 10 bis 20 Prozent in Schwellenländern zu halten.