Inflationsgebundene Anleihen gelten als verlässlicher Schutz vor steigenden Preisen. Doch eine Analyse von HQ Trust zeigt: Der Schutz funktioniert anders als viele Anleger denken – und kommt nicht unbedingt dann, wenn er am dringendsten gebraucht wird.
Sebastian Dörr, Kapitalmarktanalyst des Multi Family Office, hat untersucht, wie sich inflationsgebundene Anleihen im Vergleich zu traditionellen Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit tatsächlich entwickeln.
Für seine Analyse nutzte er die Inflationserwartungen der Federal Reserve Bank of Cleveland für jeweils die kommenden zwölf Monate. Den Zeitraum von Dezember 2001 bis Dezember 2025 betrachtete er dabei über verschiedene Laufzeiten hinweg.
Entscheidend ist die Abweichung, nicht die Höhe
Das Ergebnis überrascht: Traditionelle Anleihen bieten eine feste Verzinsung, in die geschätzte Inflationserwartungen für die gesamte Laufzeit bereits eingepreist sind. Bei inflationsgeschützten Anleihen – oft auch „Linker“ oder „inflation-linked bonds“ genannt – wird dagegen die tatsächliche Inflation mit einem gewissen Zeitverzug eingepreist. Die Verzinsung ist an einen Verbraucherpreisindex beziehungsweise die Inflationsrate gekoppelt.
Diese Papiere bieten eine vergleichsweise geringe Basisverzinsung plus einen Inflationsausgleich. „Entscheidend ist nicht die Höhe der Inflation, sondern die Abweichung von den Erwartungen“, erklärt Dörr. Nur wenn die Verbraucherpreise stärker steigen als erwartet, lohnen sich die Bonds.
Im Durchschnitt wirkt der Schutz
Die Analyse gruppiert die Ergebnisse nach drei Szenarien: Die Inflation lag unter, im Rahmen oder über den Erwartungen – jeweils aufgeteilt nach Restlaufzeiten. Lag der Wert über null, schnitten inflationsgebundene Anleihen besser ab als herkömmliche Papiere.
Über die vergangenen 24 Jahre hinweg boten inflationsgeschützte Anleihen im Durchschnitt tatsächlich Schutz vor der Inflation. Lag die Inflation über den Erwartungen, lieferten die Linker über alle Laufzeiten hinweg eine höhere Realrendite als traditionelle Anleihen.
Ähnliche Performance im erwarteten Korridor
Wenn die tatsächliche Inflation im erwarteten Korridor lag, schnitten beide Anleihentypen recht ähnlich ab. Über alle Laufzeiten hinweg betrug der Vorteil der inflationsgeschützten Papiere einen Prozentpunkt.
„Inflationsgeschützte Anleihen sind kein Allheilmittel gegen steigende Preise“, fasst der Kapitalmarktanalyst zusammen. Sie bieten vor allem dann einen Mehrwert, wenn die Inflation langfristig und unerwartet über den Prognosen liegt.
Zeitverzögerter Schutz bei kurzfristigen Schüben
Wer auf kurzfristige Inflationsschübe reagieren möchte, sollte bedenken: Der Schutz wirkt zeitverzögert und traditionelle Anleihen können in der Folgezeit attraktivere Renditen liefern.
Bei der aktuellen Kerninflation von 2,4 Prozent und anhaltender Unsicherheit lohnt sich eine differenzierte Betrachtung der Laufzeiten und Markterwartungen – statt blindem Vertrauen in den vermeintlichen Inflationsschutz.
Eigenkapital als Alternative
Christian Subbe, CIO von HQ Trust, sieht weitere Alternativen: Die Kapitalmarktexperten seien sich uneins, ob Linker in einer strategischen Allokation tatsächlich Mehrwert bieten. Auch Eigenkapitalinstrumente oder solche, die eine vertragliche Preisanpassung enthalten, eignen sich gut, um sich gegen Inflation zu schützen. Dazu zählen beispielsweise Aktien, bestimmte Infrastrukturanlagen und auch Immobilien.