Über mehr als fünf Jahrzehnte hat Gold in allen Inflationsphasen positive Realrenditen erzielt. Das ist das Ergebnis einer Auswertung von Sebastian Dörr, Kapitalmarktstratege beim Multi Family Office HQ Trust.
Dörr betrachtete die inflationsbereinigten Jahresrenditen des Edelmetalls von Januar 1969 bis März 2026 – gemessen am deutschen Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes. Die Inflationsraten teilte er in vier gleich große Quartile ein. Um Ausreißer nicht zu stark zu gewichten, konzentriert sich die Auswertung auf das 5-bis-95-Prozentil der Renditen.
Das Ergebnis: Im langfristigen Mittel legte der Goldpreis in allen Inflationsphasen real um 6,2 Prozent pro Jahr zu.
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Höhere Inflation, höhere Renditen – aber auch mehr Schwankung
Dabei gilt ein klarer Grundsatz: Je höher die Teuerungsrate, desto stärker stieg der Goldpreis im Durchschnitt. Bei einer Inflationsrate von mehr als 3,9 Prozent lag die durchschnittliche reale Jahresrendite bei 8,8 Prozent. Allerdings war in dieser Phase auch die Schwankungsbreite am größten. Selbst ohne die extremen Ausreißer reichten die Jahresrenditen in einzelnen Inflationsphasen von tief im Minus bis weit über 40 Prozent im Plus.
Der vermeintlich sichere Inflationsschutz ist also im Detail alles andere als gleichmäßig.
Silber: Ähnliches Muster, noch größere Schwankungen
Ähnliches gilt für Silber. Auch der Silberpreis erzielte im langfristigen Durchschnitt in allen Inflationsphasen positive Realrenditen. Die Schwankungen fallen aber noch extremer aus: Selbst im eingeschränkten Betrachtungsrahmen reichen die Jahresrenditen bis über 100 Prozent nach oben – und tief in den negativen Bereich nach unten.
Hinzu kommt ein weiterer Unterschied: Als sicherer Hafen taugt Silber deutlich weniger als Gold. In Monaten, in denen der MSCI ACWI kräftig einbrach, verloren Anleger mit Silber zwar weniger als mit Aktien – aber im Schnitt immerhin noch mehr als 1 Prozent ihres Kapitals. Gold zeigte in solchen Stressphasen eine andere Reaktion: Der Goldpreis legte im Mittel sogar zu.
Gold als Versicherung, nicht als Renditegarant
Dörrs Fazit ist entsprechend differenziert: „Gold und Silber erzielten in allen Inflationsphasen im Schnitt positive Realrenditen. Ein Ersatz für Aktien oder Anleihen sind sie aber nicht. Und es gibt auch keine Garantie für höhere Renditen in Zeiten steigender Verbraucherpreise.“
Als strategische Beimischung könne Gold helfen, Schwankungen im Portfolio zu reduzieren und Verluste in schwierigen Marktphasen abzufedern. „Gold ist keine Spekulation, sondern eine Versicherung für Zeiten, in denen klassische Kapitalmarktlogiken nicht mehr greifen.“
Struktureller Aufwärtstrend bleibt intakt
HQ-Trust-CIO Christian Subbe ergänzt eine aktuelle Einschätzung zur Lage am Goldmarkt. Anleger sollten sich vom jüngsten Kursrückgang nicht verunsichern lassen, sagt er: „Es waren vor allem spekulative Zuflüsse, die den Preis im vergangenen Jahr angetrieben haben. Zuletzt wurden einige dieser Positionen wieder abgebaut.“
Das ändere aber nichts am großen Bild: Gold befinde sich seit mehr als 25 Jahren in einem strukturellen Aufwärtstrend, der nach wie vor intakt sei. In geopolitischen Krisen vermöge Gold besonders stark zuzulegen – und in einer Welt mit anhaltenden Spannungen dürfte das Edelmetall seinen Platz als Krisenmetall behalten.