Analyse von HQ Trust Europas Anleihen neu sortiert – was das für Portfolios bedeutet

Pascal Kielkopf von HQ Trust.

Pascal Kielkopf von HQ Trust: „Aus Marktsicht ist die Eurokrise vorbei.“ Bildquelle: HQ Trust

Lange Zeit war die Einteilung in Kern- und Peripherieländer eine Art eiserne Regel der Euro-Anleihemärkte. Kernländer wie Deutschland und Frankreich standen für Stabilität. Italien, Spanien oder Griechenland galten als etwas für mutige Investoren. Die aktuellen Risikoaufschläge erzählen eine völlig andere Geschichte.

Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, hat die Renditedifferenz zehnjähriger Staatsanleihen verschiedener Staaten gegenüber deutschen Bundesanleihen seit 2001 ausgewertet. Dieser sogenannte Spread misst den Risikoaufschlag, den Investoren verlangen, um einem Land Kapital zur Verfügung zu stellen. Je höher der Spread, desto skeptischer steht der Markt der jeweiligen Staatsfinanzierung gegenüber.

HQ-Trust-Analyse
Bildquelle: HQ Trust

Der Chart zeigt neben dem aktuellen Stand und dem Wert vor zwölf Monaten auch die historische Verteilung der Spreads. So lässt sich nachvollziehen, wie sich die Wahrnehmung von Risiko in Europa verschoben hat. Die Darstellung bildet den Bereich zwischen dem 5. und 95. Perzentil ab, wodurch extreme Ausreißer ausgeblendet werden. Während der Eurokrise lagen die Spreads zeitweise oberhalb von 20 Prozent.

Frankreich mit höchstem Risikoaufschlag

Das Ergebnis der Analyse überrascht: Frankreich muss mittlerweile einen höheren Risikoaufschlag als die ehemaligen Eurokrisen-Länder bezahlen. Mit 0,68 Prozentpunkten liegt der französische Spread aktuell deutlich über dem von Italien, Griechenland, Spanien und Portugal. Der Markt preist hier wachsende Sorgen über Verschuldung und Reformstau ein.

Am anderen Ende der Skala steht Irland mit einem Risikoaufschlag von etwa 0,10 Prozentpunkten. Die Spreads der Südländer bewegen sich heute überwiegend in den unteren historischen Perzentilen. Investoren honorieren damit die Reformen und fiskalische Disziplin der vergangenen Jahre.

Ein Warnsignal auch für Deutschland

„Aus Marktsicht ist die Eurokrise vorbei“, fasst Kielkopf zusammen. „Die Risikoaufschläge früherer Krisenstaaten bewegen sich heute in deutlich entspannteren Zonen. Viele Länder wurden in den vergangenen Jahren mehrfach hochgestuft.“

 

Dass Frankreichs Spread aus historischer Sicht im oberen Bereich liege, sei auch eine Warnung für Deutschland. „Steigt die Schuldenquote weiter, könnten Investoren künftig auch für deutsche Anleihen höhere Risikoprämien verlangen“, so der Kapitalmarktanalyst. Die traditionelle Einteilung in Kern- und Peripherieländer sei damit überholt: „Die Daten zeigen: Risiko folgt heute nicht mehr einer geografischen Logik, sondern der fiskalischen Realität.“

Breite Diversifikation als Empfehlung

Was rät Kielkopf Anlegern? „Sicherheitsorientierte Anleger, die bislang ausschließlich auf Anleihen der Kernländer gesetzt haben, sollten diese Strategie überdenken.“ Die südeuropäischen Länder hätten ihre Hausaufgaben gemacht, während Frankreich unter einer steigenden Schuldenlast und politischer Unsicherheit leide.

„Eine breite Diversifikation über europäische oder sogar globale Staatsanleihen kann helfen, Renditechancen zu nutzen und gleichzeitig das Risiko im Portfolio ausgewogen zu steuern“, empfiehlt der Experte.

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