Analyse von HQ Trust Bei diesen Euro-Anleihen finden Anleger die höchsten Renditeaufschläge

Jan Tachtler von HQ Trust.

Jan Tachtler von HQ Trust: „Für die Euro-Staatsanleihen aus Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Belgien bekommen Investoren im Schnitt gut 50 Basispunkte mehr als hierzulande.“ Bildquelle: HQ Trust

In Anleihen zu investieren, steht bei vielen Anlegern aktuell hoch im Kurs. Interessante Aussichten versprechen dabei solche Emissionen, die einen hohen Renditeaufschlag (Spread) gegenüber den Geldmarktzinsen bieten.

In einer aktuellen Analyse hat Fondsselektor Jan Tachtler vom Multi Family Office HQ Trust die Renditeaufschläge von Euro-Investment-Grade-Anleihen miteinander verglichen. Dabei untersuchte er verschiedene Sektoren der Top-15-Länder des Bloomberg Euro Aggregate Index. Neben Staatsanleihen flossen auch Unternehmensanleihen aus den drei wichtigsten Sektoren in die Auswertung ein: Finanzdienstleister, Versorger und Industrie.

Unternehmensanleihen bieten deutlich höhere Spreads 

Mit Blick auf die untersuchten Staatsanleihen gibt Tachtler zu bedenken: „Deutsche Bundesanleihen sind der sogenannte Goldstandard für Euro-Investment-Grade-Papiere. Was gut klingt, heißt allerdings auch, dass die Renditen aus Investorensicht derzeit nicht besonders attraktiv sind.“ 

Interessantere Renditen bieten dagegen die Emissionen anderer Euro-Staaten: „Für die Euro-Staatsanleihen aus Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Belgien bekommen Investoren im Schnitt gut 50 Basispunkte mehr als hierzulande“, stellt Tachtler fest. Heißt jedoch gleichzeitig: Das Risiko von Ausfällen wird hier höher bewertet.  

Grafik: Renditeaufschläge bei Anleihen unterschiedlicher Kategorien
© Bloomberg/HQ Trust Research

Im Schnitt noch renditeträchtiger als Staatsanleihen präsentieren sich Unternehmensanleihen. Dort können risikobereite Investoren zusätzliche 70 bis 90 Basispunkte vereinnahmen. „Bei Unternehmensanleihen ist das Risiko eines Ausfalls größer. Daher ist der Renditeaufschlag auch deutlich höher“, erklärt Tachtler.

Interessante Erkenntnis aus der Analyse: Die Risikoaufschläge bei Bonds von Versorgern und Industrieunternehmen liegen oft eng zusammen. Außerdem: In Griechenland hält der Markt Industrieanleihen offenbar für sicherer als Staatsanleihen – dem Spread nach zu urteilen.

Länderspezifische Unterschiede bei Staatsanleihen

Die HQ-Trust-Analyse ergab ebenfalls, dass das Bond-Angebot von Land zu Land schwankt: Die USA beispielsweise haben keine Staatsanleihen in Euro emittiert, weshalb dieser Punkt in der Tabelle fehlt. Ebenso fanden sich unter griechischen Versorgern keine Anleihen, die das Qualitätskriterium „Investment Grade“ erfüllten.

Im Schnitt am höchsten rentierten die Emissionen von Finanzdienstleistern: Sie lagen in acht von 15 Ländern gemessen am Renditeaufschlag vorne. „Besonders hoch ist dieser Spread derzeit in Österreich“, fand Tachtler heraus. 

 

Anders verhält es sich in den USA, Großbritannien und Schweden: Dort „ist dagegen bei Euro-Bonds von Versorgern am meisten zu holen“, so der Analyst.

Tachtlers Empfehlungen für Bond-Interessenten

„Abseits der sehr sicheren deutschen Staatsanleihen finden Investoren derzeit einige Bereiche, in denen sie für überschaubares zusätzliches Risiko einen gewissen Renditeaufschlag bekommen.“ Tachtler warnt jedoch ausdrücklich vor blindem Rendite-Jagen: „Ein höherer Risikoaufschlag klingt verlockend, bedeutet aber auch ein größeres Ausfallrisiko. Besonders bei Unternehmensanleihen in Ländern mit schwächerer Bonität sollten Anleger genau prüfen, ob die zusätzliche Rendite das Risiko rechtfertigt.“ 

Da die Risikoaufschläge zwischen Ländern und Sektoren stark variieren, sollten Anleger ihre Investments nach Möglichkeit über Staats- und Unternehmensanleihen streuen - und innerhalb der Unternehmensanleihen bestenfalls auch auf unterschiedliche Sektoren setzen.  

Tachtler gibt ebenfalls zu bedenken, dass Anleihen oft hohe Anlagesummen erforderten: „Besonders bei Unternehmensanleihen kann die Mindestanlage hoch sein“, so der HQ Trust-Experte. Seine Empfehlung: „Anleger sollten hier auf die Stückelung achten oder breit gestreut über Fonds investieren, um besser diversifiziert zu sein.“ 

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