Analyse von Berenberg Wie Single Family Offices ihre Milliarden heute investieren

Dennis Nacken von Berenberg und seine Mitarbeiter sind Urheber der Analyse.

Dennis Nacken, Head of Single Family Office Advisory bei Berenberg, und seine Mitarbeiter sind Urheber der Analyse. Bildquelle: Berenberg

Ein Single Family Office (SFO) ist eine private Organisation zur Vermögenserhaltung und -vermehrung. Es bündelt finanzielle, strategische und organisatorische Dienstleistungen: Vermögensallokation, Governance, Nachfolgeplanung und Steuerung direkter Beteiligungen.

Kennzahlen:

  • Gründung ab rund 200 Mio. Euro Vermögen sinnvoll
  • Schätzungsweise 1.200 SFOs in der DACH-Region
  • Davon 600-700 in Deutschland
  • Keine einheitliche Rechtsform, weitgehend unreguliert
  • Namen oft diskret gewählt (Phantasienamen)

Besonderheit: Viele SFOs bezeichnen sich nicht explizit als solche, sondern treten als Familienholding auf. Dies erschwert eine genaue Zählung.

Fünf Kernfragen zu Direktbeteiligungen

1. Allokationsquote: Wie viel Vermögen fließt in Direktinvestitionen?

Direktbeteiligungen spielen eine zentrale Rolle. Die Allokation ist nicht nur rational, sondern auch emotional geprägt – viele Unternehmerpersönlichkeiten möchten aktiv unternehmerisch tätig sein.

Entwicklung 2023-2025:

Direktbeteiligungsanteil 2023 2024 2025
Keine Direktbeteiligungen 8% 10% 4%
unter 5% 19% 6% 19%
5-10% 15% 21% 17%
10-20% 9% 17% 21%
20-40% 19% 25% 17%
über 40% 30% 21% 21%

Trend: Der Anteil sehr hoher Direktbeteiligungsquoten ( über 40 Prozent) sank von 30 Prozent (2023) auf 21 Prozent (2025). Mittlere Quoten nahmen zu – laut Berenberg ein Zeichen breiterer Diversifizierung.

 

2. Unternehmensphasen: Wo engagieren sich SFOs?

Immer mehr SFOs investieren in frühe Phasen:

Entwicklung nach Phasen:

  • Angel-Investments: 20 Prozent (2023) → 27 Prozent (2025)
  • Seed-Investments: 40 Prozent (2023) → 53 Prozent (2025)
  • Growth-Investments: 75 Prozent (2023) → 63 Prozent (2025)
  • IPO-Phase: stabil bei 30 Prozent

Gründe für Frühphasen-Investments:

  • Größere Gestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten
  • Niedrigere Bewertungen, kleinere Ticketgrößen
  • Bessere Risikostreuung durch mehrere kleine Beteiligungen
  • Strategische Faktoren (Nähe zu Familienunternehmen, Wissenstransfer)
  • Steuerliche Vorteile: Beteiligungen  unter 25 Prozent können als begünstigtes Vermögen bei der Erbschaftsteuer gelten

3. Sektoren: Welche Branchen sind attraktiv?

Die sektoralen Präferenzen haben sich verschoben:

Entwicklung 2023-2025:

Sektor 2023 2024 2025
Software & Analytics 36% 66% 49%
Health Care/MedTech 46% 52% 43%
Industrie 34% 26% 43%
Real Estate/PropTech 52% 44% 29%
Green Tech 57% 44% 29%
       

Erkenntnisse:

  • Software & Analytics bleibt auf hohem Niveau – techaffine Prinzipale bevorzugen wenig kapitalintensive Geschäftsmodelle
  • Healthcare konstant stark
  • GreenTech: Absturz vom beliebtesten Sektor (2023) auf den letzten Platz (2025)
  • Industrie: Comeback nach Rückgang – moderate Bewertungen schaffen neue Chancen

Deal-Sourcing:

  • Hauptsächlich über internes Netzwerk
  • 32 Prozent nutzen eigene Research-Teams (Professionalisierung)
  • Banken und Konferenzen als wichtige Plattformen

4. Steuerung: Wie werden Beteiligungen gemanagt?

SFOs sind keine reinen Kapitalgeber, sondern aktive Gestalter:

Involvierungsgrad:

  • 23 Prozent operativ involviert (aktive Managementrolle)
  • 34 Prozent strategisch eingebunden (Aufsichts-/Beiratsmandate)
  • 31 Prozent variabel je nach Beteiligung
  • 12 Prozent reine Finanzinvestoren

Fazit: 88 Prozent der SFOs sind in irgendeiner Form aktiv involviert.

5. Exit-Strategien: Langfristig halten oder verkaufen?

Der oft zugeschriebene "Buy and Hold forever"-Ansatz ist nicht die Realität:

Exit-Strategien 2025:

  • 61 Prozent haben keine klar definierte Exit-Strategie (Flexibilität und Agilität)
  • 33 Prozent möchten Verkaufen
  • 25 Prozent verfolgen "Buy and Hold forever"
  • Jeweils 8 Prozent bevorzugen einen Börsengang on enen Verkauf am Private Equity

Interpretation: Die Flexibilität ohne feste Exit-Strategie passt zum unternehmerischen Selbstverständnis – mehrere Optionen offenhalten statt starrer Festlegung.

 

Fazit

SFOs haben sich an veränderte Rahmenbedingungen angepasst. Sie investieren weiterhin stark in Direktbeteiligungen und agieren als aktive Investoren mit klaren Steuerungs- und Wertsteigerungszielen. Sie sind in allen Unternehmensphasen präsent, bevorzugen zunehmend aber Frühphasen-Investments. Sektoral dominieren Software und Healthcare, während nachhaltige Investments an Bedeutung verloren haben.

Der Professionalisierungsgrad steigt beim Deal-Sourcing und der Beteiligungssteuerung. Agilität und Flexibilität prägen ihre Exit-Strategien – nur eine Minderheit verfolgt den oft zugeschriebenen "Buy and Hold forever"-Ansatz. Ihre unternehmerische Haltung zielt nicht auf kurzfristige Gewinne, sondern auf langfristige Wertschöpfung durch Kapital in Ideen, Strukturen und Innovationen.

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