Ein Single Family Office (SFO) ist eine private Organisation zur Vermögenserhaltung und -vermehrung. Es bündelt finanzielle, strategische und organisatorische Dienstleistungen: Vermögensallokation, Governance, Nachfolgeplanung und Steuerung direkter Beteiligungen.
Kennzahlen:
- Gründung ab rund 200 Mio. Euro Vermögen sinnvoll
- Schätzungsweise 1.200 SFOs in der DACH-Region
- Davon 600-700 in Deutschland
- Keine einheitliche Rechtsform, weitgehend unreguliert
- Namen oft diskret gewählt (Phantasienamen)
Besonderheit: Viele SFOs bezeichnen sich nicht explizit als solche, sondern treten als Familienholding auf. Dies erschwert eine genaue Zählung.
Fünf Kernfragen zu Direktbeteiligungen
1. Allokationsquote: Wie viel Vermögen fließt in Direktinvestitionen?
Direktbeteiligungen spielen eine zentrale Rolle. Die Allokation ist nicht nur rational, sondern auch emotional geprägt – viele Unternehmerpersönlichkeiten möchten aktiv unternehmerisch tätig sein.
Entwicklung 2023-2025:
| Direktbeteiligungsanteil | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|
| Keine Direktbeteiligungen | 8% | 10% | 4% |
| unter 5% | 19% | 6% | 19% |
| 5-10% | 15% | 21% | 17% |
| 10-20% | 9% | 17% | 21% |
| 20-40% | 19% | 25% | 17% |
| über 40% | 30% | 21% | 21% |
Trend: Der Anteil sehr hoher Direktbeteiligungsquoten ( über 40 Prozent) sank von 30 Prozent (2023) auf 21 Prozent (2025). Mittlere Quoten nahmen zu – laut Berenberg ein Zeichen breiterer Diversifizierung.
2. Unternehmensphasen: Wo engagieren sich SFOs?
Immer mehr SFOs investieren in frühe Phasen:
Entwicklung nach Phasen:
- Angel-Investments: 20 Prozent (2023) → 27 Prozent (2025)
- Seed-Investments: 40 Prozent (2023) → 53 Prozent (2025)
- Growth-Investments: 75 Prozent (2023) → 63 Prozent (2025)
- IPO-Phase: stabil bei 30 Prozent
Gründe für Frühphasen-Investments:
- Größere Gestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten
- Niedrigere Bewertungen, kleinere Ticketgrößen
- Bessere Risikostreuung durch mehrere kleine Beteiligungen
- Strategische Faktoren (Nähe zu Familienunternehmen, Wissenstransfer)
- Steuerliche Vorteile: Beteiligungen unter 25 Prozent können als begünstigtes Vermögen bei der Erbschaftsteuer gelten
3. Sektoren: Welche Branchen sind attraktiv?
Die sektoralen Präferenzen haben sich verschoben:
Entwicklung 2023-2025:
| Sektor | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|
| Software & Analytics | 36% | 66% | 49% |
| Health Care/MedTech | 46% | 52% | 43% |
| Industrie | 34% | 26% | 43% |
| Real Estate/PropTech | 52% | 44% | 29% |
| Green Tech | 57% | 44% | 29% |
Erkenntnisse:
- Software & Analytics bleibt auf hohem Niveau – techaffine Prinzipale bevorzugen wenig kapitalintensive Geschäftsmodelle
- Healthcare konstant stark
- GreenTech: Absturz vom beliebtesten Sektor (2023) auf den letzten Platz (2025)
- Industrie: Comeback nach Rückgang – moderate Bewertungen schaffen neue Chancen
Deal-Sourcing:
- Hauptsächlich über internes Netzwerk
- 32 Prozent nutzen eigene Research-Teams (Professionalisierung)
- Banken und Konferenzen als wichtige Plattformen
4. Steuerung: Wie werden Beteiligungen gemanagt?
SFOs sind keine reinen Kapitalgeber, sondern aktive Gestalter:
Involvierungsgrad:
- 23 Prozent operativ involviert (aktive Managementrolle)
- 34 Prozent strategisch eingebunden (Aufsichts-/Beiratsmandate)
- 31 Prozent variabel je nach Beteiligung
- 12 Prozent reine Finanzinvestoren
Fazit: 88 Prozent der SFOs sind in irgendeiner Form aktiv involviert.
5. Exit-Strategien: Langfristig halten oder verkaufen?
Der oft zugeschriebene "Buy and Hold forever"-Ansatz ist nicht die Realität:
Exit-Strategien 2025:
- 61 Prozent haben keine klar definierte Exit-Strategie (Flexibilität und Agilität)
- 33 Prozent möchten Verkaufen
- 25 Prozent verfolgen "Buy and Hold forever"
- Jeweils 8 Prozent bevorzugen einen Börsengang on enen Verkauf am Private Equity
Interpretation: Die Flexibilität ohne feste Exit-Strategie passt zum unternehmerischen Selbstverständnis – mehrere Optionen offenhalten statt starrer Festlegung.
Fazit
SFOs haben sich an veränderte Rahmenbedingungen angepasst. Sie investieren weiterhin stark in Direktbeteiligungen und agieren als aktive Investoren mit klaren Steuerungs- und Wertsteigerungszielen. Sie sind in allen Unternehmensphasen präsent, bevorzugen zunehmend aber Frühphasen-Investments. Sektoral dominieren Software und Healthcare, während nachhaltige Investments an Bedeutung verloren haben.
Der Professionalisierungsgrad steigt beim Deal-Sourcing und der Beteiligungssteuerung. Agilität und Flexibilität prägen ihre Exit-Strategien – nur eine Minderheit verfolgt den oft zugeschriebenen "Buy and Hold forever"-Ansatz. Ihre unternehmerische Haltung zielt nicht auf kurzfristige Gewinne, sondern auf langfristige Wertschöpfung durch Kapital in Ideen, Strukturen und Innovationen.