Analyse realer Family-Office-Mandate Wie sich Vermögensverwalter in der Corona-Krise positionieren

Markus Jesberger (r.) und Thomas Segura sind Gründer und geschäftsführende Gesellschafter des Multi Family Office Segura & Jesberger.

Markus Jesberger (r.) und Thomas Segura sind Gründer und geschäftsführende Gesellschafter des Multi Family Office Segura & Jesberger. Foto: Segura & Jesberger

Das unabhängige Multi Family Office Segura & Jesberger analysiert regelmäßig die Positionierung von Vermögensverwaltern bei Großkunden mit einem Gesamtvermögen von mehr als 30 Millionen Euro. Die Auswertung erfolgt auf Basis einer dreistelligen Anzahl real vergebener Mandate bei mehr als zwei Dutzend Vermögensverwaltern im In- und Ausland.

Die Untersuchung zeigt, wie Vermögensverwalter in Zeiten von Corona und Ölpreisschock die Aktienquote in Vermögensverwaltungsmandaten bis zum 31. März 2020 steuern. Der negative Kursverlauf im Jahr 2020 brach einen Negativrekord. Nach Erreichen der Höchststände Mitte Februar kam es zu einem Kursverfall in nie gesehener Geschwindigkeit.

Positionierten sich zu Jahresbeginn noch 88 Prozent der Verwalter mit einer Übergewichtung in Aktien, beträgt der Anteil der Optimisten per 31. März nur noch 33 Prozent. Im Gegenzug erhöhte sich der Anteil jener Verwalter, die Aktien untergewichten, von 5 auf 57 Prozent. Interessant ist der Vergleich der unterschiedlichen Anbietergruppen:

Zum Jahreswechsel waren alle mandatierten freien Vermögensverwalter und Privatbanken in Aktien übergewichtet. Ende März positionieren sich beide Bankengruppen deutlich defensiver. Insgesamt findet man bei den Privatbanken noch die größte Zustimmung zu Aktien. 41 Prozent halten der Übergewichtung die Treue. Am vorsichtigsten stellen sich die Großbanken auf.

In der Vergangenheit konnte man häufig feststellen, das deutsche Institute dazu neigen, sich konservativer zu positionieren als international tätige Adressen.

Konnte man diesen Effekt über den 31.Dezember 2019 noch beobachten, so sind die Unterschiede Ende März 2020 deutlich geringer. In beiden Gruppen gewichten 38 Prozent der Adressen Aktien über. Internationale Häuser sind zu 13 Prozent neutral und zu 50 Prozent untergewichtet. Die deutschen Verwalter positionieren sich mit 62 Prozent eindeutiger in der Untergewichtung. Die Ausprägung innerhalb der Positionierungen hat sich im abgelaufenen Quartal ebenso verändert und bestätigt die vorsichtigere Positionierung der Adressen.

Verwalter in einer Untergewichtung zeigen im Schnitt einen deutlicheren Abstand von 16 Prozentpunkten (zuvor 7 Prozent) zur neutralen Gewichtung. Übergewichtungen fallen mit 12 Prozentpunkten Abstand zur neutralen Gewichtung geringer aus, auch im Vergleich zum Jahreswechsel mit 19 Prozent.

Die Gruppe der Verwalter die wir als Risikomanager kategorisieren, haben ihre Leistungsfähigkeit im Krisenumfeld eindrucksvoll demonstriert:

  • Eine Privatbank aus der Mozartstadt Salzburg hat mit einem Stop-loss-basierten Ansatz ihre Mandanten vor größeren Verlusten bewahrt.
  • Ein Asset Manager aus der Schweiz hat mit einem regelbasierten, disziplinierten Ansatz die Aktienquote auf 0 Prozent verringert.

Spannend wird der Blick auf die Wiedereinstiegsphase.

Zur Methodik

Das Family Office berichtet und kontrolliert individuelle Vermögensverwaltungsmandate in einem Volumen von 5 bis 50 Millionen Euro pro Mandat. Für die Verwalter besteht die Möglichkeit, sich in einem gegebenen Gewichtungsband zwischen einer Mindestquote und einer Maximalquote für Aktien zu positionieren. Ergänzend wird zwischen der Mindest- und Maximalquote eine neutrale Gewichtung definiert.

Für die Analyse werden zunächst unterschiedliche Mandatsausgestaltungen normiert: Das Mindestgewicht wird mit 0 Prozent, die neutrale Gewichtung mit 50 Prozent und die Maximalgewichtung mit 100 Prozent definiert. Als neutral gewichtet in Aktien gilt, wer sich in einem Band von 2,5 Prozent um die normierte neutrale Aktienquote positioniert. Bei höheren Aktiengewichtungen erfolgt die Eingruppierung als Übergewichtung, darunter als Untergewichtung.



Über die Autoren:
Thomas Segura & Markus Jesberger sind Gründer und geschäftsführende Gesellschafter des Multi Family Office Segura & Jesberger. Segura besitzt langjährige Erfahrung aus leitender Position im Private Banking einer Privatbank und als Geschäftsführer eines Family Office.

Jesberger ist seit mehr als 20 Jahren im Private Banking tätig, zuletzt als Family-Office-Geschäftsführer und Mitglied des Verwaltungsrats bei verschiedenen europäischen Family Office-Organisationen einer Privatbank.