Amundi zur spätzyklischen Marktlage Wie Anleger trotz steigender Volatilität Kurs halten

Unwetterschäden in einem italienischen Hafen: Zinsängste und Italien-Verschuldung belasten die Märkte. | © Getty Images

Unwetterschäden in einem italienischen Hafen: Zinsängste und Italien-Verschuldung belasten die Märkte. Foto: Getty Images

Thomas Kruse, Investmentchef von Amundi Deutschland

Zum Herbstbeginn hat sich die Marktdynamik gewandelt. Die Volatilität ist auf breiter Front gestiegen, die 10-Jahres-Rendite in den USA ist nach einem rasanten Anstieg auf das höchste Niveau der vergangenen sieben Jahre geklettert. Die Aktienmärkte sind unter Druck geraten. Die Zunahme der Unsicherheiten machte zuletzt auch dem Tech-Sektor zu schaffen, dessen Bewertungen zuvor sehr stark gestiegen waren. Die Abverkäufe lassen sich jedoch als eine gesunde Korrektur lesen.

Das globale Wachstum schwächt sich ab

Nach einer Zeit kräftiger Kursanstiege tendieren die Märkte nun dazu, sich etwas langsamer zu entwickeln, bedingt durch das schwächere globale Wachstum. Die Hintergründe: Aufgrund der boomenden US-Wirtschaft, die weitere kontinuierliche Zinsschritte der US-Notenbank zur Folge haben wird, fließt viel globales Kapital in die USA. Die globalen Handelsstreitigkeiten haben ein Übriges dazu beigetragen, den Märkten insgesamt einen Dämpfer zu versetzen, denn der Konflikt hat zu einer Wachstumsabschwächung des Welthandels geführt. Doch generell ist der Protektionismus ein Verlustspiel: Keine Volkswirtschaft kommt ungeschoren davon, wie der Blick in die Wirtschaftsgeschichte zeigt.

Angesichts der konjunkturellen Stärke der USA und der daraus folgenden vehementen Aufwertung des US-Dollars sind auch die Schwellenmärkte unter Druck geraten. Vor allem Schwellenländer mit schwachen Fundamentaldaten wie Argentinien und die Türkei wurden von den Anlegern fallen gelassen. Chinas Regierung hat mit fiskalischen und geldpolitischen Maßnahmen auf die US-Zollpolitik reagiert. Noch ist es zu früh, um einen Effekt dieser Maßnahmen auf das chinesische Bruttoinlandsprodukt feststellen zu können.

Folgen des Protektionismus

In den USA wiederum werden die Auswirkungen der Zollpolitik bislang noch von den weitreichenden Steuererleichterungen überdeckt. Unerwünschte Folgen des Protektionismus könnten sich jedoch bereits in den Gewinnbilanzen der Unternehmen im dritten Quartal zeigen. Gewinnwarnungen aufgrund von höheren Zöllen in Verbindung mit gestiegenem Lohndruck könnten sich in der aktuellen spätzyklischen Phase als toxische Mischung erweisen. Sobald Protektionismus zu einem strukturellen Problem wird, und sich nicht als politische Volte Donald Trumps erweist, wird es für die Märkte ungemütlich.

Die bereits hohe Risikoaversion der Investoren wurde jüngst zusätzlich durch die desolate Haushaltslage in Italien und den Haushaltsstreit zwischen EU-Kommission und italienischer Regierung verschärft. Brüssel fürchtet eine neue Schuldenkrise, sollte Italien seine Haushaltspläne nicht überdenken.

Der Markt steckt im Korrekturmodus

Zwar hat sich die Volatilität zuletzt aufgrund der vielen Unsicherheiten erhöht. Wir halten es jedoch für verfrüht, den Eintritt in einen Bärenmarkt auszurufen. Unserer Einschätzung nach handelt es sich bei der aktuellen Marktphase um eine Korrektur und noch nicht um einen generellen Trendwechsel. Allerdings könnte sich die Neubewertung von Assets noch einige Zeit fortsetzen. Wir halten uns bereit, um insbesondere Kaufgelegenheiten in Europa zu nutzen, sobald sich die Unsicherheit hinsichtlich Italien gelegt hat. Gleiches gilt für die Schwellenmärkte: Sobald sich die aus steigenden US-Zinsen und einem starken US-Dollars entstehenden Risiken abschwächen, ergeben sich Kaufchancen.

Derweil verringern wir das Gesamtrisiko, indem wir auf defensivere Bereiche des Aktienmarkts ausweichen. Wir buchen vorzugsweise Qualitäts- und Value-Titel ins Portfolio und erhöhen die Duration.

Auf der Anleiheseite, insbesondere mit Blick auf US-Treasuries, sehen wir derzeit keinen zwingenden Grund, um unsere Positionierung zum jetzigen Zeitpunkt zu ändern. Wir gehen davon aus, dass die Zinsen in den USA bereits relativ nahe an ihre zu erwartenden Höchststände herangerückt sind.