Amundi zu Sell-Off an den Märkten Jüngste Kurseinbrüche noch nicht der Beginn eines Bärenzyklus

Fed-Chef Jerome Powell: Neue Zinsschritte der US-Notenbank könnten rascher als gedacht erfolgen. | © Getty Images

Fed-Chef Jerome Powell: Neue Zinsschritte der US-Notenbank könnten rascher als gedacht erfolgen. Foto: Getty Images

Thomas Kruse, Investmentchef bei Amundi Deutschland

Mit dem Herbstbeginn hat sich die Stimmung an den Märkten eingetrübt. Der Volatilitätsindikator VIX zeigt Werte an, die seit März nicht mehr erreicht wurden. Die globalen Leitindizes haben binnen Monatsfrist klar korrigiert. Der S&P500 hat rund 5 Prozent verloren, der Eurostoxx50 liegt 4 Prozent im Minus und der Hang Seng verbilligte sich um 7 Prozent (Daten per 10.10.2018).

Teilweise hängen diese Kursverluste in der aktuellen Spätphase des Bullenmarktes mit der Erwartungshaltung der Marktteilnehmer zusammen: In diesem kritischen Zeitraum können sogar gute Nachrichten und eigentlich überzeugende Indikatoren als schlechte Nachrichten gelesen werden, weil die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) damit Nahrung für weitere, rasche Zinserhöhungen erhält. Zuletzt hatte die sehr niedrige Arbeitslosigkeit in den USA dazu geführt, dass die Rendite der zehnjährigen Treasuries über 3,2 Prozent gestiegen ist – ein seit sieben Jahren nicht erreichter Wert.

Die Veröffentlichung der US-Erzeugerpreise am 10. Oktober, die einen Inflationsschub von 2,5 Prozent signalisieren, lassen weitere Zinsschritte der Fed erwarten. Diese könnten in einem engeren Turnus erfolgen, als die Marktteilnehmer bislang annehmen. Aktien sind daher unter Druck: Um Risiken aus den Portfolios zu nehmen, haben Anleger in einem ersten Schritt die in den vergangenen Monaten bei Tech-Werten aufgelaufenen Gewinne mitgenommen. Auf Monatssicht ist dadurch etwa der NYSE FANG Index um rund 8 Prozent gefallen (per 10.10.2018).

Was in den kommenden Tagen und Wochen zu erwarten ist

Wir stellen uns auf eine weiterhin hohe Volatilität ein. Die Gefahr von neuen Kurseinbrüchen besteht unverändert fort. Nicht zuletzt, weil eine Vielzahl von Marktteilnehmern derzeit technische Anpassungen in ihren Portfolios vornimmt – angesichts der steigenden Volatilität sehen sie sich gezwungen, Risiken einzugrenzen.

Im besonderen Fokus der Anleger stehen derzeit die neuen Quartalsbilanzen der US-Unternehmen. Die Marktteilnehmer werden ganz genau darauf achten, inwieweit Einflüsse aus der Politik die Unternehmenszahlen bewegen. Besonders interessiert dabei zum einen, welchen Einfluss die Handelszölle auf die Unternehmensgewinne und die Inflation haben. Zum anderen wird ganz genau beobachtet, wie sich die Iran-Sanktionen auf die Entwicklung der Ölpreise auswirken.

Kaufgelegenheit oder Ende des Bullenmarktes?

Bis zum Jahresende dürfte die Volatilität anhalten. Weil der Eintritt in einen Bärenmarkt von durchweg roten Kurszahlen geprägt ist, scheint die aktuelle Lage eher auf eine Kurskorrektur hinzudeuten: Die Wirtschaftsindikatoren sind weiterhin solide, beginnen sich aber auch in den USA leicht abzuschwächen.

Die Finanzmärkte hingegen warten mit durchwachsenen, aber nicht besorgniserregenden Zahlen auf. Die dem Markt zur Verfügung stehende Liquidität nimmt etwas ab. Die US-Verschuldung scheint leicht zurückzugehen, in der Eurozone bewegt sich die Verschuldungslage weiterhin im Rahmen. Einzig in einzelnen Schwellenmärkten gibt es Grund zur Sorge.

Es gibt derzeit keine Hinweise auf übertrieben viele Börsengänge (IPOs). In den USA lässt sich ein leichter Anstieg von Übernahmen und Fusionen (M&A) verzeichnen; in Europa hingegen sehen wir hier keine Auffälligkeiten. Marktteilnehmer halten derweil die Gewinnerwartungen der Unternehmen im Blick – sie sind das Zünglein an der Waage für den weiteren Kurs der Märkte.

Wie Anleger die aktuelle Lage an den Märkten spielen können

Aufgrund der technischen Umschichtungen, die Anleger im Sog der Volatilität vornehmen, stellen wir uns auf weiter nachgebende Asset-Preise ein. In der Vergangenheit stark im Preis gestiegene Growth-Aktien und stark gehebelte Bereiche der Kreditmärkte meiden wir. Angesichts des starken US-Dollars und der steigenden Zinssätze in den USA dürften Schwellenländer-Anleihen unter Druck bleiben. Gute aufgestellte Schwellenländer, denen es gelingt, sich den Gegebenheiten anzupassen, bleiben für Anleger dennoch interessant: Die Anlageklasse bietet langfristig orientierten Anlegern, denen Volatilität wenig ausmacht, gute Chancen, etwa im Income-Sektor.

Wir setzen im aktuellen Umfeld vorrangig auf US-Anleihen, bleiben breit diversifiziert, schätzen Qualität und Liquidität und suchen nach stark unterbewerteten Value-Titeln. Aus Growth-Bereichen, die in der Vergangenheit von Anlegern stark gekauft wurden, ziehen wir uns zurück.

Soweit nicht anders angegeben, beruhen die hier enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Amundi Asset Management und haben den Stand 10.10.2018. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Diese Veröffentlichung ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt diese Veröffentlichung kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Amundi Deutschland GmbH ist ein Unternehmen der Amundi Gruppe.