Amundi-Experte im Interview „Vola-Fonds bieten sinnvolle Ergänzung zu traditionellen Anlageklassen“

Ist seit Mai 2015 bei Amundi: Stephan Eckhardt

Ist seit Mai 2015 bei Amundi: Stephan Eckhardt

Amundi hat zwei Volatilitäts-Fonds mit direktionaler Strategie im Angebot. Wie investieren die Fonds in Volatilität?

Stephan Eckhardt: Ganz klassisch. Wir kaufen Aktienindexoptionen und hedgen die unerwünschten Risiken, sprich Index- und Zinsrisiken, heraus. So können wir direkt auf die implizite, also die am Markt erwartete Volatilität setzen. Wir investieren nur in Indexoptionen. Diese haben den Vorteil, dass sie börsennotiert und sehr liquide sind. Für den Amundi Funds Absolute Volatility Euro Equities setzen wir auf Optionen auf den Euro Stoxx 50. Beim Amundi Funds Absolute Volatility World Equities nutzen wir einen Mix der großen globalen Aktienindizes. Grundsätzlich kaufen wir Volatilität, wenn sie niedrig ist, und verkaufen, wenn sie hoch ist.

Das versuchen viele auch mit Aktien – und scheitern.

Eckhardt: Volatilität funktioniert anders als Aktien. Während der Aktienmarkt langfristig nach oben geht, ist Volatilität trendlos und bewegt sich letztlich seitwärts. Sie kehrt immer wieder zu einem Durchschnittsniveau zurück. Wir wissen also, wenn die Volatilität deutlich unter diesem Level liegt, dass sie irgendwann wieder steigt. Das gleiche gilt andersherum bei sehr hohen Werten. Ein Investmentraster gibt uns vor, wie stark das Volatilitäts-Exposure bei bestimmten Volatilitätshöhen sein sollte und ab wann wir short gehen. Allerdings haben unsere Fondsmanager hier Spielraum. Dieser bietet die Möglichkeit für aktives Management und erlaubt, dass sie ihre Markteinschätzungen umsetzen und den Kostenfaktor mit berücksichtigen können.

Zum Beispiel?

Eckhardt: Nehmen wir die aktuelle Situation seit Jahresanfang. Die Volatilitätserwartungen sind weiter gesunken. Nach dem Raster müsste unser Vega bei 2 liegen. Das Vega misst, wie stark das Portfolio auf Volatilitäts-Veränderungen reagiert. Steigt die Volatilität um 2 Prozentpunkte an, hätten wir bei einem Vega von 2 ein Plus von 4 Prozent. Im Euro-Fonds haben wir allerdings nur ein Vega von rund 1,4 per Ende Februar. Die Untergewichtung ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Fondsmanager vor den Frankreich-Wahlen keinen eindeutigen Grund für eine steigende Volatilität sehen. Andererseits können sie so durch das geringere Exposure die Kosten reduzieren.

Was sind das für Kosten?

Eckhardt: Bei Optionen gibt es einen Zeitwertverlust, daneben entstehen Rollkosten. Wir investieren durchschnittlich in einjährige implizite Volatilitäten. Beispielhaft dargestellt kaufen wir eine 15-monatige Option und verkaufen sie sechs Monate später. In der Regel bekommen wir weniger für die neunmonatige Option als wir für die neue 15-monatige Option zahlen müssen. Allerdings hängen die Kosten stark vom Marktumfeld ab. 2016 beispielsweise hatte der Euro Stoxx 50 im Durchschnitt eine inverse Laufzeitenstruktur, so dass wir keine Kosten hatten. Zudem war die historische Volatilität im Durchschnitt höher als die einjährige implizite Volatilität.

Welche Rolle übernehmen die Volatilitäts-Fonds im Portfolio?

Eckhardt: Zum einen diversifizieren sie das Portfolio, da sie meist negativ mit den Aktienmärkten korrelieren. Nur wenn wir short gehen, haben wir eine hohe positive Korrelation mit den Aktienmärkten. Allerdings gehen wir auch nur short, wenn wir vom hohen Niveau sinkende Volatilitäten erwarten und die gehen meist mit steigenden Aktienkursen einher. Die meiste Zeit sind die Fonds long investiert und dann stellen sie eine sinnvolle Ergänzung dar, wenn es an den Aktienmärkten abwärts geht. Zum anderen können die Fonds aber auch Dank des aktiven Managements Rendite liefern, wenn das Marktumfeld es erlaubt.

Sind sie als langfristiges Investment geeignet?

Eckhardt: Ja. Im Gegensatz zu ETFs auf Volatilitätsindizes wie den Vix, die sich nur als taktisches Investment eignen, können unsere Fonds als langfristige Anlage genutzt werden. Die taktischen Entscheidungen übernehmen die Fondsmanager. Die meisten unserer Investoren haben eine langfristige Allokation, die sie regelmäßig überprüfen und je nach Marktlage erhöhen oder reduzieren. 2016 hatten wir bis Oktober starke Zuflüsse. In diesem Jahr verzeichnen wir bislang eher Abflüsse. Die zurzeit niedrige Volatilität bietet aber einen guten Einstiegszeitpunkt, wenn man steigende Marktunsicherheit für die nahe Zukunft beziehungsweise für 2017 erwartet.

Hier geht es zum Themenspecial „Wie Sie mit direktionalen Volatilitätstrategien von Marktschwankungen profitieren können“.