Anlagerichtlinien und steuerliche Implikationen Was die US-Elite-Universität Yale mit dem Sondervermögen zu tun hat

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Anlagerichtlinien und steuerliche Implikationen
Was die US-Elite-Universität Yale mit dem Sondervermögen zu tun hat
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Alexander Köster von Kontora

Alexander Köster von Kontora: „Neben den aufsichtsrechtlichen Aspekten führt die steuerliche Einordnung alternativer Investments regelmäßig zur Ablehnung. Während Einkünfte aus Kapitalvermögen für gemeinnützige Stiftungen und kirchliche Vermögen steuerfrei sind, unterliegen Erträge von Investments aus dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb grundsätzlich der Körperschafts- und Gewerbesteuer – im Schnitt fallen bis zu 30 Prozent Steuern an.“ Foto: Felix Liebel

In Zeiten hoher Inflation und negativer Realrenditen erweist sich das klassische, aus Renten und Aktien bestehende Stiftungsportfolio als wenig krisenresistent. Jahrzehntelang bildeten sie die Standbeine in den Portfolios von Stiftungen und Kirchen. In Jahren schwacher Aktienmärkte haben sich Renten als Stabilisator bewiesen. 2022 fielen jedoch beide Anlageklassen auf Tiefstände. Stiftungen und kirchliche Vermögen, die eine konservative Allokationsstrategie verfolgen, stehen somit vor einem Dilemma. Steigende Zinsen, hohe Inflation, die Rückkehr von Volatilität an den Kapitalmärkten und geopolitische Risiken erhöhen den Wunsch nach Stabilität. Insbesondere Stiftungen sind stets darauf angewiesen, stabile Erträge zu erwirtschaften, um neben dem realen Kapitalerhalt dem Stiftungszweck nachkommen zu können. Der Wunsch nach einem krisenresistenten „Allwetterportfolio“ wird damit immer größer.

Der Erfolg der US-Stiftungsfonds

Der Gedanke eines „Allwetterportfolios“ für Stiftungen ist nicht neu. Die Endowments-Fonds in den USA verfolgen diese Strategie seit Jahrzehnten. Das Yale Endowment erzielte in den vergangenen 20 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 11,3 Prozent. Zum Vergleich: Der MSC World Index kommt in diesem Zeitraum auf 6 Prozent. Damit wurde der Aktienmarkt um 5,3 Prozentpunkte pro Jahr geschlagen – bei geringerer Wertschwankung. Bemerkenswert: Das Endowment hat in 20 Jahren nur 2009 mit einem Verlust abgeschlossen. Das Konzept dahinter ist einfach: Yale schichtete in den vergangenen Jahrzehnten das Portfolio von Aktien und Anleihen in ein diversifiziertes Portfolio mit einem hohen Anteil an alternativen Investments um. Den Schwerpunkt bilden illiquide Investments, die sich durch einen geringen Gleichlauf zu Aktien und Anleihen sowie hohe Ausschüttungspotenziale auszeichnen.

Umsetzungshürden in der Praxis

Anlagerichtlinien und steuerliche Implikationen können Hürden bei der Umsetzung alternativer Investments darstellen. Das Gros der Investments im Stiftungsvermögen generiert daher Einkünfte, die der Vermögensverwaltung zuzuordnen sind, etwa Einkünfte aus Kapitalvermögen und Vermietung. Ein Großteil der illiquiden alternativen Investments wie beispielsweise Private Equity zählen zu den gewerblichen Investments, die hingegen dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zugeordnet werden. Grundsätzlich ist die Gemeinnützigkeit durch Investitionen im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb nicht gefährdet. Problematisch kann es dann werden, wenn dauerhaft Verluste im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb entstehen.

 

 

 

Der Vorstand muss daher vor jedem Investment entscheiden, ob die Investition wirtschaftlich vertretbar ist. Neben den aufsichtsrechtlichen Aspekten führt die steuerliche Einordnung alternativer Investments regelmäßig zur Ablehnung. Während Einkünfte aus Kapitalvermögen für gemeinnützige Stiftungen und kirchliche Vermögen steuerfrei sind, unterliegen Erträge von Investments aus dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb grundsätzlich der Körperschafts- und Gewerbesteuer – im Schnitt fallen bis zu 30 Prozent Steuern an.

Das Sondervermögen

Mit einem Sondervermögen lassen sich die Allwetterportfolios der US-Endowments-Fonds umsetzen, ohne die skizzierten Hürden fürchten zu müssen.

Funktionsweise

Mit der Umsetzung des geschlossenen Sondervermögens wird eine Investment-Infrastruktur geschaffen, die einem „Ein-Anleger-Fonds“ gleichkommt. Der Investor zahlt Geld an die Kapitalverwaltungsgesellschaft, die dieses Geld zwar im eigenen Namen, aber auf Rechnung des Auftraggebers in die jeweiligen Zielinvestments leitet. Im Gegenzug erhält der Investor Anteile am Sondervermögen. Hierbei handelt es sich um Anteilsscheine, die im Wertpapierdepot gehalten werden.

 

Quelle: EY (Musterbeispielberechnung, gerundete Werte)