Alternatives in der Corona-Krise, Teil 2 Warum sich Hedgefonds in der Krise gut behaupten

Marcus Storr ist bei Feri Trust für Portfoliomanagement und Managerauswahl zuständig. | © Feri Trust

Marcus Storr ist bei Feri Trust für Portfoliomanagement und Managerauswahl zuständig. Foto: Feri Trust

Als im März die dramatischen Folgen der weltweiten Ausbreitung des Corona-Virus nicht mehr zu übersehen waren, zogen sich Investoren aus Risikoanlagen und in ihre Homeoffices zurück. Während die meisten Aktienindizes durch den Crash Verluste im doppelstelligen Bereich hinnehmen mussten, kamen die breiten Hedgefonds-Indizes mit einem Minus von 7 Prozent noch einigermaßen glimpflich davon.

Die Anlageklasse ist heute insgesamt stabiler, auch weil die Branche aus den Fehlern der großen Finanzkrise gelernt hat und strukturelle Veränderungen auf den Weg gebracht wurden. So fiel das weltweit von Hedgefonds verwaltete Vermögen, das Ende 2019 erstmalig mehr als 3 Billionen Euro betragen hatte, bis Ende März auf etwa 2,74 Billionen Euro und blieb damit relativ konstant.

Zum Vergleich: In der Finanzkrise 2008/2009 hatte sich das verwaltete Vermögen der Hedgefonds auf weniger als eine Billion Euro halbiert. Damals wurden Schwachstellen bei Fondsstrukturen und -finanzierung schonungslos offengelegt. In den Folgejahren sorgte dann die verstärkte Regulierung und eine hohe Nachfrage nach Alternative Investments dafür, dass die Branche festen Boden unter die Füße bekam. Die Volcker-Rule reduzierte Interessenkonflikte, indem sie die Banken dazu zwang den Eigenhandel zu begrenzen. Fortan beschränkten sich die Investmentbanken auf ihre Rolle als Prime Broker der Hedgefonds.

Die Hedgefonds wiederum müssen seither mit der sogenannten Variation Margin eine Sicherheitsleistung bei ihrem Broker hinterlegen, wenn sie als Händler bei Börsentermingeschäften auftreten. Durch diesen Sicherheitspuffer konnten die Nachschusspflichten der Hedgefonds im Terminhandel, die durch den Aktien-Crash im März ausgelöst wurden, abgefedert werden. Insgesamt kann man feststellen, dass die Liquiditätsbedingungen der Hedgefonds heute weitaus besser sind.

Die Einzelstrategie entscheidet

Dass Hedgefonds im März gemeinsam mit den Aktienmärkten in die roten Zahlen gerutscht sind, liegt zu einem guten Teil an den weit verbreiteten Equity-Long/Short-Investments. Diese klassische und sehr populäre Hedgefondsstrategie weist eine relativ starke Korrelation zu den traditionellen Märkten auf. Der Grundgedanke besteht darin, über das Eingehen von Short-Positionen die Marktabhängigkeit des Portfolios zu reduzieren und die relative Wertentwicklung von Long- und Short-Positionen als risikolose Ertragsquelle, das Alpha, zu erschließen.

Bei einem durchschnittlichen Equity-Long/Short-Hedgefonds übersteigt der Marktwert der Long-Positionen heutzutage den der Short-Positionen. Aus der Differenz zwischen Long- und Short-Positionen – das sogenannte Net-Exposure – lässt sich die Marktabhängigkeit, das Beta des Fonds gut einschätzen. Daten der US-amerikanischen Prime Broker zeigten für Ende Februar ein durchschnittliches Net-Exposure der Equity-Long/Short- Hedgefonds von 40 bis 50 Prozent. Während das Alpha, also der Mehrwert aus erfolgreicher Aktienselektion, im ersten Quartal positiv war, führte dieses Beta in den kollabierenden Aktienmärkten zu Verlusten. Darunter litt, wie zu erwarten, auch die Equity-Long/Short-Strategie.

Krisenfeste Hedgefondsstrategien

Mit Arbitrage-Strategien, die auf Preisdifferenzen oder den Eintritt bestimmter Ereignisse spekulieren, konnten Investoren dagegen generell bessere Ergebnisse erzielen. Merger-Arbitrage-Hedgefonds setzen zum Beispiel darauf, dass eine angekündigte Fusion oder Übernahme gelingt, um den nach der Ankündigung verbliebenen Spread zwischen Übernahmeangebot und Marktbewertung zu vereinnahmen.

Mitte März weiteten sich diese Spreads aufgrund technischer Ursachen kurzfristig auf Niveaus wie zuletzt im Jahr 2008 aus, was den entsprechenden Hedgefonds reichlich Spielraum für Arbitragegewinne eröffnete. Auch in anderen Anlageklassen ergaben sich plötzlich Möglichkeiten zur Nutzung von Preisdifferenzen. Wandelanleihen werteten teilweise bis unter ihren Bond-Floor ab. Strukturierte Kreditprodukte verloren heftig, nachdem liquide Fondsprodukte wie Hypotheken-REITS und Mutual Funds zu Notverkäufen gezwungen worden waren, um Fondsverkäufe und Nachschusspflichten zu bedienen.

Besonders gut schnitten Global Macro-Hedgefonds ab, bei denen das Management auf makroökonomische Trends setzt. Der typische Hedgefonds dieser Gruppe investiert weltweit in liquide Instrumente, insbesondere in Futures auf Währungen, Rohstoffe und Staatsanleihen.

Systematische Global-Macro-Hedgefonds operieren dabei mit starkem Leverage und hohem Handelsvolumen. Diskretionäre Global-Macro-Hedgefonds investieren dagegen längerfristiger und auf Grundlage ökonomischer Analysen. Beide Strategien erzielten im März positive Renditen.