Alternative Strategien Wie sich steigende Zinsen meistern lassen

Neuer Apple-Campus im kalifornischen Cupertino: Technologieunternehmen mit hoher Liquidität werden steigende Zinsen besser meistern als hochverschuldete Unternehmen. | © Getty Images

Neuer Apple-Campus im kalifornischen Cupertino: Technologieunternehmen mit hoher Liquidität werden steigende Zinsen besser meistern als hochverschuldete Unternehmen. Foto: Getty Images

Brooks Ritchey von K2 Advisors

Die Herausforderungen für Anleger verändern sich. Die massive Ausweitung der Zentralbankbilanzen in den Industrieländern nach 2008 – eine der stärksten Triebkräfte des Marktes während des vergangenen Jahrzehnts – beginnt nun, sich umzukehren. Dies ist sowohl in den USA als auch in anderen Industrieländern erkennbar. Die Märkte sind infolgedessen einer erhöhten Volatilität ausgesetzt und es droht ein Anstieg der Inflation. Das Gewinnwachstum scheint sich etwas zu verlangsamen. Zudem sind makroökonomische Bedenken – einschließlich geopolitischer Krisenherde, zunehmender politischer Unsicherheit in Europa und drohender Handelskriege – hinsichtlich der Marktstabilität durchaus berechtigt.

Vor allem die jüngsten Abschwünge an den Aktienmärkten könnten sich als problematisch erweisen. Diese Rückgänge erfolgen angesichts steigender Zinsen. In der Vergangenheit konnten Anleger, die die Volatilität bei Aktien handhaben wollten, klassische Kernanleihen, wie zum Beispiel Bundesanleihen, nutzen. Heutzutage bringt eine Übergewichtung in Kernanleihen aufgrund der erhöhten Anfälligkeit gegenüber Zinserhöhungen eigene Risiken mit sich.

Aufgrund der Lage fragen sich Anleger wie sie mit ihren Aktien-Allokationen umgehen sollen, insbesondere angesichts der derzeitigen Bewertungen und der steigenden Volatilität. Sie sind aufgrund der steigenden Zinsen auch über ihre Allokationen in Anleihen besorgt. Diese Risiken wollen sie mindern.

Neue Geldpolitik stützt Hedge-Strategien

Um die bestehenden Unsicherheiten am Markt zu schultern, kann eine erhöhte Allokation in Hedge-Strategien ein geeigneter Ansatz sein. So sehen wir angesichts des neuen Umfelds steigender Zinsen Vorteile für Anlagen in Long-Short-Hedge-Strategien.

Die vergangenen 25 Jahre haben gezeigt: Wenn die Zinsen der Zentralbanken steigen, ergeben sich häufig größere Unterschiede bei den einzelnen Zinssätzen für bestimmte Sektoren, Unternehmen und Staatsanleihen. Für den größten Teil der vergangenen 10 Jahre wurden die Zinssätze weltweit künstlich niedrig gehalten und wirtschaftlich weniger gut aufgestellte Unternehmen oder Länder konnten dank relativ niedriger Finanzierungskosten überleben. Dies gehörte zum Kalkül der Zentralbanken, weil sie die Aktien- und Anleihenmärkte stabilisieren wollten.

Die steigenden Zinsen beginnen nun die Spreu vom Weizen zu trennen: Es tut sich eine größere Lücke zwischen Unternehmen mit höherem Verschuldungsgrad zum einen und beispielsweise Technologieunternehmen mit hoher Liquidität zum anderen auf, für die steigende Zinsen kein Problem darstellen.

Die durch höhere Zinssätze beeinflusste Diskrepanz bei der Wertentwicklung einzelner Sektoren und Unternehmen schafft also die Chance auf Überrenditen, also Mehrwert, den ein Manager unabhängig von der Bewegung des Marktes gegenüber einer passiven Strategie erzielt.

Umfeld für Event-Driven-Strategie günstig

Aktuell sehen wir bemerkenswerte Verbesserungen bei den Anlagechancen in drei Hedge-Strategien: Global Macro, Event Driven und Relative Value. Wir greifen die Event-Driven-Strategie heraus, auch als Fusionsarbitrage bekannt.

Unseren Analysen nach ist vor allem in der Medienbranche das Umfeld für Fusionen günstig. Die Unternehmenstätigkeit wird insbesondere in den USA gestützt durch Steuersenkungen für Unternehmen, die Rückführung von Liquidität und starke Kreditmärkte.

Auch die fortschreitende technologische Entwicklung betrachten wir als einen wesentlichen Faktor, der Firmenfusionen unterstützt. Insbesondere im Halbleiter-Sektor versuchen Unternehmen innovative Start-ups zu übernehmen, anstelle eine kosten- und zeitintensive Entwicklung eigener  Innovationen zu betreiben.

Allerdings könnte die Industriepolitik einzelner Volkswirtschaften zukünftige Fusionen und Übernahmen erschweren: Politische Überlegungen treten im Rahmen der globalen Wirtschafts- und Handelsentwicklung zunehmend in den Vordergrund. Regierungen weltweit haben im Interesse ihrer nationalen Sicherheit zunehmend ein Auge auf den Austausch von kritischen Technologien zwischen Unternehmen. Dies gilt nicht nur für China und die USA, sondern auch für Kanada, Deutschland, Australien und Großbritannien. Gerade die größere Unsicherheit in Verbindung mit der Industriepolitik könnte jedoch die Spreads erheblich erweitern – und somit interessante Anlagechancen schaffen.

Mit angepasster Allokation Chancen sichern

Es gibt drei wesentliche Allokationsbausteine in Portfolios: Aktien, Anleihen und alternative Anlagestrategien. Die Frage, in welchem Umfang und wann Allokationen umgeschichtet werden sollten, ist für das Risikomanagement ganz entscheidend. In der weiteren Entwicklung der Märkte bestehen große Unsicherheiten: Kann das weltweite Wachstum anhalten? Wird es eine Entkoppelung zwischen den USA und dem Rest der Welt geben? Wie werden die Handelsspannungen zwischen den USA und China gelöst?

Was auch immer die zukünftigen Ergebnisse sein mögen: Wichtig ist zu verstehen, inwieweit sich alternative Anlagestrategien als wirksame Werkzeuge für den Anlageerfolg anbieten.

Wir sind der Ansicht, dass eine erhöhte Allokation in alternative Strategien die Risiken für ein Portfolio abschwächen kann. Alternative Strategien können von Faktoren wie Volatilität, Sektor-Rotation und einem asynchronen weltweiten Wachstum profitieren.