Von Sekundärmärkten bis KI-Fonds Drei Alternativen zum klassischen 60/40-Portfolio

Katharina Werner und Mark Hempstead

Katharina Werner, Portfoliomanagerin bei J.P. Morgan Private Bank in Frankfurt, und Mark Hempstead, Leiter Alternative Investments für Europa, Nahen Osten und Afrika bei J.P. Morgan Wealth Management in London. Bildquelle: J.P. Morgan

Das Investitionsjahr 2025 gleicht einer Achterbahn und stellt Vermögensverwalter vor große Herausforderungen. Die US-Wirtschaft zeigt sich robust, Europa erholt sich langsam. Doch die erhöhten Handels- und Zollrisiken, geopolitische Krisen und der Hype um künstliche Intelligenz überschatten diese Entwicklung.

In diesem Umfeld können Alternative Investments das klassische 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen ergänzen, indem sie Einkommen, Diversifikation und Zugang zu säkularem Wachstum bieten. Dabei stechen drei Bereiche hervor: Hedgefonds, Infrastruktur und KI-Investments.

Hedgefonds nutzen Schwankungen

Hedgefonds, etwa solche mit Relative-Value- oder Makro-Ansatz, profitieren von der hohen Volatilität und der daraus resultierenden Streuung der erwarteten Renditen. Sie können absolute Renditen erzielen, die über Anleihen liegen. Gleichzeitig schützen sie bei Aktienrückgängen.

Inflation und Zinsen verharren aufgrund von Zöllen und geopolitischen Spannungen auf hohem Niveau. Festverzinsliche Wertpapiere allein reichen da möglicherweise nicht als Stabilisator.

Infrastruktur bringt planbare Erträge

Infrastrukturinvestments bieten konstante Renditen, gestützt auf langfristige, inflationsresistente und vertraglich gesicherte Cashflows. Gleichzeitig eröffnen sich Investoren mit ihnen den Zugang zu langfristigen, wachstumsstarken und säkularen Trends wie der beschleunigten Energienachfrage, der Notwendigkeit der Erneuerung der US-Infrastruktur und der Rückverlagerung von Produktion in die USA.

 

Zwischen dem zweiten Quartal 2008 und dem dritten Quartal 2024 erzielten Kerninfrastrukturinvestments durchschnittliche annualisierte Renditen im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich – unabhängig von Inflation und dem makroökonomischen Umfeld.

Hinzu kommt, dass Investoren historisch gesehen nur in geringem Umfang in Infrastruktur investiert sind. Laut dem Global Family Office Report 2024 der J.P. Morgan Private Bank machte Infrastruktur weniger als ein Prozent der verwalteten Vermögen aus.

Deutschland unterstreicht die hohe Bedeutung von Investitionen in diesem Bereich mit seinem 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturprogramm. Das im März beschlossene Konjunkturpaket übertrifft voraussichtlich sogar das US-amerikanische IIJA (Infrastructure Investment and Jobs Act) von 2021 in seinem Einfluss auf die Wirtschaft. Europaweit lässt sich der Trend beobachten, dass zahlreiche Länder Investitionen in Verteidigung und digitale Infrastruktur nachholen.

Sekundärmärkte werden wichtiger

IPOs und strategische Übernahmen sind zuletzt eingebrochen. Hohe Zinsen und volatile Aktienmärkte bremsen Transaktionen. Doch die zweite Jahreshälfte 2025 könnte die Wende bringen, wobei Bankenreformen und sinkende Zinsen helfen.

Hinzu kommt, dass Private-Equity-Manager mehrjährige Rückstände (Backlogs) mit Blick auf den Verkauf von Portfoliounternehmen auflösen (um Ausschüttungen an Investoren zu ermöglichen). Das könnte die Sekundärmärkte beleben – etwa über den Verkauf bestehender Anteile an Private-Equity- oder andere alternative Investmentfonds durch die Limited Partners (LPs), oder den Verkauf von Anteilen an Portfoliounternehmen an andere Fonds durch General Partners (GPs).

2024 wuchsen die globalen Sekundärmärkte um 45 Prozent auf über 160 Milliarden US-Dollar. Die Hälfte der LP-Transaktionen entstand durch Liquiditätsbedarf und Portfolioumbau.; 40 der beteiligten Limited Partners handelten erstmals auf Sekundärmärkten. GP-geführte Transaktionen erreichten Rekordniveaus und Einzel-Asset-Deals übertrafen Multi-Asset-Deals, was auf eine Verschiebung hin zu nicht-traditionellen Exit-Strategien hinweist.

Wir erwarten, dass das Volumen des Sekundärmarktes weiter wachsen wird. Die durchschnittliche Haltedauer bei Buyout-Exits stieg 2024 auf sechs Jahre – 2005 waren es vier Jahre. Ausschüttungen als Prozentsatz des Nettovermögens der Fonds sind auf dem niedrigsten Stand seit 2009. 

Wir gehen auch davon aus, dass LPs weiterhin Sekundärmärkte nutzen werden, um ihre Portfolios neu auszurichten. Auch für Stiftungen, die derzeit nur einen kleinen Teil des Sekundärtransaktionsvolumens ausmachen, könnte das Segment zu einem wichtigeren Bestandteil im Portfolio-Management heranwachsen.

Auch eine strategische Allokation in Sekundärmärkte kann ratsam sein. Sekundärmärkte mildern den J-Curve-Effekt geschlossener Fonds. Frühe negative Renditen durch Kapitalaufrufe werden ausgeglichen. Investoren erhalten Einblick in die Vermögenswerte und reduzieren das Blind-Pool-Risiko.

KI eröffnet neue Chancen

Künstliche Intelligenz bietet einen mehrjährigen Wachstumstrend. Diese nächste Phase bietet alternative Investitionsmöglichkeiten, etwa in technologieorientierte Private-Equity-, Growth-Equity- und Venture-Capital-Fonds. Diese Fonds fokussieren durch KI erzielbare Effizienz-, Innovations-, Produktivität- und Wertschöpfungspotenziale in verschiedenen Branchen.

Ein Vorbehalt: Die ultimativen KI-Gewinner existieren möglicherweise noch nicht. Wir setzen daher auf die Schnittstelle von Wachstum und Rentabilität in Private-Equity- und Buyout-Fonds.

Unternehmenssoftware mit Abo-Modellen hat historisch wiederkehrende Erträge und Wachstum generiert. KI-gestützte Software wird das verstärken. Sie unterstützt Entscheidungen, optimiert Abläufe und steigert die Produktivität. 95 Prozent der Softwareunternehmen sind in Privatbesitz – hier liegt der Zugang. 

 

Obwohl noch früh im Entwicklungszyklus, erwarten wir, dass sowohl physische Automatisierung (zum Beispiel Robotik) als auch Dienstleistungsautomatisierung Investitionsmöglichkeiten in verschiedenen Branchen eröffnen werden. US-amerikanische Industrieunternehmen werden in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich 25 bis 30 Prozent ihrer Investitionsausgaben für die Automatisierung aufwenden, gegenüber 15  bis 20 Prozent in den vergangenen fünf Jahren.

Dienstleistungsautomatisierung, angetrieben durch maschinelles Lernen und Agentic AI, transformiert Kundeninteraktionen und Servicebereitstellung, bietet personalisierte Erlebnisse und senkt die Betriebskosten.

Die KI-Disruption läuft ungewöhnlich schnell. Manche Start-ups werden verschwinden, andere sehr erfolgreich sein. Das macht die Manager-Auswahl entscheidend.

Sorgfältige Auswahl bleibt wichtig 

Alternative Investments spielen als starke Ergänzung zum traditionellen 60/40-Portfolio eine Rolle wie nie zuvor. Due Diligence und Selektion bleiben entscheidend bei der Auswahl der richtigen Investitionspartner und -möglichkeiten. Und natürlich ist es wichtig, die Risiken zu berücksichtigen. Alternative Investmentstrategien, einschließlich Private Credit, Immobilien und Hedgefonds, sind spekulativ und beinhalten höhere Risiken, eingeschränkte Liquidität und Transparenz, weshalb sie ausschließlich für erfahrene Investoren geeignet sind.

Sorgfältig ausgewählt, glauben wir, dass Alternative Anlagen erheblich dazu beitragen können, die anhaltende Phase signifikanter Volatilität zu überstehen- Sie bringen Stabilität, Diversifikation und Resilienz ins Portfolio.


Über die Autoren:

Katharina Werner arbeitet als Portfoliomanagerin bei der J.P. Morgan Private Bank in Frankfurt. Sie berät Kunden zu Investments in verschiedenen Anlageklassen. Werner begann ihre Laufbahn 2016 bei der Deutsche Bank als Portfoliomanagerin und wechselte später als Aktienanalystin in die Wertpapieranalyse. 2022 kam sie zu J.P. Morgan.

Mark Hempstead leitet die Alternative Investments für Europa, Nahen Osten und Afrika bei J.P. Morgan Wealth Management in London. Er und sein Team beraten vermögende Privatkunden, Family Offices sowie Stiftungen beim Aufbau von Hedge-Fonds-, Private-Equity-, Private-Debt- und Real-Asset-Portfolios. 

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