Alternative Beta Timing von Faktoren ist extrem anspruchsvoll

Antike Kuckucksuhren in einem Museum in England. Das Einstellen aller Uhren auf die richtige Zeit bedarf viel Engagement. Ebenso anspruchsvoll ist der optimale Einsatz der zahlreichen Faktoren bei passiven Finanzinstrumenten | © Getty Images

Antike Kuckucksuhren in einem Museum in England. Das Einstellen aller Uhren auf die richtige Zeit bedarf viel Engagement. Ebenso anspruchsvoll ist der optimale Einsatz der zahlreichen Faktoren bei passiven Finanzinstrumenten Foto: Getty Images

In der wissenschaftlichen Literatur ist belegt, dass man über längere Zeiträume Risikoprämien für unterschiedliche Faktoren vereinnahmen kann. Faktorbasiertes Investieren an sich wird schon lange praktiziert, relativ neu ist jedoch, dass es hierfür transparente, regelbasierte Lösungen gibt. Solche Indizes sind bekannt unter dem Begriff Smart Beta.

Andere nennen es Strategic Beta, bei UBS sprechen wir von Alternative Beta. Darunter fallen Indizes, die nicht wie die großen klassischen Indizes nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. Unternehmen werden stattdessen entsprechend ihrer Ausprägung bestimmter Faktoren bewertet, das können zum Beispiel Value, Qualität oder niedrige Volatilität sein. Das Unternehmen mit der stärksten Ausprägung eines Faktors bekommt die höchste Gewichtung im jeweiligen Index.

Die Nachfrage nach ETFs auf solche alternativen Indizes hat sich in der letzten Zeit stark positiv entwickelt und wird weiter zunehmen. Smart Beta wird in den nächsten Jahren ein beherrschendes Thema in der ETF-Industrie bleiben. Der Bereich dürfte stärker wachsen als der gesamte ETF-Markt.

Nichtsdestotrotz werden ETFs auf nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes weiterhin wichtige Portfoliobausteine darstellen. Sie können zum Beispiel das klassische Kerninvestment stellen. Smart-Beta-ETFs werden dann als Satelliten dazu genommen, um das Risiko-Ertrags-Profil eines Portfolios gezielt zu verbessern. Die Volatilität und die Kursrückschläge sind geringer und teilweise sieht man auch schnellere Erholungsphasen nach Korrekturen.

Low-Volatility-Strategien hinken seit dem Brexit-Votum hinterher

Alternative-Beta-ETFs sind jedoch keine Zauberwaffen. Gerade die Konzentration auf einzelne Faktoren kann zu Enttäuschungen führen. Denn Faktoren sind zyklisch, nicht jeder Faktor punktet in jeder Marktlage. Es gibt Phasen, in denen ein Investment in einen einzelnen Faktor eine schlechtere Performance erzielt als der Referenzmarkt. Ein aktuelles Beispiel ist der Faktor Low Volatility, der seit Mitte 2016 dem klassischen Index MSCI EMU recht deutlich hinterherhinkt. Hier das richtige Timing zu finden ist eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe, die sich bei weitem nicht alle Investoren zutrauen.

Käufer von Alternative-Beta-ETFs stammen vor allem aus dem institutionellen Bereich. Dies überrascht nicht, denn nicht nur das Timing ist anspruchsvoll. Auch die Faktoren und die dazugehörigen Indizes sind komplizierte Konstruktionen, mit denen man sich detailliert auseinander setzen muss. Der Investor muss verstehen, wie die Indexwerte ausgewählt und wie sie gewichtet werden. Dann muss er entscheiden, welche Faktoren er wann wie stark ins Portfolio integriert.