Alternative Anlagestrategien im dritten Quartal Politik und Wirtschaft sorgen für viele Chancen

Shopper in Mailands Prachtpassage: Italiens Notenbank rechnet im laufenden Jahr mit dem stärksten Wirtschaftszuwachs für das Land seit zehn Jahren | © Getty Images

Shopper in Mailands Prachtpassage: Italiens Notenbank rechnet im laufenden Jahr mit dem stärksten Wirtschaftszuwachs für das Land seit zehn Jahren Foto: Getty Images

Zu Beginn des dritten Quartals gilt unser Augenmerk vor allem den Maßnahmen der US-Notenbank (Federal Reserve, Fed). Sie hat seit Dezember 2015 ihre Zinsen im Zuge einer offenkundigen Normalisierung der Geldpolitik jüngst zum vierten Mal angehoben. Aus Anlegersicht schätzen wir die Entscheidung der Fed für eine Zinsanhebung positiv ein – insbesondere vor dem Hintergrund der Divergenz zwischen der US-Politik und der aktuellen Strategie anderer bedeutender Zentralbanken wie etwa der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of Japan (BOJ). Diese setzen weiterhin auf lockere monetäre Programme. Die sich ergebende Divergenz bietet aktiven Hedge-Fonds Chancen auf echte, beständige Alpha-Quellen.

Fed gibt US-Wirtschaft Vertrauensvorschuss

Aus makroökonomischer Sicht schätzen wir die Entscheidung der US-Notenbank für steigende Zinsen jedoch zurückhaltender ein. Einige unserer Marktkenner sind der Ansicht, dass die Fed bei einer so niedrigen US-Kerninflation wie derzeit nicht ihre Zinsen anheben sollte. So hat sich Neel Kashkari, Präsident der Minneapolis Fed, sogar ausdrücklich gegen die Entscheidung ausgesprochen. Kashkari weist darauf hin, dass der Markt zuletzt gemischte Signale geliefert habe: Obwohl die Arbeitsmarktlage angespannt bleibt, geht die Inflation zurück.

Die Datenlage stimmt also nicht mit der von der US-Notenbank vertretenen These überein. In gewisser Hinsicht könnte die Entscheidung für eine Zinserhöhung daher als Vertrauensvorschuss gewertet werden. Kurz gefasst: Als Vertrauen in die Wirtschaftstheorie gegenüber der Realität. Denn obwohl sich die Lage am Arbeitsmarkt seit März verschärft hat, scheint das Inflationsziel der Fed nicht näher zu rücken.

Gutes Umfeld für Long-Short-Anlagen in Europa

Ungeachtet dessen, was sich im Hinblick auf Wirtschaftswachstum und Inflation in den USA letztlich herauskristallisiert – angesichts des guten Umfelds, das derzeit in Europa für Strategien im Bereich Long-Short-Anlagen zu verzeichnen ist, sind wir weiterhin zuversichtlich.

Die europäischen Aktienmärkte profitieren von relativ günstigen Bewertungen, besserem Ertragswachstum und einer allgemeinen globalen Reflation. Nachdem die meisten Probleme des Bankensektors nun gelöst sind, scheint Europa in einer guten Position zu sein, um neuerliches Wachstum zu erzielen. Darüber hinaus rechnen wir damit, dass das Alpha-Umfeld auch weiterhin robust bleiben wird, weil bestimmte Unternehmen, Sektoren und Länder dank ihrer Positionierung stärker vom Wirtschaftsaufschwung in Europa profitieren werden als andere. Auch wenn sich bislang noch keine Marktvolatilität eingestellt hat, sind die Korrelationen zurückgegangen, während sich die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern weiter öffnet – der Fachbegriff für diese Lücke lautet Dispersion. Insgesamt ergibt sich damit ein ausgezeichnetes Umfeld für eine fundamentale Titelselektion.

So hat die starke Abwertung des britischen Pfunds beispielsweise eine bessere Trennung und Ertragsvarianz zwischen denjenigen Unternehmen geschaffen, die stärker von Exporten profitieren, und denen, bei denen das nicht der Fall ist. Sollten die Zinsen innerhalb Europas allmählich ansteigen, wird sich das Umfeld für Long-Short-Anlagen weiter verbessern.

Während der vergangenen Monate haben wir zudem interessante Sektorrotationen beobachtet, beispielsweise hin zu Finanz- und Technologiewerten. Einige der defensiven Energiesektoren sowie rohstoffbezogene Anlagen sind hingegen zurückgefallen. Diese Dynamik hat Managern die Gelegenheit geboten, qualitativ hochwertige Long-Positionen gegenüber relativ effizienten Marktabsicherungspositionen einzusetzen.