Als Instrument in der Kapitalanlage Was die Blockchain-Technologie tatsächlich leisten kann

Katharina Gehra vom Blockchain-Start-up Immutable Insight sowie Ferenc von Kacsóh und Stefan R. Haake (r.) vom Family Office Pariter Fortis: Die drei Experten zeigen ausführlich die Vorzüge der Blockchain als Vehikel in der Kapitalanlage auf. | © Immutable Insight

Katharina Gehra vom Blockchain-Start-up Immutable Insight sowie Ferenc von Kacsóh und Stefan R. Haake (r.) vom Family Office Pariter Fortis: Die drei Experten zeigen ausführlich die Vorzüge der Blockchain als Vehikel in der Kapitalanlage auf. Foto: Immutable Insight

Starten wir mit den Grundlagen: Keine Technologie, die bisher erfunden wurde, hat die Menschheit ausschließlich für gute Zwecke genutzt. Das Grundprinzip der Blockchain ist ein Verfahren, um Sicherheit zwischen Menschen, Institutionen und Unternehmen zu schaffen, auch wenn sich diese zunächst weder kennen noch vertrauen. Wozu diese Technologie eingesetzt wird, liegt also – wie so vieles – in der Verantwortung der Nutzer. Die Summe aller Blockchains verbraucht jetzt schon so viel Energie in einem Jahr wie ganz Irland. Es gilt also viele Aspekte zu bedenken, aber dazu später.

Begriffsklärung

Die Blockchain ist dezentral. Die Blockchain ist lückenlos. Denn sie wird auf Rechnern dezentral gespeichert. Damit entfällt eine zentrale Datenspeicherung bei einer wie auch immer gearteten Autorität, beispielsweise dem Grundbuchamt. Das Netzwerk der beteiligten Rechner erteilt, sofern die zugefügte neue Transaktion den Vorgaben entspricht, die Genehmigung zur Transaktion automatisch (Smart Contract). Manipulationen fallen in der Regel sofort auf. Transaktionen werden dann abgelehnt.

Möchte man die Blockchain „sicher“ manipulieren, müsste man mindestens 51 Prozent aller vernetzten Rechner manipulieren und besitzen - Das ist schier undenkbar. Ohne Autorität ist aber nach heutigen juristischen Normen fraglich, ob Verträge immer rechtmäßig zustande kommen, so die Bedenken der Juristen. Die heutige Blockchain ist turbokapitalistisch getrieben: Mehr Kapital kauft mehr Rechenleistung, erzeugt mehr Macht, schafft mehr Kapital und so weiter.

Die Blockchain ist also, um es bildlich zu beschreiben, ein dezentral geführtes Journal, gemeinhin auch Kladde genannt (= Block), zeitgleich und unveränderlich fortgeschrieben von allen Beteiligten. Ist eine Kladde vollgeschrieben, wird durch ein mathematisches Verfahren eine neue Kladde erstellt, die man an die bisherigen anhängt: daraus entsteht eine Kette (Chain) aus Blöcken. Wer sich tiefer für die Entstehung und die mathematische Logik dahinter, oder für die zugrunde liegende Algorithmen interessiert, möge bitte in der einschlägigen Fachliteratur nachlesen. Das sogenannte Wallet (= Brieftasche) ist der Verwahrungsort für Blockchain-basierte Besitzurkunden, sogenannte Token aller Art. Auf mögliche Formen kommen wir später.

Aktueller Stand der juristischen Betrachtung

Aktuell gibt es erst wenige europäische Länder, die ein wirksames Gesetz zur Regelung digitaler Krypto-Assets implementiert haben: Malta und das Fürstentum Liechtenstein. Aber man sollte auch die Lage in Deutschland nicht unterschätzen. Tatsächlich ist das Gesetzgebungsverfahren hierzu bereits weit fortgeschritten und hat bereits die finale Phase des Referentenentwurfes erreicht.

Dieser Entwurf für das elektronische Wertpapier-Gesetz (eWeG) hat – im Bearbeitungsstand 23. Juli 2020 – verschiedene, höchst interessante Implikationen: Elektronische Wertpapiere werden von Gesetzes wegen ausdrücklich in den Status einer "Sache gem. §90 BGB" erhoben. Zudem hält der Gesetzentwurf die Frage der technologischen Basis offen, indem er klar auf "Blockchain oder vergleichbare Distributed Ledger Technologien" verweist.

Darüber hinaus ist der Referentenentwurf explizit „ zunächst auf den Bereich der elektronischen Inhaberschuldverschreibungen begrenzt", hält sich aber die Option der Ausweitung auf die Aktienmärkte und and andere Kapitalanlagen offen. Ob es auf die von uns weiter unten beschriebenen „tokenisierten Real Assets" im Bereich der alternativen Investments ebenfalls Anwendung finden wird – und wenn ja, wann – geht aus dem Entwurf bisher jedenfalls nicht hervor.

Ideen der Anwendung

Wofür lässt sich die Blockchain verwenden? Zunächst einmal bieten sich Anwendungen für Dokumentationen jeglicher Art an: Sei es, um die Provenienz eines Sammlerobjektes zweifelsfrei und unverfälscht zu dokumentieren. Sei es, mit Blick auf das autonome Fahren in der Zukunft, in einem Fahrzeug die Kommunikation mit anderen Fahrzeugen aller Art und die Handlungen der Fahrer zu dokumentieren. Oder sei es, einfach nur ein Fahrtenbuch für das Finanzamt zu führen, Unfalldaten festzuhalten oder die Wartungshistorie spezieller Maschinen zu dokumentieren. Auch Patentrechte, Echtheitszertifikate und Eigentumsnachweise für Anteile an Kapitalanlagen oder Wertgegenständen lassen sich so dokumentieren.