ALM-Studien für Pensionsanlagen Renditeziel verfehlt? Governance-Modell prüfen!

Berät bei Willis Towers Watson am Standort Frankfurt institutionelle Anleger: Herbert Graf.  | © Willis Towers Watson

Berät bei Willis Towers Watson am Standort Frankfurt institutionelle Anleger: Herbert Graf. Foto: Willis Towers Watson

Viele Pensionsanleger haben in den letzten Jahren ihre Kapitalanlage aufgrund der Marktgegebenheiten zwar angepasst. Jedoch haben 2019 über 71 Prozent ihre Renditeziele nicht erreicht, wie die Studie „Pension Risk Management und Anlage von Pensionsvermögen 2019“ zeigt. Dies liegt daran, dass die Portfolios weiterhin von Aktien und Anleihen dominiert werden. Auf alternative sowie meist illiquide Anlagen im Private-Markets-Bereich setzen Pensionsanleger nur zu geringen Anteilen – wahrscheinlich aufgrund der hohen Governance-Anforderungen für diese Anlageklassen und aufgrund eines systematischen Fehlers bei der Erarbeitung der strategischen Asset-Allokation.

„Blinde Flecken“ bei Beschränkung auf vorhandene Governance-Ressourcen

In der Regel legen Anleger ihre Anlagestrategien im Rahmen von Asset-Liability-Studien fest, ohne dabei ihre vorhandene beziehungsweise alternative Governance-Strukturen zu analysieren – ein Versäumnis mit erheblichen Folgen. Somit laufen sie Gefahr, Renditeträger mit hoher Governance-Erfordernis erst gar nicht in das vereinbarte Anlageuniversum aufzunehmen, wenn sie aufgrund fehlender Governance-Ressourcen oder bei Vorurteilen der Entscheidungsträger scheinbar nicht in Frage kommen. Nach Einschätzung von Willis Towers Watson ist es daher unerlässlich, die Governance-Struktur im Vorfeld einer ALM-Studie zu überprüfen und die Ergebnisse in die Studie einfließen zu lassen.

Fließen verschiedene Governance-Modelle in die ALM-Studie ein, lassen sich fundiertere strategische Anlageallokationen (SAA) und damit bessere Entscheidungshilfen für Anleger erarbeiten. Denn unterschiedliche Governance-Budgets lassen in der Praxis unterschiedlich komplexe Portfolio-Strukturen zu (siehe Abb. 1).

Abbildung 1: Auswirkungen des Governance-Modells auf die Portfolio-Struktur

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High-Governance-Modell ermöglicht schnelle Reaktion bei Marktänderungen

Erfahrungsgemäß bewegen sich viele Anleger mit ihrer Kapitalanlage in einer Mischung aus einem Low- beziehungsweise Medium-Governance-Modell. Mit Blick auf die Portfolien sind die erwarteten Ergebnisse sehr oft stark abhängig von den erzielten Gesamtrenditen von Aktien und Anleihen (mit steigendem Einfluss von Immobilien als oft einzig illiquidem Portfoliobestandteil). In der Praxis resultieren die Governance-Modelle vieler Anleger aus den geringen Zeit- und Ressourcenbudgets bei den handelnden Personen mit Portfolioverantwortung. Entscheidend ist jedoch, wie schnell und wie oft die Verantwortlichen das Portfolio umstrukturieren – und damit auf wechselnde Marktgegebenheiten reagieren – können. 

Verbesserte Zielerreichung durch komplexere Portfolios

Um Anlegern in Asset-Liability-Studien nicht nur eine quantitative Analyse zur Bestimmung ihrer langfristigen Strategie zu präsentieren, sollten im Rahmen dieser Studien auch Anlagestrategien für unterschiedliche Governance-Modelle erarbeitet und die Unterschiede im Hinblick auf die Zielerreichungsgrade herausgearbeitet werden.

Hierbei ist festzuhalten, dass komplexe Portfolien mit hohen Governance-Anforderungen aufgrund der hohen Freiheitsgrade am effizientesten abschneiden und Investoren hiermit ihre Ziele auch besser erreichen. Durch die sehr breite Streuung und Diversifizierung sind diese Portfolien nur bedingt abhängig von der Entwicklung von Aktien und Anleihen, da sie auf eine Vielzahl von Rendite- und Risikotreibern mit genauem Zuschnitt auf die Risiko-/Rendite-Anforderungen des Anlegers setzen. So werden beispielsweise Verpflichtungsrisiken dynamisch über Derivate abgesichert (teilweise gehebelt). Anders als bei termin-basierten Entscheidungen wird das Portfolio täglich überwacht und gegebenenfalls angepasst.