Dekarbonisierung Wie sich der Netto-Null-Plan der Allianz auf die Kapitalanlage auswirkt

Blick auf einen Windpark bei Friedrichskoog (Schleswig-Holstein)

Blick auf einen Windpark bei Friedrichskoog (Schleswig-Holstein): Der Versicherungskonzern Allianz hat seinen ersten Netto-Null-Plan veröffentlicht. Bildquelle: Imago Images/Olaf Döring

In einem neuen Netto-Null-Plan verpflichtet sich die Allianz zu konkreten Zwischenzielen bis 2030, um die Treibhausgasemissionen im eigenen Geschäftsbetrieb, Investmentportfolio und in der Schaden- und Unfallversicherung zu reduzieren. Für die Anlagen der Versicherungsnehmer strebt die Allianz bis zum Ende dieses Jahrzehnts eine Reduzierung der absoluten Emissionen um 50 Prozent an, verglichen mit dem Basisjahr 2019 für börsennotierte Aktien und Unternehmensanleihen. Ende 2022 waren bereits 36 Prozent erreicht, der Rest soll bis Ende 2029 verwirklicht werden. 

Scope-3-Emissionen werden einbezogen

Alle direkt gehaltenen Immobilien und Joint Ventures, in die die Allianz investiert, sollen in Bezug auf die Gesamtemissionen mit dem 1,5°C-Pfad übereinstimmen. Diese Sektorziele stehen im Einklang mit den Dekarbonisierungspfaden aus dem Szenario „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ der Internationalen Energieagentur (IEA). Darüber hinaus soll die Intensität der Treibhausgasemissionen von Investitionen in Unternehmen (sowohl börsennotierte als auch nicht börsennotierte) im Vergleich zu 2019 um 50 Prozent reduziert werden. 

Über die Sektorziele beginnt die Allianz auch Scope-3-Emissionen von Unternehmen, in die sie investiert, miteinzubeziehen. Scope 3 umfasst alle Emissionen, die entlang der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen. 

 

Neben den Portfolioreduktionszielen setzt die Allianz vorrangig Emissionsreduktionsziele für vier besonders emissionsintensive Sektoren fest: Stromversorger, Öl und Gas, Stahl und die Automobilbranche. Diese sollen durch einen aktiven Dialog mit den Unternehmen umgesetzt werden. Die Allianz arbeitet dafür mit sektorweiten Initiativen zusammen. 

Investitionen in Klimalösungen bis 2030 um 20 Milliarden Euro erhöhen

„Die Umstellung der Weltwirtschaft auf eine Netto-Null-Wirtschaft ist mit einem hohen Finanzierungsbedarf verbunden“, heißt es in dem Allianz-Plan. Das Unternehmen unterstütze dieses, indem es sich im Einklang mit der Definition der Net-Zero Asset Owner Alliance (NZAOA) ein Klimaziel setzt. In der NZAOA-Definition heißt es: „Klimalösungs-Investitionen sind Investitionen in wirtschaftliche Aktivitäten, die als Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels (einschließlich der Ermöglichung des Übergangs) und zur Anpassung an den Klimawandel angesehen werden, in Übereinstimmung mit bestehenden klimabezogenen Nachhaltigkeitstaxonomien und anderen allgemein anerkannten klimabezogenen Rahmenwerken.“ Mit ihrem neuen Klimaziel will die Allianz diese Definition nun in allen Anlageklassen abdecken.

Konkret bedeutet das, eine Investition gilt als eine Klimalösung, wenn:

  • ihre Aktivitäten mit den Aktivitäten der EU-Taxonomie zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an den Klimawandel übereinstimmen
  • wenn sie die an Artikel 2 (17) der SFDR ausgerichteten Kriterien für nachhaltige Investitionen erfüllt, das heißt zu einem umweltbezogenen Klimaschutzziel beiträgt und ein „Do no significant harm“ (DNSH) und ein Good-Governance-Screening besteht, zum Beispiel grüne Anleihen, nachhaltige grüne Gebäude, nachhaltige Forstwirtschaft, erneuerbare Energien, Impact- und Blended-Finance-Fonds.
  • Investitionen in Schuldtitel von staatlichen oder halbstaatlichen Emittenten sind für Klimalösungen nicht geeignet

Ziel der Allianz ist es, die Investitionen in Klimalösungen bis 2030 um mindestens 20 Milliarden Euro zu erhöhen – vorbehaltlich der Marktbedingungen und -beschränkungen.

Europas größter Versicherungskonzern war im Mai aus dem Klimabündnis der Versicherer, der UN-Initiative NZIA,  ausgetreten – gemeinsam mit weiteren großen Versicherern. Als Grund für ihren Austritt nannten einige der Versicherungsriesen Angst vor kartellrechtlichen Problemen in den USA. Versicherer und Rückversicherer mit starkem Nordamerika-Geschäft befürchteten demnach Nachteile.

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