Allianz Global Wealth Report 2026 Geldvermögen: USA schlagen die Schweiz, Deutschland steigt auf

Kunden vor dem Tiffany-Store auf der Fifth Avenue: US-Haushalte profitieren besonders stark von steigenden Aktienkursen.

Kunden vor dem Tiffany-Store auf der Fifth Avenue in New York: US-Haushalte profitieren besonders stark von steigenden Aktienkursen. Bildquelle: IMAGO / Levine-Roberts

Noch nie besaßen private Haushalte so viel Geld wie heute. Laut dem neuen Allianz Global Wealth Report 2026 kletterte ihr weltweites Geldvermögen im vergangenen Jahr um 8,6 Prozent auf 268,4 Billionen Euro. Ausgewertet haben die Allianz-Ökonomen Daten aus 57 Ländern.

Den Löwenanteil des Zuwachses verdanken die Sparer den Börsen und nicht dem eigenen Sparen. Nach Rechnung der Allianz gingen vier von fünf zusätzlichen Euro auf gestiegene Kurse zurück. Frisches Geld flossen dagegen weniger als im Vorjahr in die Vermögensbildung.

Ganz so glänzend ist der Rekord allerdings nicht. Rechnet man die Preissteigerung heraus, ist das Geldvermögen seit 2019 nur etwa halb so stark gewachsen, wie die nominalen Zahlen nahelegen – aus fast 50 Prozent nominalem Wachstum werden real nur 23 Prozent. In Westeuropa hat die Kaufkraft der Vermögen seither praktisch nicht zugelegt.

Schulden entscheiden über Platz eins

Wer im Länderranking vorn liegt, hängt davon ab, ob man die Schulden abzieht. Vor Abzug der Verbindlichkeiten führt die Schweiz. Doch die Schweizer Haushalte haben pro Kopf rund 130.000 Euro Schulden, was mit den hohen Stand an Hypotheken zusammenhängt, und damit mehr als doppelt so viel wie die amerikanischen Haushalte mit fast 53.000 Euro. Deshalb liegen die USA nach Abzug der Schulden vor der Schweiz.

Deutschland verbessert sich nach Abzug der Schulden auf Platz 12 und liegt damit einen Rang besser als im Vorjahr. Ohne Abzug der Schulden bleibt es unverändert auf Platz 13.

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Das Ranking erfasst nur Geldvermögen. Beim Immobilienvermögen pro Kopf führt die Schweiz mit ungefähr 350.000 Euro vor Australien mit rund 279.000 Euro, die USA folgen erst auf Platz 7 mit knapp 174.000 Euro. Rechnet man Immobilien und Geldvermögen nach Abzug der Schulden zusammen, verändert sich die Rangliste deshalb deutlich. Die Schweiz wieder die Führung, und Deutschland landet auf Platz 10.

Warum Amerikaner schneller reicher werden

Die USA sind nicht nur Spitzenreiter beim Vermögen pro Kopf, sie treiben auch das weltweite Wachstum an. Auf Nordamerika entfällt knapp die Hälfte des globalen Geldvermögens und gut die Hälfte des Zuwachses im vergangenen Jahr.

Einen wesentlichen Grund sieht die Allianz in der Anlagestruktur. Amerikanische Haushalte halten rund 60 Prozent ihres Geldvermögens in Wertpapieren und profitieren damit von steigenden Kursen. Weltweit haben Wertpapiere inzwischen fast die Hälfte des Geldvermögens erreicht, so viel wie nie. Bankeinlagen und Versicherungsansprüche wuchsen 2025 nicht einmal halb so stark.

 

Deutsche sparen fleißig – und holen zu wenig heraus

Am Sparen liegt Europas Rückstand nicht. Im Verhältnis zu ihrem Vermögen legten Westeuropäer in den vergangenen zehn Jahren sogar etwas mehr zurück als Nordamerikaner. Ihr Vermögen wuchs dennoch nur etwa halb so schnell.

Besonders deutlich zeigt sich das in Deutschland. Die hiesigen Haushalte haben ihr Vermögen ordentlich gesteigert, dafür aber fast doppelt so viel neues Geld eingezahlt wie Amerikaner. Kursgewinne trugen nur rund ein Drittel zum Zuwachs bei, in Nordamerika mehr als zwei Drittel. Nach Einschätzung der Allianz könnten europäische Sparer ihre Erträge steigern, ohne mehr zurückzulegen, wenn sie stärker am Kapitalmarkt investieren würden.

Große Vermögen, wenige Besitzer

An der Verteilung hat der Vermögenszuwachs wenig geändert. Das reichste Zehntel der erfassten Weltbevölkerung – im Schnitt mit einem Vermögen von knapp 313.000 Euro – besitzt laut Report gut 85 Prozent des gesamten Geldvermögens nach Abzug der Schulden. Die ärmere Hälfte, fast 3 Milliarden Menschen, hat dagegen so gut wie nichts.

Auch innerhalb der Länder ist die Vermögenskluft über zwei Jahrzehnte nahezu gleich geblieben. In den USA und in China hat sie sich sogar spürbar vergrößert.

Erbschaften: viel Geld, ungleich verteilt

Ein Großteil des Geldvermögens liegt bei den Älteren: In Deutschland halten Haushalte ab 55 Jahren nach Schätzung der Allianz rund 60 Prozent des Geldvermögens vor Abzug der Schulden. Die Autoren verweisen zudem auf eine Schätzung des DIW aus dem Jahr 2021, wonach hierzulande jährlich rund 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt werden. Etwa die Hälfte davon geht demnach an die reichsten 10 Prozent der Begünstigten.

Wie viel am Ende tatsächlich weitergegeben wird, ist offen. Pflege, Gesundheit und der eigene Ruhestand dürften einen beträchtlichen Teil der Vermögen verbrauchen, bevor sie an die nächste Generation gehen.

KI sorgt für Wachstum, ist aber auch ein Risikofaktor

Für das laufende Jahr erwartet die Allianz ein weiteres kräftiges Plus von rund 9 Prozent. Die Autoren knüpfen das jedoch an eine Bedingung: Die Unternehmen müssen die hohen Erwartungen an künstliche Intelligenz mit Gewinnen einlösen.

Andernfalls droht vor allem den US-Haushalten ein empfindlicher Rückschlag. Für ein Negativszenario hat die Allianz einen Einbruch des S&P 500 um ein Viertel durchgerechnet: US-Haushalte würden dann rund 27 Billionen Dollar an Vermögen verlieren, und die US-Wirtschaft würde in die Rezession rutschen. Unabhängig davon erwarten die Ökonomen für das weltweite Geldvermögen mittelfristig ein gemächlicheres Wachstum von 5 bis 6 Prozent pro Jahr.

Zum vollständigen Report

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