Aktives Management mit passiven Produkten „Zertifikate und ETFs schließen sich nicht gegenseitig aus“

Matthias Hüppe, Leiter Derivatives Public Distribution bei HSBC Deutschland: „Mit einer Kombination aus Zertifikaten und ETF können institutionelle Anleger in Seitwärtsmärkten eine höhere Rendite erzielen.“  | © HSBC Trinkaus & Burkhardt AG

Matthias Hüppe, Leiter Derivatives Public Distribution bei HSBC Deutschland: „Mit einer Kombination aus Zertifikaten und ETF können institutionelle Anleger in Seitwärtsmärkten eine höhere Rendite erzielen.“ Foto: HSBC Trinkaus & Burkhardt AG

Herr Hüppe, auf dem Private Banking Kongress in München wurde die Möglichkeit, ETFs als Liefergegenstand für Zertifikate zu hinterlegen, von den Teilnehmern eifrig diskutiert. Was hat es damit auf sich?

Matthias Hüppe: Die Kombination aus Zertifikaten und ETFs sieht vor, dass als Rückzahlungsgegenstand des Zertifikats nicht ein Cash-Betrag gezahlt wird, sondern ein ETF. Die klassischen Zertifikate auf Aktien sind schon immer so konstruiert, dass sie ein Aktiensubstitut bilden. Bei den Zertifikaten mit ETFs als Liefergegenstand handelt es sich um eine identische Konstruktion, nur dass ETFs geliefert werden. Zertifikate und ETFs schließen sich nicht gegenseitig aus.

Bei welchen Anlegern stößt dieses Instrument auf besondere Nachfrage? Warum legen Sie dieses Produkt auf?

Hüppe: Vermögensverwalter und Private Banker sind häufig stark im ETF-Bereich investiert. Sie unterliegen, was die Allokation des ihnen anvertrauten Kapitals anbelangt, strikten Auflagen. Große Positionen in Renten und Cash können im aktuellen Marktumfeld Negativrenditen mit sich bringen.  Es gibt daher nur wenige Alternativen, um zeitweise in eine defensivere Zertifikatestruktur auszuweichen. Mit diesen Alternativen, zu denen eine Kombination aus Zertifikaten und ETF gehört, können institutionelle Anleger in Seitwärts- oder leicht fallenden Märkten eine höhere Rendite erzielen.

Wann bietet sich der Einsatz der Zertifikat-ETF-Kombination an?

Hüppe: Die Nachfrage nach diesem Produkt entsteht durch die derzeit gefühlte  Verunsicherung am Aktienmarkt gepaart mit dem Wunsch nach der Verstetigung von Renditen. Die Märkte waren mehr als sechs Jahre lang von einer ausdauernden Hausse-Phase geprägt, da konnte man nicht viel falsch machen. Doch in der neuen spätzyklischen Marktphase besteht die Herausforderung darin, in Seitwärtsmärkten oder fallenden Märkten eine Outperformance zu erreichen. Jetzt wird sich bei den Portfolios die Spreu vom Weizen trennen.

Welche weiteren Vorteile sind mit dem Produkt verbunden?

Hüppe: Ein großer Vorteil sind die Kosten: Diese Zertifikate sind unwesentlich teurer als ein ETF, beinhalten keine jährlichen Kosten und sind weitaus günstiger als aktiv gemanagte Strukturen. Die Kosten von Zertifikaten werden selbst von Profis noch oft überschätzt. Studien haben nachgewiesen, dass die Kosten von transparenten und einfachen Strukturen wie Aktienanleihen und Discount-Zertifikaten teilweise unter 0,5 Prozent liegen. Ein aktiv gemanagter Fonds vereinnahmt deutlich höhere Gebühren. Aber auch hinter ETFs müssen sich diese Produkte wahrlich  nicht verstecken.

Worauf sollten Anleger beim Einsatz dieser Produkte gezielt achten?

Hüppe: Neben einem guten Riecher für den Markt ist hier natürlich das Emittentenrisiko zu erwähnen. Die Risiken von Zertifikaten werden häufig leider rein aufgrund von Vorurteilen bewertet. Es überrascht mich immer wieder, dass Unternehmensanleihen mit deutlich schlechterem Rating als das des Zertifikate-Emittenten im Portfolio ihren Platz finden, Zertifikate aber wegen des Bonitätsrisikos ausgeschlossen werden. Rational ist das kaum erklärbar, sind doch beides letzten Endes Inhaberschuldverschreibungen.

Was hat HSBC außerdem neu im Produktportfolio?

Hüppe: Der Marktlage und den Wünschen der Vermögensverwalter entsprechend haben wir ein BEAR-Zertifikat aufgelegt. Es bildet den Dax umgekehrt ab: Wenn der Dax einen Punkt steigt, fällt das Zertifikat um einen Cent und vice versa. Wir wurden angesprochen, da Short-ETFs auf den Dax die Rendite des Index dauerhaft leider nicht spiegelbildlich abbilden: Während der Dax im Verlauf von einem Jahr 5 Prozent verloren hat, hat ein entsprechender Short-ETF auf den Dax 1,1 und nicht die 5 Prozent an Wert gewonnen. Unser BEAR-Zertifikat – dank seiner Dokumentation nebenbei das einzige für Privatkunden investierbare BEAR-Zertifikat, das es derzeit am Markt gibt – zeigt: Wenn der Dax um 100 Punkte fällt, steigt das Zertifikat um einen Euro. Mit dem BEAR-Zertifikat haben wir eine im Vergleich zum Short-ETF deutlich weniger komplexe Struktur aufgelegt. Das BEAR-Zertifikat bildet den Dax dauerhaft eins zu eins auf der negativen Seite ab.

Könnten Sie die Möglichkeit den Dax zu shorten am Beispiel illustrieren?

Hüppe: Zertifikate-Anleger können sich mit einem BEAR-Zertifikat sofort ausrechnen, wie die Rückzahlung ausfällt. Wenn Anleger davon ausgehen, dass der Dax in einem Jahr bei 10.000 Punkten steht, müssen sie nur vom Basispreis bei (23.000 Punkten) die Zahl abziehen und das Ergebnis ist der Rückzahlungsbetrag in Cent. Also würden in dem genannten Szenario 130 Euro am Einlösungstermin (27. März 2020) je Zertifikat zurückgezahlt – was beim aktuellen Kaufkurs um 115 Euro eine Rendite von rund 12 Prozent bedeutet. Anleger sichern sich mit dem Zertifikat eine 100-prozentige positive Partizipation an fallenden Kursen des Index.

Welche weiteren Produkte ziehen derzeit das Interesse der Institutionellen Anleger auf sich?

Hüppe: Alles, was Vola verkauft. Werte, die derzeit stark schwanken, werden von den Kunden gesucht. Sehr viele Markteilnehmer haben zum Beispiel die Bayer-Aktie im Portfolio. Dieser Titel unterliegt derzeit wegen der Schwierigkeiten mit der Monsanto-Tochter einer hohen Volatilität. Anleger können einen Teil der Unsicherheit in der Aktie mit einem Zertifikat herausnehmen und in positive Rendite ummünzen – in der Hoffnung, dass sich das Ganze schnell legt, dann werden diese Strukturen auch gar nicht so lange gehalten.

Wie hoch ist die durchschnittliche Anlagedauer bei Ihren Produkten?

Hüppe: Zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Ein Jahr ist meist wirklich schon die maximale Laufzeit. Investoren schätzen die Flexibilität, die sie mit Zertifikaten erhalten, deshalb kommen diese Strukturen eher kurzfristig und aktiv zum Einsatz.